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DFG fördert „Bereitstellung digitalisierter laotischer Handschriften im Internet“ mit über 460.000 Euro



In dem auf drei Jahre angelegten Vorhaben „Bereitstellung digitalisierter laotischer Handschriften im Internet“ wollen die Wissenschaftler der Universität Passau gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern ein umfangreiches Korpus bislang unzugänglicher laotischer Primärquellen digitalisieren und zusammen mit einem zweisprachigen (laotisch-englischen) Index im Internet bereit stellen. Ziel des Projekts ist es, die Voraussetzung zu schaffen für eine fundierte Erforschung und Erschließung einer bedeutenden kulturellen und literarischen Tradition des buddhistischen Südostasien, deren vertieftes Verstehen gerade in der heutigen Zeit wichtige Impulse liefern kann für eine reflektierte, nachhaltige Humanisierung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowohl in der DVR Laos als auch in den Nachbarländern. Der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist das Projekt von Professor Dr. Rüdiger Korff (Lehrstuhl für Südostasienkunde II) und Prof. Dr. Harald Hundius einiges wert, fördert sie es doch mit 466.000 Euro. Hinzu kommen weitere Mittel an die Projektpartner – unter anderem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, so dass die Gesamtfördersumme bei über einer halben Million Euro liegt.  

Das Korpus umfasst annähernd 10.000 Manuskripte (zumeist Palmblatthandschriften) mit insgesamt etwa 3 bis 4 Millionen Seiten. Die Texte wurden im Zuge eines von 1992 bis 2004 vom Auswärtigen Amt geförderten Kulturhilfeprojektes in Laos auf Mikrofilm aufgenommen. Ausgewählt aus den Beständen hunderter buddhistischer Klosterbibliotheken, staatlicher sowie privater Sammlungen aller Provinzen, repräsentiert das Korpus praktisch das gesamte aus fünf Jahrhunderten überlieferte Schrifttum des Landes. Neben kanonischen Werken der Theravada-Tradition, die Mehrzahl davon in zweisprachigen (Pali-Lao) Versionen, ist eine Vielzahl außerkanonischer Werke enthalten sowie das gesamte Spektrum säkularen Schrifttums: Quellen zur Geschichte, zu traditionellem Recht und Brauchtum, Astrologie und Magie, Ritual und Mythologie, traditioneller Medizin und Heilkunde, Lexikografie, Grammatik, sowie eine große Anzahl von Werken fiktionaler Erzählliteratur in Prosa und in gebundener Sprache aus indigener Tradition. Daneben enthält die Sammlung auch eine beträchtliche Anzahl von Manuskripten verwandter, aus Nachbargebieten eingewanderter Volksgruppen.  

Forschung mit internationalen Kooperationspartnern
In Zusammenarbeit mit dem der British Library, London, angeschlossenen International Dunhuang Project (IDP) werden Datenverarbeitungssystem und Webseite erstellt. Dieses seit mehr als zehn Jahren laufende Vorhaben verfügt über eine fundierte Expertise in Gestaltung und Implementation einer mehrsprachigen Internet-Präsentation heterogenen Handschriftenmaterials und anderer Daten. Mit der Staatsbibliothek zu Berlin verbinden das IDP bereits enge Arbeitsbeziehungen. Die Webseite wird ein Forum mit einschließen, das dem Austausch von Informationen im Bereich relevanter Forschung und Erschließung dient. Die Hauptkomponente des Arbeitsprogramms besteht in der Dateneingabe in den zu erstellenden Index sowie der damit verbundenen Forschung. Diese Arbeiten werden unter der Betreuung von Professor Dr. Harald Hundius (früherer Inhaber der Professur für Festland-Südostasien an der Universität Passau) und Mitwirkung einheimischen Personals in der laotischen Nationalbibliothek in Vientiane durchgeführt. Darüber hinaus wird sich das Projekt um Abstimmung, Zusammenarbeit und Vernetzung mit ähnlichen Vorhaben in benachbarten Ländern bemühen, insbesondere im Bereich der Einrichtung digitaler Bibliotheken. Nach Projektende wird der Lehrstuhl für Südostasienkunde II (Professor Dr. Rüdiger Korff) der Universität Passau gemeinsam mit der laotischen Nationalbibliothek für inhaltliche Pflege und fortlaufende Aktualisierung der Webseite Sorge tragen.  Als Bestandteil der Virtuellen Fachbibliothek Ost- und Südostasien sind Primär- und Metadaten über den Förderungszeitraum hinaus langfristig gesichert.  

Förderung der wissenschaftlichen Kompetenz in Laos
Rolle und Ansehen der laotischen Nationalbibliothek, die schon das o.g. deutsch-laotische Kulturhilfeprojekt erfolgreich durchgeführt hat, werden durch dieses in Südostasien richtungweisende Projekt erheblich gesteigert, Kompetenz und Leistungsansporn ihrer Mitarbeiter durch die fortgesetzte Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern europäischer Schule weiter gefestigt und vertieft. Auch die vor zehn Jahren gegründete Nationale Universität von Laos wird aus dem Vorhaben unmittelbaren Nutzen ziehen: für Lehre und Forschung wird dort eine Offline-Version der Webseite zur Verfügung gestellt.  

Organisation
Administrative und wissenschaftliche Verantwortung des Projekts obliegen dem Lehrstuhl für Südostasienkunde II (Festland-Südostasien), Universität Passau. Digitalisate und Webseite werden in die Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin/Preußischer Kulturbesitz integriert.  

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Thoralf Dietz | 31.05.2007

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