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Hot or not – Befragung ermittelt die Anziehungskraft des Standorts Passau auf junge Nachwuchskräfte

Studierende halten Passau als Arbeitsstätte für nicht attraktiv, Schüler und Azubis sind mit den Berufsaussichten hingegen zufrieden. Masterarbeit der Universität analysiert das Image der Region und spricht konkrete Handlungsempfehlungen aus.

Ist Passau ein guter Standort, um eine Ausbildung zu beginnen, in den Traumberuf zu starten oder gar um richtig Karriere zu machen? Fragen, die wohl einem Großteil der Schüler, Azubis und Studierenden vor Ort durch den Kopf gehen. Mit seiner Masterarbeit hat der Absolvent Maximilian Auer ihre Antworten analysiert. Mit Unterstützung der ESF-geförderten Wissensinitiative Passau Plus der Universität und des Regionalmanagements des Wirtschaftsforums der Region Passau leitet er daraus Empfehlungen ab, wie  Stadt und Region Passau sich für „High Potentials“ attraktiv präsentieren sollten.

Er befragte für seine Abschlussarbeit verschiedene Personengruppen, die vor dem Einstieg oder am Anfang ihres Berufslebens stehen. Ergebnis: Studierende antworten auf die Fragen „Die in der Region Passau vorhandenen Arbeitgeber sind für mich attraktiv“, „Ich kann in der Region Passau einen Arbeitgeber finden, bei dem ich gute Karrierechancen habe“ etc. zurückhaltend. Auf einer Skala von 1 (trifft nicht zu) bis 5 (trifft zu) sprachen sie ihrem Studienort im Schnitt nur wenige Vorzüge zu. „Das Problem liegt allerdings weniger in der Substanz als am Image. Es gibt hervorragend aufgestellte Unternehmen in und um Passau, die insbesondere das betriebswirtschaftliche, interkulturelle und technische Know-How nachfragen, das an der Universität vermittelt wird. Was fehlt sind die großen Konzerne, die einer ganzen Region Strahlkraft verleihen“, erklärt Prof. Carola Jungwirth, Inhaberin des Lehrstuhls für Internationales Management. Ein Zusammenschluss wie das Wirtschaftsforum Passau könne in Ermangelung solcher Leuchttürme für seine Mitglieder in die Bresche springen und als zentrale Plattform für die Rekrutierung von Nachwuchs dienen. Die Masterarbeit fragte daher auch nach dem Bekanntheitsgrad und der persönlichen Relevanz verschiedener Aktivitäten in diesem Bereich. Studierende wünschen sich etwa mehr Gastvorträge von Unternehmensvertretern, wie diese bereits von der Wissensinitiative Passau Plus und dem Lehrstuhl für Internationales Management angeboten werden. Eine entsprechende Themenplattform könnte zudem durch das Wirtschaftsforum initiiert werden. Anspringen würden sowohl Studierende als auch die zusätzlich befragten Schüler und Azubis z. B. auf eine regional ausgerichtete Jobbörse. „Eine solche Börse lässt sich nicht nur online umsetzen. Verschiedene Best-Practice-Beispiele zeigen, dass auch kreative Ansätze wie die Radio-Jobwelle des Offensiv-Zukunftsforums Oberfranken funktionieren. Unter Beteiligung der Handwerkskammer und der Arbeitsagentur schalteten mehrere Lokalsender eine Hotline, über die Unternehmen kostenlos Lehrstellenangebote an interessierte Jugendliche weitervermittelten“, so Maximilian Auer. Auch für eine grundsätzliche Imagekampagne gebe es erfolgreiche Vorbilder, etwa das „Wir wollen deinen Kopf“-Konzept des Münsterlandes. Mit Plakaten, Messeauftritten und Internetmarketing sei es mit einer einheitlichen Botschaft möglich, jungen Menschen ein klares Bild von den vielfältigen und dynamischen Arbeitsfeldern der Region und den „hidden champions“ unter den Unternehmen zu vermitteln.

Von einer besseren Ausgangsposition startet die Wirtschaft bei (Berufs-)Schülern und Auszubildenden. Diese beurteilen die Region weit positiver, zeigen sich mit den Angeboten zur Ausbildung zufrieden und wünschen sich mehrheitlich eine berufliche Zukunft in der Region. Lediglich die Eigendarstellung der Weiterbildungseinrichtungen sei verbesserungsbedürftig. „Ein Großteil der weiterführenden Schulen verfügt über keine zeitgemäße Internetpräsenz. Hier könnte das Wirtschaftsforum mit Schulungen aktiv werden, wie sich mit kostenlosen Systemen und vertretbarem Aufwand ansprechende Webseiten aufziehen lassen“, so Auer.

„Die Aussagen der Schüler und Azubis decken sich mit anderen Studien. Sie zeigen, dass viele junge Menschen nicht in die Ferne streben. Sie wollen sich in vertrauter Umgebung niederlassen – an den Orten, an denen sie aufgewachsen sind und/oder studiert haben. Meist gehen sie nur dann, wenn sie das Gefühl haben, dass das wirtschaftliche Umfeld nicht stimmt“, so Robert Richter, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationales Management und Betreuer der Masterarbeit.

Ein großer Teil der Studie dreht sich daher um die Frage, welche Faktoren erfüllt sein müssen, damit High Potentials sich wohlfühlen. Im Bereich der Maßnahmen zur Beeinflussen des Arbeitsinhaltes gewichteten die Befragten Aspekte des „Job Enrichment“ besonders stark – also die planvolle Ausweitung des eigenen Kompetenzbereiches. „Ein Einkäufer, der irgendwann zusätzlich zum Schreiben von Bestellungen neue Lieferanten bewerten und Lieferverträge abschließen darf, wird tendenziell zufriedener sein als ein Kollege, der stagniert“, erklärt Maximilian Auer. Im Bereich Führungsverhalten legen die Befragten besonderen Wert auf „Inspirational Motivation“, also die Fähigkeit von Vorgesetzten ihre Mitarbeiter durch anspruchsvolle Ziele zu motivieren und für Zusammenhalt und Optimismus im Team zu sorgen. „Auf beide Bereiche kann das Wirtschaftsforum direkt keinen Einfluss ausüben. Denkbar wären aber Workshops, die Unternehmensvertretern deren Wert für die Mitarbeiterbindung nahe bringen. Sonst geht etwa der Trend, junge Menschen erst einmal befristet zu beschäftigen, unter Umständen nach hinten los, weil Mitarbeiter, die man grundsätzlich halten will, sich frühzeitig anders orientieren“, erläutert Herr Auer.

„Genau diese Impulse sind es, die für unsere Mitglieder aber auch alle anderen Arbeitgeber in der Region für die Zukunft wichtig sind. Klare, praxisnahe Empfehlungen, die im besten Falle rasch umgesetzt werden können – natürlich am einfachsten in einem Verbund wie dem Wirtschaftsforum. Wir begrüßen daher die laufende Kooperation mit der Wissensinitiative sehr“, erklärt Dr. Maria Diekmann, Regionalmanagerin des Wirtschaftsforums der Region Passau. Bereits in der Vergangenheit hat das Regionalmanagement konkrete Projekte angestoßen, welche aus Untersuchungen der Wissensinitiative Passau Plus der Universität entstanden sind.

Die Arbeit von Maximilian Auer fügt sich nahtlos ein in deren Engagement. Sie verzahnt Universität und regionale Wirtschaft, um Strategien zum Umgang mit dem demografischen Wandel und einem drohenden Fachkräftemangel zu entwickeln. Die Mitarbeiter organisieren Netzwerke zwischen Unternehmen und Seminare, vermitteln Abschlussarbeiten und bringen Firmen damit verstärkt in Kontakt mit Studierenden.

 

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Steffen Becker | 17.07.2012

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