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"Ungewöhnlich und gewinnbringend": DFG-Graduiertenkolleg zum Thema Privatheit wird weiter gefördert

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) setzt die Förderung des Graduiertenkollegs 1681 zum Thema Privatheit an der Universität Passau fort. Bis 2021 werden rund 3,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Universität vergibt mit diesen Mitteln Stellen und Stipendien an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die im Bereich "Privatheit und Digitalisierung" forschen.

Die aktuellen Kollegiatinnen und Kollegiaten des Graduiertenkollegs Privatheit mit Koordinator Martin Scheurer (I.) und Post-Doc Martin Hennig (r.) vor ihrer „Haustür“ am Institutsgebäude der Universität in der Gottfried-Schäffer-Straße.
Die aktuellen Kollegiatinnen und Kollegiaten des Graduiertenkollegs Privatheit mit Koordinator Martin Scheurer (I.) und Post-Doc Martin Hennig (r.) vor ihrer „Haustür“ am Institutsgebäude der Universität in der Gottfried-Schäffer-Straße.

Das Passauer DFG-Graduiertenkolleg 1681 wurde 2012 eingerichtet. In der bisherigen Förderphase lautete das Oberthema "Privatheit. Formen, Funktionen, Transformationen". Eine fächerübergreifende Forschungsgruppe, bestehend aus Promovierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, untersucht dort das Spannungsfeld zwischen Staat, Kultur, Medien und Recht. In der neuen Förderphase ab Oktober 2016 steht das Themenfeld "Privatheit und Digitalisierung" im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit. Die Bezugspunkte reichen von der durch Edward Snowden neu entfachten Überwachungsdebatte über den Diskurs zum Ende der Privatheit durch Social Media und sorglos genutzte Internetdienste bis hin zu ethischen Grenzfragen einer totalen Determination des Menschen im Rahmen von Big Data, E-Health und gesundheitsvorsorgendem Selbsttracking.

"Die Digitalisierung ist ein Segen für die Gesellschaft, wenn man mit ihr verantwortungsvoll umgeht", erklärt Prof. Dr. Dirk Heckmann, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht und Sprecher des Graduiertenkollegs. "Die permanente Erzeugung und Verarbeitung persönlicher Daten zu durchaus nützlichen Zwecken darf die Privatsphäre, private Rückzugsräume, informationelle Selbstbestimmung und persönlichen Geheimnisschutz nicht in Frage stellen. Wir wollen über die Grenzen der jeweils beteiligten Fachdisziplinen hinweg und im Zusammenwirken aller Arbeitsbereiche Schutzkonzepte zum Erhalt von Privatheit entwickeln. Dieses wissenschaftlich wie gesellschaftlich höchst relevante Thema kann unserer Auffassung nach nur in einer interdisziplinären Herangehensweise erfolgreich bearbeitet werden. Dass die DFG unser Vorhaben weiter unterstützt, zeigt uns, dass wir mit dem 'Passauer Ansatz' auf dem richtigen Weg sind."

Dieser Ansatz zeichne sich "durch die ungewöhnliche, über die Grenzen von zwei Fakultäten gehende Zusammenarbeit von Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftlern auf der einen sowie Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auf der anderen Seite" aus, heißt es in der Begründung des Ausschusses, der in einem mehrstufigen Begutachtungsverfahren über die Weiterförderung entschieden hat. "Diese Kooperation zwischen weit auseinander liegenden Disziplinen ist für das gewählte Thema 'Digitalisierung und Privatheit' sehr gewinnbringend."  

Zudem profitiere das Graduiertenkolleg nicht nur von der Infrastruktur der Universität und vielfältigen wissenschaftlichen Anknüpfungspunkten an deren Lehrstühlen und Instituten, sondern auch von der Einbettung in regionale Netzwerke wie das Netzwerk Internet und Digitalisierung Ostbayern (INDIGO), das von den Universitäten in Passau und Regensburg sowie den Hochschulen in Deggendorf, Landshut, Regensburg und Amberg-Weiden getragen wird.

Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth freut sich über die Fortsetzung des DFG-Graduiertenkollegs: "Die erneute Bewilligung des interdisziplinären Graduiertenkollegs Privatheit schafft auch eine hervorragende Motivationsgrundlage, um unsere Kräfte für die Exzellenzinitiative in dem seit über einem Jahr intensiv bearbeiteten interdisziplinären Projekt "Blurring Boundaries - verschwimmende Grenzen" zu bündeln."

Was ist ein Graduiertenkolleg?

Graduiertenkollegs sind Einrichtungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die innovative exzellente Forschung mit einer darauf bezogenen, strukturierten Nachwuchsförderung verbinden.  Im Mittelpunkt steht die Qualifizierung von Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen eines thematisch fokussierten Forschungsprogramms sowie eines strukturierten Qualifizierungskonzepts. Das Kolleg an der Universität Passau ist an der Philosophischen sowie der Juristischen Fakultät verankert. Es soll deutschen wie internationalen Promovierenden eine Basis für deren Forschung und weitere Qualifizierung für Ihren beruflichen Werdegang bieten. Die Kollegiatinnen und Kollegiaten müssen sich in einem Auswahlverfahren durch ihr fachliches Profil und ein herausragendes, fächerübergreifendes Forschungskonzept auf internationalem Niveau auszeichnen.

Weitere Informationen auf der Webseite des Kollegs.

Bildhinweis: Welche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aktuell im Graduiertenkolleg forschen und woran, sehen Sie in unserer Fotogalerie. Die Bilder können Sie in druckfähiger Qualität aus der Galerie kostenfrei herunterladen. Fotos: Universität Passau.

Katrina Jordan | 09.08.2016

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