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Aus Fehlern in der Entwicklungspolitik lernen: Passauer Professor erforscht Beschäftigungsprogramme in Malawi

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Michael Grimm vom Lehrstuhl für Development Economics an der Universität Passau untersucht die Wirkung von staatlich subventionierten Beschäftigungsprogrammen in Malawi. Die Bundesregierung erhofft sich davon unter anderem wichtige Erkenntnisse für die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Bewohner eines malawischen Dorfes werden über das Beschäftigungsprogramm informiert, dessen Wirkung nun von der Universität Passau erforscht werden. Foto: privat.
Bewohner eines malawischen Dorfes werden über das Beschäftigungsprogramm informiert, dessen Wirkung nun von der Universität Passau erforscht werden. Foto: privat.

Beschäftigungsprogramme sind in der Entwicklungszusammenarbeit recht beliebt: Sie schaffen Arbeitsplätze und öffentliche Güter wie Brunnen, Straßen und Brücken und sollen dadurch die Produktivität steigern und für wirtschaftliches Wachstum sorgen - so zumindest die Meinung von Regierungen und Kreditgebenden. Die tatsächliche Wirkung der Programme ist bisher jedoch kaum erforscht. Prof. Dr. Michael Grimm, Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics an der Universität Passau, stößt nun in diese Forschungslücke vor. Seit September 2016 untersucht er mit einem internationalen Team die sogenannten "Public Works"-Programme in Malawi. Von der malawischen Regierung initiiert, sollen diese Projekte helfen, das Soziale Sicherungssystem zu stärken.

Das Projekt, das zunächst bis Dezember 2017 läuft, wird durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung tätig wird. Der Geldgeber erhofft sich nicht nur wichtige Ergebnisse für Subsahara-Afrika, sondern auch für ähnliche Programme, die in der Türkei, in Jordanien, im Irak und im Libanon unter dem Namen "Cash4Work" implementiert werden, um Fluchtursachen zu bekämpfen. "In Krisengebieten sind solche Programme derzeit eins der Hauptinstrumente, um die dortige Not zu lindern und die Menschen gestärkt in ihre Heimatländer zurückkehren zu lassen", sagt Prof. Dr. Michael Grimm. 

In Malawi arbeiten die meisten Menschen in der Landwirtschaft. Diese zeichnet sich durch Phasen aus, in denen es mal mehr und mal weniger viel zu tun gibt. Zudem tragen Faktoren wie Wetter, Krankheiten und Plagen zu einer großen Unsicherheit bei. Hier setzen Beschäftigungsprogramme an. "Sie wirken wie eine Art Versicherung. Zum einen ist dank ihrer Hilfe das Einkommen relativ stabil, auch wenn die Ernte ausfällt. Zum anderen werden Dinge gebaut, die einen ökonomischen Wert für die Gemeinschaft haben, etwa ein Brunnen", erklärt Michael Grimm. Das so vielversprechend klingende Programm, das seit acht Jahren in Malawi existiert, birgt jedoch Herausforderungen: "In der Praxis hat es bisher noch nicht die Wirkung entfaltet, die erhofft war. Man hat herausgefunden, dass die Leute zwar vom Programm Gebrauch machen, aber nicht mehr konsumieren und investieren, um beispielsweise ihre Produktivität zu erhöhen."

In den nächsten Monaten wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Passau deshalb herausfinden, warum das Programm noch nicht erfolgreich ist - und an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, damit es in Zukunft erfolgreich sein kann. Untersucht werden soll, welche Maßnahmen wann, wo und warum am besten wirken und wie das Programm umgestaltet werden müsste, damit es seine volle Wirkung entfaltet. Mit diesem Ansatz betreten sie Neuland. "In der Forschung ist weitestgehend unklar, was innerhalb der Haushalte passiert und wie nachhaltig die öffentlichen Güter, die im Rahmen der Programme gebaut werden, sind", sagt Michael Grimm. 

Die Ergebnisse des Projekts sollen sich an ein breites Publikum richten. Das Forschungsteam verfasst dafür Empfehlungen für Politikstrategien, Projektberichte und akademische Aufsätze. Die Erkenntnisse werden außerdem auf verschiedenen Veranstaltungen präsentiert: etwa in der Zentrale der GIZ in Eschborn, ebenso im Rahmen von Fachgesprächen in Malawi und auf verschiedenen internationalen Tagungen.

Katrina Jordan | 09.12.2016

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