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Europas Parteien im Wandel: Experten aus fünf Nationen diskutieren in Passau

Expertinnen und Experten aus fünf Nationen analysierten an der Universität Passau "Trends in the German political party system (TranPol)". Diese erste Diskussion im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes über den Wandel nationaler Parteiensysteme in Europa wird in London, Sofia, Chelm und Moskau Fortsetzungen finden. Die vom Europainstitut der Akademie der Wissenschaft Moskau ausgehende Initiative dazu wurde konzeptionell von der Universität Passau unterstützt. Der Round Table wurde von Dr. Boris Guseletov und Prof. Heinrich Oberreuter geleitet, der auch das Eröffnungsreferat hielt.

Das Foto zeigt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz mit Projektkoordinator Dr. Boris Guseletov (links) und Prof. Dr. Heinrich Oberreuter (Mitte).
Das Foto zeigt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz mit Projektkoordinator Dr. Boris Guseletov (links) und Prof. Dr. Heinrich Oberreuter (Mitte).

Bei dieser Konferenz standen die spezifischen Entwicklungen in Deutschland im Mittelpunkt. Die hochkarätigen Analysen von Vertretern der Metropolitan University London, der Slavyani Foundation Sofia, der Higher School of International Relations and Social Communication Chelm offenbarten hohe Sensibilität und Kompetenz gegenüber herausfordernden Wandlungsprozessen hierzulande. Nicht zuletzt hatte das Moskauer Institut mit Vladislaw Below, Nadja Supyan und Ekatarina Timoschenkowa die Creme der politikwissenschaftlichen russischen Deutschlandforschung aufgeboten.

Neueste Forschungsergebnisse zum Einfluss der Social Media auf sich wandelnde Kommunikationsformen, zu den Herausforderungen des Populismus und zur Europäisierung des nationalen Parteiensystems referierten aus dem Kontext der Passauer Universität Jürgen Stern, Sophie Haring und Prof. Daniel Göler. Hochaktuelle Informationen zu PEGIDA und deren Resonanz, die auf in der Bevölkerung verbreitet empfundene Kommunikations- und Repräsentationsdefizite zurückzuführen ist, lieferte Michael Hilbert aus aktuellen Forschungen der TU Dresden. Die ausländischen Teilnehmer, mehr mit großflächigen Perspektiven vertraut, wandten diesen ins Detail und in die Tiefe gehenden Informationen hohe Aufmerksamkeit und intensive Bereitschaft zu Nachfragen und Diskussion zu. Maßstäbe wurden gesetzt für die Fortführung dieses Diskurses zwischen Wissenschaftlern aus Russland, Polen, Bulgarien, Großbritannien und Deutschland.

Die EU fördert dieses Projekt zur Parteientransformation bis zum Februar 2017. Entstehen soll ein Netzwerk, das es den Forscherinnen und Forschern ermöglicht, ihre Ergebnisse auszutauschen und in gemeinsamer Diskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln fortzuentwickeln.

Boris Guseletov, Projektkoordinator des von der EU geförderten Jean-Monnet-Project “Transformation of Party and Political Landscape in EU Countries during Post Crisis Period (TranPol)”, zeigte sich hocherfreut über den Erfolg der Veranstaltung: „Es gibt ein russisches Sprichwort: Wie Du eine Sache beginnst, so wirst Du sie auch zu Ende führen. Ich denke, dass wir damit die Ansprüche für alle weiteren Treffen auf ein sehr hohes Niveau gestellt haben und ein erfolgreiches Gesamtprojekt garantieren können.“

Heinrich Oberreuter unterstrich die Bedeutung der internationalen Vernetzung für die sozialwissenschaftliche Forschung: „Gute Wissenschaft darf nicht nur im eigenen Kämmerlein stattfinden. Es ist wichtig, sich mit anderen Perspektiven auf die eigenen Themen auseinanderzusetzen. Genau das erlaubt uns TranPol. Durch TranPol wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, sich in mehreren kurzen Konferenzen über die Transformationen, die die nationalen Parteisysteme in den Post-Krisen-Jahren erfahren, auszutauschen. In dem auf diese Weise gebildeten Netzwerk ist es möglich, die Ergebnisse ihrer Forschung zu präsentieren und in der gemeinsamen Diskussion weiterzuentwickeln. So schärfen wir unser Verständnis – nicht nur für Einzelfälle. Darum freuen wir uns, ein Teil dieses internationalen Projekts zu sein.“

Katrina Jordan | 23.01.2016