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Passauer Informatiker erhält Denert-Preis für Software Engineering

Dr. Jörg Liebig hat für seine Dissertation am Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Softwareproduktlinien der Universität Passau den renommierten Software-Engineering-Preis der Ernst-Denert-Stiftung erhalten.

Preisträger Dr. Jörg Liebig mit Prof. Dr. Ernst Denert. Foto: Herbert Pohlai
Preisträger Dr. Jörg Liebig mit Prof. Dr. Ernst Denert. Foto: Herbert Pohlai

„Der Software-Engineering-Preis ist für mich nicht nur eine sehr große Anerkennung, sondern vor allem auch Ansporn Forschungsergebnisse in die Praxis zu tragen“, sagte Dr. Jörg Liebig nach der Preisverleihung. Er hat sich in seiner Dissertation mit der Analyse und Transformation konfigurierbarer Systeme beschäftigt.

Viele Softwaresysteme, wie z.B. das Betriebssystem Linux, stellen zum Teil tausende von Konfigurationsoptionen bereit, mit deren Hilfe eine zum Teil astronomisch große Anzahl unterschiedlicher Systemvarianten vom Smartphone bis zum Supercomputer erstellt werden kann. Die Variantenvielfalt dieser Systeme stellt Softwareentwickler vor enorme Herausforderungen hinsichtlich ihrer Korrektheit, da entsprechende Werkzeuge zu ihrer Entwicklung fehlen. In seiner Dissertation beschreibt Jörg Liebig skalierbare, variabilitätsgewahre Techniken, die mit der Variantenvielfalt konfigurierbarer Systeme umgehen können. Er konnte zeigen, dass diese Techniken bestehenden Verfahren zur Analyse und Transformation hinsichtlich Laufzeit, Aufwand zur Anwendung und Vollständigkeit überlegen sind. Basierend auf den neuen Techniken implementierte Jörg Liebig Entwicklungswerkzeuge für Programmanalysen und Programmtransformationen (Refactoring) und evaluierte sie erfolgreich an praktischen Systemen, wie z.B. das Betriebssystem Linux.

Sein Doktorvater, Prof. Dr. Sven Apel, betont insbesondere die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und Praxisnähe: „Herr Liebigs Arbeiten haben bereits hohe Wellen geschlagen, einerseits in der internationalen wissenschaftlichen Forschungsgemeinde, die seine wissenschaftlichen Artikel schon vielfach zitiert und erweitert hat, als auch in der Praxis, wo Software-Entwickler seine Entwicklungswerkzeuge bereits einsetzen.“

Jörg Liebig wurde 1983 in Wolfen geboren. Er begann sein Studium in Ingenieurinformatik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Herbst 2003 und beschäftigte sich bereits in seiner Diplomarbeit mit der Programmierung konfigurierbarer Systeme. Nach seinem Abschluss im Dezember 2008 begann er sein Promotionsstudium als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Programmierung (Prof. Christian Lengauer, Ph.D.) und später am Lehrstuhl für Softwareproduktlinien (Prof. Dr. Sven Apel). Der Doktorgrad wurde ihm im April 2015 in Passau „summa cum laude“ verliehen. Nach seinem Abschluss wechselte Dr. Liebig zur Firma Method Park und berät nun Kunden bei der Entwicklung und Handhabung konfigurierbarer Systeme.

Der Software-Engineering-Preis der Ernst-Denert-Stiftung wird seit 1992 jährlich vergeben. Prämiert wird eine hervorragende Arbeit aus dem Gebiet der Methoden, Werkzeuge und Verfahren der Softwareentwicklung. Sie muss anwendbar und praxisorientiert sein. Stiftungsgründer Prof. Dr. Ernst Denert überreichte Dr. Jörg Liebig die Auszeichnung im Rahmen der Software Engineering Konferenz 2016 in Wien.

Katrina Jordan | 08.03.2016