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Passauer Studie zu Mario Draghis unkonventioneller Geldpolitik im "Quarterly Review of Economics and Finance"

Welche Auswirkungen hat Draghis unkonventionelle Geldpolitik auf Staatsanleihen in der Eurozone? Was sind die Konsequenzen für Anleger und worauf müssen sie zukünftig achten? Prof. Dr. Niklas Wagner und Dr. Harald Kinateder vom Lehrstuhl Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzcontrolling der Universität Passau haben in ihrer Studie Renditendifferenzen von Staatsanleihen in der Eurozone und deren Reaktion auf Draghis unkonventionelle Geldpolitik untersucht. Unter unterkonventioneller Geldpolitik (sog. "Quantitative Easing") sind diejenigen expansiven Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu subsumieren, die nach Senkung des Leitzinses auf ca. null Prozent erfolgt sind und darauf abzielen die Volkswirtschaften der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen.

In ihrer Studie "Quantitative Easing and the Pricing of EMU Sovereign Debt", die im Juni 2017 in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Quarterly Review of Economics and Finance" erschienen ist, analysieren Niklas Wagner und Harald Kinateder die Auswirkungen von Mario Draghis unkonventioneller Geldpolitik (sog. "Quantatitive Easing") auf Staatsanleihen in der Eurozone. Es wurde gezeigt, dass Quantitative Easing der EZB kurzfristig zu einer deutlichen Reduktion der Renditedifferenzen von Staatsanleihen der Eurozone gegenüber deutschen Bundesanleihen geführt hat.

Aus diesem zentralen Ergebnis kann eine wichtige Implikation für die Zukunft abgeleitet werden. Falls die EZB plötzlich ihre unkonventionelle Geldpolitik nicht mehr weiter fortführen kann und durch den Ausstieg aus dem "Quantative Easing" eine massive Reduktion der EZB-Bilanz einhergeht, müssen Investoren mit teils starken Kursverlusten von Staatsanleihen, insbesondere in der Peripherie, der Eurozone rechnen. "Da die langfristigen Konsequenzen einer solchen unkonventionellen Geldpolitik ein umgekehrtes Vorzeichen aufweisen können, schließen unsere Ergebnisse eine negative Beeinflussung der langfristigen Finanzmarkstabilität nicht aus." sagt Professor Wagner.

Darüber hinaus konnten die Autoren feststellen, dass die teilweise sehr hohen Renditedifferenzen während der europäischen Staatsschuldenkrise zum Teil durch Liquiditätsengpässe auf Länder- und Marktebene erklärt werden können. Bei Vergleich der Situation vor der Krise viel den Autoren die zuweilen beträchtliche Unterschätzung des systematischen Teils der Risikoprämien von Staatsanleihen der Peripheriestaaten auf. Erst bei Bekanntwerden von Problemen im Staatshaushalt einzelner Länder hat sich das Bewusstsein der Investoren geändert, wodurch die Risikoprämien signifikant angestiegen sind.

Über die Autoren

Professor Wagner ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzcontrolling an der Universität Passau. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Augsburg und Forschungsaufenthalten in Berkeley und Stanford sowie Habilitation an der TU München ist er an der Universität Passau tätig. Dr. Harald Kinateder ist Akademischer Rat und seit 2007 am Lehrstuhl für Finanzcontrolling beschäftigt. Die Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls liegen u.a. auf Markt- und Kreditrisikomanagement.

Katrina Jordan | 27.09.2017

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