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Projekt ACROSSING: Passauer Forschungsgruppe arbeitet an Smart-Home-Technologie

Im Rahmen des multinationalen Forschungsprojekts ACROSSING forschen Prof. Dr. Oliver Amft und sein Team an einer neuen Technologie, die es ermöglichen soll, auch im Alter länger unabhängig in den eigenen vier Wänden zu leben.

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Wie lässt sich ein häusliches Umfeld schaffen, dass erkennt, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Mit diesen und anderen Fragen setzt sich die Passauer Forschergruppe um Oliver Amft im Rahmen des kürzlich gestarteten Forschungsprojekts ACROSSING auseinander. „Es geht in erster Linie darum, Sicherheit zu bieten“, fasst Oliver Amft, Leiter der deutschen Forschungsgruppe, die Zielsetzung des Projekts zusammen. Dabei gehe es nicht nur um Situationen, in denen Unfälle passierten, sondern auch um Veränderungen im Verhalten, die zu Problemen führen könnten, so Amft weiter. „Denken Sie zum Beispiel an Menschen mit Demenzerkrankung, die nach und nach ihre Handlungsabläufe verändern. Da kann es eines Tages passieren, dass ein Patient vergisst zu essen.“

Hinter dem Projekt steht ein multinationales Konsortium aus zehn Forschungseinrichtungen, zahlreichen Industriepartnern und Anwenderorganisationen, die Smart Homes betreiben oder direkt Studien mit Patientinnen und Patienten durchführen. Das Projekt wird im Rahmen der Marie-Sklodowska-Curie-Finanzierungshilfe-Vereinbarung Nr. 676157 aus dem Programm der Europäischen Union für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ bis Ende 2019 gefördert.

Im Mittelpunkt von ACROSSING steht die möglichst zielgenaue Messung bestimmter Aktivitäten mithilfe intelligenter Sensoren. Wann steht der Bewohner auf, wann geht er aus dem Haus, wann isst er, wie bewegt er sich? Mittel- und langfristig ergeben diese Routinen ein Verhaltensmuster, das eine Einschätzung erlaubt, welche Muster typisch sind und welche abweichen. Dafür bedarf es einer speziellen Sensortechnologie, für deren Entwicklung das Team um Oliver Amft als einziger deutscher Partner zuständig ist. „Dabei werden hohe Anforderungen an die neue Technologie gestellt: So sollen die Sensoren nicht nur Daten aufzeichnen, aufbereiten und analysieren, sondern sich auch in die Räume integrieren lassen und nicht oder kaum sichtbar sein“, sagt Oliver Amft.

Neben technischen Aspekten, spielen vor allem auch Fragen, die die Privatsphäre der betroffenen Personen berühren, eine zentrale Rolle. Mit ihnen beschäftigt sich eine eigene Arbeitsgruppe innerhalb des Projekts. Sie entwickeln Lösungsansätze, wie beispielsweise die Betroffenen in die Lage zu versetzen, selbst kontrollieren und auszusuchen zu können, wem sie welche Teile der Daten zur Verfügung stellen. Genauso erarbeiten sie auch Konzepte für Situationen, in denen eine Person aufgrund ihrer Erkrankung die Entscheidung nicht selbst treffen kann.

Der Erkenntnisgewinn des Forschungsprojekts ACROSSING ist vor allem für die klinische Betreuung, Pflege und Betreuung in der Familie relevant. Die Verhaltensanalyse erlaubt es, den Pflegenden aus den Daten Trends und Veränderungen im Handeln der Bewohner zu erkennen und einzustufen. „Dieser externe, objektive Blick ist wichtig, um in kurzer Zeit zuverlässig erkennen zu können, welche Entwicklungen es gibt, wo man vielleicht eingreifen muss und wo alles in Ordnung ist“, erklärt Oliver Amft. Die sinnvolle technologisch gesteuerte Verknüpfung von Informationen führt zu einer hohen Informationsqualität. „Diese kann in unserem Fall erreichen, Entscheidungen, die zu einer Diagnose führen, zu vereinfachen und zu beschleunigen – und so eine Möglichkeit zu schaffen, auf die wachsende Zahl hilfsbedürftiger Menschen und auf die steigenden Kosten in diesem Sektor zu reagieren.“

Katrina Jordan | 06.04.2016

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