Navid Noroozi

Navid Noroozi

"Die Mitarbeiterinnen des Welcome Center sind fantastisch"

Humboldt-Stipendiat Navid Noroozi

Der Ingenieur Navid Noroozi kommt aus Iran und hat an der Universität Schiras in Electrical Engineering promoviert. Sein Gastgeber in Passau ist Professor Fabian Wirth (Lehrstuhl für Dynamische Systeme), der Stabilitätsanalyse und Stabilisierung von nichtlinearen Großsystemen untersucht. Navid Noroozi wird bis Ende August 2018 an der Universität Passau bleiben. Die Ergebnisse seines Projekts wird er auf Wasserverteilungssysteme anwenden, um Wasserverluste zu minimieren. 

Warum haben Sie die Universität Passau als Gastgeberin ausgewählt?

Navid Noroozi: Fabian Wirth ist einer der führenden Forscher in meinem Feld. Er und seine Lehrstuhlkollegen sind eine große Hilfe für mich. Denn bevor ich den zweiten Teil meines Stipendiums in Bayreuth absolviere, kann ich mich in Passau auf den theoretischen Aspekt meiner Forschung konzentrieren. 

Nachdem Sie bereits einige Zeit in Passau gelebt und gearbeitet haben: Wurden Ihre Erwartungen, mit denen Sie in die Stadt und an die Universität kamen, erfüllt?

Meine Familie und ich haben zuvor in Melbourne gelebt. Obwohl Passau viel kleiner ist als Melbourne, leben wir hier viel gemütlicher und besser als in Australien. Wir genießen es. Neben dem Lehrstuhl, der mich sehr unterstützt, muss ich das Welcome Center erwähnen: Die Mitarbeiterinnen, und da kann ich für uns alle sprechen, sind fantastisch. Sie haben uns geholfen, anzukommen und eine Wohnung zu finden, sie unterstützen uns mit der Aufenthaltsgenehmigung, dem Kindergeld und all den anderen Formalitäten. Denn Deutschland ist sehr bürokratisch. 

Vor welche Herausforderungen wurden Sie bisher gestellt? 

An der Universität kann jeder gut Englisch sprechen, aber im Alltag, wenn wir etwas kaufen wollen, ist es schwieriger. Ich selbst kenne leider nur einige wenige Wörter Deutsch. Zum Glück hilft das Welcome Center dabei. 

Ihr Stipendium erinnert an Alexander von Humboldt, einen Naturforscher und Forschungsreisenden, ein Universalgenie und Kosmopolit, ein Gelehrter und Mäzen. Zählt er zu Ihren Vorbildern?

Alexander von Humboldt war ein fleißiger Forscher. Seine Beiträge zur Welt sind wirklich bedeutsam. Daher ist er ein Vorbild für mich.

Was bedeutet es Ihnen, als Humboldt-Stipendiat ausgewählt zu sein?

Auch für mich ist es eine Möglichkeit, meine Forschung voranzutreiben und mit den wichtigsten Forschern zusammenzuarbeiten. Und ich lerne viel: In Passau arbeite ich an der Fakultät für Mathematik, obwohl ich Ingenieur bin. Diese fächerübergreifende Zusammenarbeit war neu für mich, aber ich profitiere ungemein davon. Mathematiker gehen sehr sorgfältig mit Problemen um, sie sind in ihren Forschungsfragen und der Beantwortung sehr strikt. Darüber hinaus ist es auch für meine Familie, für meine Tochter eine großartige Chance, Deutsch lernen und in Deutschland leben zu können. Sie besucht die Grundschule in Passau. Als wir angekommen sind, sprach sie überhaupt kein Deutsch. Es ist großartig zu sehen, wie sich ihr Deutsch jeden Tag verbessert. 

Haben Sie schon Ideen, was nach dem Stipendium folgen soll?

Ich möchte zurück in den Iran gehen. Das Stipendium ist sehr prestigereich für den Lebenslauf. Deswegen erhoffe ich mir, eine Position als ein Juniorprofessor an einer guten Universität zu finden. Diese Stellen sind hart umkämpft und ich hoffe, dass mir das Stipendium einen Vorteil gibt. 

(Interview: Susann Eberlein, Campus Magazin 01/2017)