Ronan Crowley

Ronan Crowley

"Genau die Expertise, die ich für mein Projekt brauche"

Humboldt-Stipendiat Ronan Crowley

Ronan Crowley war von Oktober 2014 bis Oktober 2016 Gastwissenschaftler am Lehrstuhl für Digital Humanities. Der Ire und Humboldt-Stipendiat erforscht die Literatur von James Joyce - und verknüpft seine Analyse mit computergestützten Verfahren. 

Es ist lediglich ein Kapitel aus dem Roman "Ulysses", dem wohl berühmtesten Werk des irischen Schriftstellers James Joyce, das Ronan Crowley genauer betrachtet. Doch "Circe", geschrieben in der Form eines Dramas, hat es in sich. "Das Kapitel ist sehr komplex und schwierig. Joyce hat dafür sechs, sieben Monate gebraucht und es existieren mehrere Entwürfe, die weltweit in Bibliotheken verteilt sind“, sagt Ronan Crowley.

Der 35-Jährige, der zuvor sieben Jahre in Buffalo (USA) lebte und dort Joyces Literatur analysierte, zeigt sich vor allem von den unzähligen Manuskripten beeindruckt. "Seit das Werk 1922 erschienen ist, wurde es oft und immer wieder analysiert - und man denkt, es gibt nichts mehr zu analysieren", sagt Ronan Crowley. "Ich möchte herausfinden, welchen Bezug die Entwürfe zueinander haben und warum Joyce immer wieder Wörter und Sätze von anderen Schriftstellern, wie etwa Shakespeare, übernommen und sie in etwas Neues geformt hat", so der Ire.

Um das Wissen der Manuskripte "in Daten zu verwandeln, die mein Computer verstehen und mit denen ich arbeiten kann", zog es Crowley schließlich nach Passau, für zunächst zwei Jahre. "Hier finde ich genau die Expertise, die ich für mein Projekt brauche und mit der ein größeres Bild des Schreibprozesses gezeichnet werden kann", so der Literaturwissenschaftler, der die Manuskripte durch Encoding für den Computer 'übersetzt' - ein relativ neuer Weg, Literatur zu analysieren.

Dabei helfe ihm sein Betreuer Prof. Dr. Malte Rehbein, Lehrstuhlinhaber Digital Humanities, und dessen Team. "Er hat das Gerüst dafür geschaffen, dass ich meine Erkenntnisse jetzt in einer neuen Art und Weise präsentieren kann. Und durch die Daten werden sie auch für andere zugänglich“, sagt Crowley, der die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhlteam sehr schätzt. "Alle Kolleginnen und Kollegen ermutigen mich, ihre Forschungsmethoden auszuprobieren. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar."

Von der Kooperation zeigt sich auch Prof. Dr. Malte Rehbein begeistert. "Ronan schaut uns nicht nur über die Schulter, sondern ist eine große Bereicherung für unser Team und auch für unsere Studierenden. Er liefert ihnen ein Beispiel für eine eigene Forschung und zeigt, wie man Literatur mit Digital Humanities verknüpfen kann", so Rehbein. Internationaler Austausch sei dem Professor enorm wichtig. Gerade in den Digital Humanities müsse die Forschung Ländergrenzen überwinden, da für den komplexen Bereich unterschiedliche Qualifikationen und Expertise nötig seien.

Nachdem Crowley in Buffalo bereits Schreibkurse geleitet hat, wird er im nächsten Wintersemester auch in Passau mit der Lehre beginnen. Selbstverständlich wird James Joyce sein Thema sein. "Und wir werden uns unter anderem damit beschäftigen, warum es für ihn in Ordnung war, fremde Zitate zu übernehmen - und für Studierende nicht", so der Ire. 

(Susann Eberlein, Campus Passau 02/2015)