Zur Hochschulgeschichte in Passau

Zur Hochschulgeschichte in Passau

Die Geschichte des Hochschulstandortes geht in Passau annähernd 400 Jahre zurück: Jesuitenkolleg, Fürstbischöfliche Akademie, Königlich Bayerisches Lyzeum, Philosophisch-Theologische Hochschule und Universität Passau sind nur die offiziellen Namen für eine lange Tradition der humanistischen und jederzeit auch modernen Hochschulstätte in Passau.

Jesuitenkolleg

1612/22: Jesuitenkolleg des Fürstbischofs Leopold Erzherzog von Österreich

Jesuitenkolleg 1709
Studienkirche und Jesuitenkolleg Passau aus: Liber oeconomicus collegii Passaviensis Societatis Jesu [...] 1709 (Staatliche Bibliothek Passau Mst 88)
  • Angliederung einer Hochschule zur Ausbildung der Priester, zur Stärkung des katholischen Glaubens und zur Erziehung der Jugend an das im Jahre 1612 ebenfalls vom Fürstbischof Leopold gegründete Gymnasium
  • Beginn der knapp 400-jährigen humanistischen Bildungstradition in Passau
  • Gründung eines Priesterseminars durch Fürstbischof Leopold Wilhelm Erzherzog von Österreich im Jahre 1638 als Ausdruck der Zusammenarbeit zwischen Jesuitenschule und bischöflichem Seminar

Fürstbischöfliche Akademie 1773 bis 1803 bzw. 1808/1809

1773: Fürstbischöfliche Akademie Passau

Schematismus 1787
Hochfürstliches COLLEGIUM ACADEMICUM aus: Schematismus der hochfürstlichen paßauisch-exemten bischöflichen Diözesan-Geistlichkeit [...] 1787, Seite 20f. (Archiv des Bistums Passau)
  • Auflösung des Jesuiten-Ordens durch Papst Clemens XIV. im Jahre 1773
  • Weiterführung der Hochschule als fürstbischöfliche Akademie seit Fürstbischof Leopold Ernst Kardinal Graf von Firmian mit teilweise vier Fakultäten (Jurisprudenz, Medizin, Philosophie und Theologie) ab 1773
  • Auflösung der Fürstbischöflichen Hochschule im Zuge der Säkularisation im Herbst 1803
  • kurzzeitige eingeschränkte Fortführung als Kurfürstliches Lyzeum ab 1803
  • vollständige Schließung der Hochschule nach dem Wintersemester 1808/1809

Königlich Bayerisches Lyzeum 1833 bis 1918/1923

Königlich Bayerisches Lyzeum in Passau

Semestral-Studienzeugnis 1834
Semesterzeugnis für Paul Esterl vom 29. August 1834; Universitätsarchiv, Bestand Philosophisch-Theologische Hochschule, Studenten
  • Wiedererrichtung der Hochschule als „Königlich Bayerisches Lyzeum“ mit zweijährigen philosophischen und dreijährigen theologischen Kursen und neun Professoren durch König Ludwig I. am 16. September 1833
  • Statuten für das Königlich Bayerische Lyzeum in Passau aus dem Jahre 1834 mit zum Beispiel persönlicher Immatrikulation beim Rektor, strengen religiös-sittlichen Vorgaben und Anweisungen bzw. Strafen, fixen Studienabläufe, festen Sitzplätzen im Hörsaal, weitreichenden Verboten und einer Ranking-Liste der Jahrgangsbesten
  • Lyzeum als Schule für eine höhere Realbildung zwischen Gymnasium und Universität
  • Zweck: „vorzugsweise […] die akademische Bildung zum geistlichen Berufe denjenigen zu vermitteln, welche eine Universität nicht besuchen“ (§1 des „Organischen Statuts“ vom 20. November 1910).

Philosophisch-Theologische Hochschule 1923 bis 1978

Philosophisch-Theologische Hochschule

Siegel Philosophisch-Theologische Hochschule
Siegel „Maria vom Siege" aus: Universitätsarchiv, Sammlung Siegel
  • Offizielle Einführung des Namens „Philosophisch-Theologische Hochschule“ im Dezember 1923
  • Schließung der Philosophisch-Theologischen Hochschule nach dem Sommersemester per Erlass des Kultusministers Adolf Wagner "für die Dauer des Krieges" zum 9. Oktober 1939
  • Wiedereröffnung der durch den Zweiten Weltkrieg geschlossenen Philosophisch-Theologischen Hochschule am 7. November 1945 mit beschränkter Öffnung für Nicht-Theologen
  • Einführung des Siegels „Maria vom Siege" für die Philosophisch-Theologische Hochschule Passau im Jahre 1950
  • Eingliederung in die Universität Passau als Fakultät zum 1. August 1978 per Gesetz

Universität Passau seit 1972/1978

1969/70: Standortentscheidung für Passau

Hochschulregion Passau
Hochschulregion Passau aus: Universität Passau - Zur Standortfrage, Passau 1970, S. 33
  • Forderung nach Errichtung einer Universität in Passau durch die Bezirks-planungs-gemeinschaft im Dezember 1969
  • Beschluss der Bayerischen Staatsregierung über eine hochschulmäßige Ausbildungs-einrichtung in Südostbayern am 2. Juni 1970
  • Erstellung mehrerer Schriften durch das Kuratorium Universität Passau e. V.:
    • "Universität Passau - Zur Standortfrage" (April 1970)
    • "Universität Passau – Ergänzung der Denkschrift" (1970)
    • "Universität Passau - Ein Strukturmodell" (Oktober 1970)
  • Arbeitsaufnahme der Unterkommission der bayerischen Hochschulplanungskommission im Februar 1972

1972: Gesetz über die Errichtung der Universität

Gründungsgesetz Universität Passau 1972
Gesetz über die Errichtung einer Universität in Passau aus: Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt, Nr. 24 vom 29.12.1972, Abdruck in: Universität Passau. Eine neue Hochschule stellt sich vor, 1978, S. 140
  • Verabschiedung des Gesetzes über die Errichtung einer Universität in Passau im Bayerischen Landtag am 7. Dezember 1972
  • Einbeziehung der Universität Passau in das Hochschul-bauförderungs-gesetz zum 1. Januar 1973
  • Arbeitsaufnahme des Strukturbeirates zum Aufbau der Universität in Passau am 22. Februar 1974
  • Errichtung der Geschäftsstelle für die Universität Passau zum 1. Oktober 1974 in der Neuen Bischöflichen Residenz
  • Bestellung des Gründungs-präsidenten Prof. Dr. Karl-Heinz Pollok zum 1. Mai 1976
  • Inkrafttreten der Verordnung über die vorläufige Organisation der Universität Passau am 1. Dezember 1976
  • Ernennung des ersten Kanzlers Dr. Karl August Friedrichs im Dezember 1977

1978: Der erste ordentliche Professor

Der erste ordentliche Professor der Universität Dr. Michael Kobler
Der erste ordentliche Professor der Universität Dr. Michael Kobler; Universitätsarchiv, Fotosammlung
  • Berufung und Ernennung der ersten ordentlichen Professoren für die Fachbereiche Rechts- und Wirtschafts-wissenschaften im April 1978
  • Gesetz zur Eingliederung der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Passau in die Universität Passau zum 1. August 1978: 13 Lehrstühle mit Diplomstudiengang Katholische Theologie, Lizentiats-studiengang und Magister-Nebenfach Katholische Theologie und Katholische Religionslehre für das Lehramt
  • Verordnung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zur vorläufigen Regelung der Verfassung der Universität Passau zum 1. Oktober 1978: anfangs sechs Fakultäten – Katholische Theologie, Rechtwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Sprach- und Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft sowie Mathematik und Informatik

1978: Ein Symbol mit Geschichte

Urkunde zur Wappenführung im Siegel
Urkunde zur Wappenführung im Siegel; Universitätsarchiv, Urkundensammlung
  • Einvernehmen des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zur Führung eines Wappens im Siegel durch die Universität Passau vom September 1978
  • Eröffnung der Universität durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel und den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus Prof. Dr. Hans Maier am 9. Oktober 1978
  • Start des ersten Wintersemesters 1978/1979 mit 463 Studierenden, 20 Lehrstühlen und den Studiengängen Katholische Theologie (Diplom und Lizentiat), Pharmazie (Teilstudium), Jura (1. Staatsexamen) und Betriebwirtschaftslehre (Diplom) am 6. November 1978
  • Erster Erstsemesterempfang des Vereins „Kuratorium Universität Passau e.V.“ und der Stadt Passau im Großen Rathausssaal im Dezember 1978

Politik und Wirtschaft

1970: Kuratorium Universität Passau e.V.

Kuratorium Universität Passau e.V.
Geschäftsführender Vorstand vom 21. September 1983: 1. Vorsitzender Regierungspräsident Dr. Gottfried Schmid und Bezirkstagspräsident a.D. Freiherr Karl von Moreau (sitzend von links), Prof. Dr. Franz Eser, Präsident Karl-Heinz Pollok, Oberbürgermeister Emil Brichta und Stadtdirektor Dr. Karl Geisenberger (stehend von links)

Einer der Wegbereiter und Förderer der jüngsten Landesuniversität in Bayern war das Kuratorium, im dem sich alle maßgebenden Persönlichkeiten in einem Verein zusammenfanden.

  • Gründung des Kuratoriums mit Regierungspräsident Johann Riederer als Vorsitzenden am 6. Februar 1970
  • Übergabe der Denkschrift "Universität Passau - Zur Standortfrage" an Kultusminister Dr. Ludwig Huber am 6. Mai 1970
  • Umbenennung in "Verein der Freunde und Förderer der Universität Passau e. V." am 20. Juli 1981

1983: Internationalität als Basis universitären Lebens

Unterzeichnung der Partnerschaft mit der Universität Prag
Offizieller Händedruck nach der Vertragsunterzeichnung im „Carolinum“ mit Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Pollok und JUDr. Zdenek Češka (Akademie der Wissenschaften)

Mit der Partnerschaft mit der tschechischen Karls-Universität in Prag startete die Universität Passau am 11. Oktober 1983 ihr globales Netz von Beziehungen.

  • zahlreiche aktive Partnerschaften weltweit
  • Spezialangebot "Fachspezifische Fremdsprachen-ausbildung" für die Juristische und Wirtschafts-wissenschaftliche Fakultät seit 1978
  • Diplomstudiengang "Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien" als fakultätsübergreifender Magnet in den 1990er Jahren

1983: Neuburger Gesprächskreis Wissenschaft und Praxis an der Universität Passau e.V.

Neuburger Gesprächskreis
Gründungsmitglieder des Neuburger Gesprächskreises im intensiven Dialog: Präsident Prof. Dr. Karl-Heinz Pollok (Vorsitzender), Kanzler Dr. Karl August Friedrichs (Schriftführer) und Dr. Hubert Wagner, Geschäftsführer Gerling Konzern München (stellv. Vorsitzender) (von links)

Seine heute knapp 130 Firmenmitglieder verstehen sich als Unternehmerplattform, die die Universität finanziell, fachlich und hochschulpolitisch unterstützen.

  • Gründung am 22. Dezember 1983
  • Teilausbau von Schloss Neuburg als Weiterbildungs-zentrum
  • Karl-Heinz-Pollok-Gedächtnispreis für ausgezeichnete Habilitationen
  • jährliches Symposion im Juli
  • Umbenennung am 4. Juli 2008 in „ManagementConvent der Universität Passau – Neuburger Gesprächskreis e.V.“

Kontakt

Mario Puhane
Mario Puhane

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