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Diversität: Fluch oder Segen?

Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Praxis sowie Studierende haben im Rahmen einer Veranstaltung des Deutschlandstipendium-Programms und des Diversitätskonzeptes der Universität Passau über Vor- und Nachteile von Diversität aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Im Mittelpunkt stand insbesondere die Bedeutung internationaler und interkultureller Begegnungen.

Prof. Dr. Rodrigo Isidor zeigte in seinem Vortrag verschiedene Aspekte und Implikationen von Diversität auf.
Prof. Dr. Rodrigo Isidor zeigte in seinem Vortrag verschiedene Aspekte und Implikationen von Diversität auf. Foto: Universität Passau

"In der allgemeinen Denkweise wird Diversität grundsätzlich positiv gesehen, die Forschung geht damit etwas kritischer um", meint Prof. Dr. Rodrigo Isidor in seinem Vortrag zu Beginn der Veranstaltung. So gebe es durchaus positive Effekte, da in gemischten Teams ein erweiterter Bestand an Wissen, Perspektiven, Ideen, Weltansichten und Herangehensweisen zur Verfügung steht und deshalb gerade bei kreativen, innovativen Aufgaben bessere Ergebnisse erzielt werden können. Auf der anderen Seite liege die Bildung von Subgruppen und die Zusammenarbeit nur innerhalb dieser Gruppen. Wichtig seien daher ein offenes Inklusionsklima und die Führungskräfte, die zu allen Teammitgliedern ohne Ausnahme eine gute Beziehung aufbauen müssen.

Prof. Dr. Daniela Wawra, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Internationalisierung, wies in ihrer Begrüßung auf einen ganzheitlichen Leistungsbegriff und die Erfolgsgeschichte des Deutschlandstipendiums hin. Beim Deutschlandstipendium werden Bundesmittel durch private Förderer und Unternehmen verdoppelt. Es zählen hierbei nicht nur gute Noten und Engagement, sondern auch persönliche und soziale Kriterien, sodass die Gruppe der Geförderten sehr heterogen und vielfältig ist.

Im Anschluss wurde das Thema unter der Moderation von Anja Schuster, Leiterin der Kommunikationsabteilung der Universität, im Podium diskutiert. Prof. Dr. Jörg Fedtke, Vizepräsident für Qualitätsmanagement und Diversity, betonte das Anliegen der Universität Passau, ein offenes Klima weg von der problemorientierten Sichtweise hin zu einer potenzialorientierten Sicht von Diversität zu schaffen. Wie dies in der unternehmerischen Praxis gelingen kann, erläuterte Alexander Michalski, Leiter Personalwirtschaft Division Industrietechnik bei der ZF Friedrichshafen AG. Dort setze man beispielsweise auf crossfunktionale Zusammenarbeit sowie auf interkulturelle Kompetenz, da die Produktionsketten sehr global geworden seien. Deutschlandstipendiatin Zamira Gashi berichtete von ihren Erfahrungen als Studentin mit Migrationshintergrund. "Viele ausländische Studierende kommen mit einem ganz anderen Bezugsrahmen nach Deutschland und wissen nicht genau, was erwartet wird", ergänzte Luise Haack, die an der Universität Passau die internationalen Vollzeitstudierenden betreut. "Man muss zulassen können, dass nicht alle gleich sind, andererseits müssen sich aber auch internationale Studierende an die Regeln im Studium halten." Einig waren sich die Podiumsgäste in der Bedeutung der internationalen Mobilität: Ins Ausland zu gehen, um die eigene Perspektive zu öffnen und zu sehen, dass es noch andere Denkweisen gibt - dies bleibe ein unverzichtbarer Bestandteil gelebter Diversität.

Katrina Jordan | 14.06.2019