Allgemeine Hinweise und Tipps für eine psychotherapeutische Behandlung

Allgemeine Hinweise und Tipps für eine psychotherapeutische Behandlung

Was ist Psychotherapie?

Als Psychotherapie bezeichnet man die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewusste und geplante Behandlung von psychosozial oder psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einem Klienten oder einer Klientin und einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit der Behandelten zu fördern.

Psychotherapie ist nicht nur etwas für „seelisch Kranke", sie ist zugleich ein Weg zur Persönlichkeitsbildung für „normale" Menschen. Überhaupt lässt sich diese Einteilung in „kranke" und „normale" Zeitgenossen nur unter kassentechnischen und psychiatrischen Gesichtspunkten aufrechterhalten. Ansonsten wissen wir, dass die Übergänge zwischen seelischen Störungen und seelischer Gesundheit fließend sind. Genau genommen gibt es keine völlig seelisch gesunden Menschen. Seelische Gesundheit ist ein Lebensideal, dem jeden Tag von neuem entgegengestrebt werden kann. Seelische Gesundung ist eine Leistung, die immer wieder aufs Neue erbracht sein will. Es verhält sich wie mit der körperlichen Gesundheit. Es ist immer möglich, noch gesünder zu leben.

Das Erstgespräch

Vielleicht sind Sie vor dem ersten Treffen ein wenig aufgeregt. Das ist ganz natürlich, schließlich sollen Sie einem völlig fremden Menschen sehr persönliche Dinge von sich erzählen! Notieren Sie sich darum vorher ein paar Punkte, die Sie ansprechen wollen, und alle Fragen, die Sie an den Therapeuten oder die Therapeutin haben, zum Beispiel:

  • Was belastet mich derzeit am stärksten?
  • Was erwartet mich während der Behandlung, und wie kann mir das helfen?
  • Wie lange wird die Behandlung ungefähr dauern?
  • Hat die Person mit meinem speziellen Problem Erfahrung?

Nehmen Sie sich nach dem ersten Gespräch ein paar Tage Zeit und denken Sie über folgende Punkte nach, bevor Sie sich zu einer Zusammenarbeit entschließen:

  • Fühlen Sie sich bei der Person wohl und gut aufgehoben?
  • Ist Ihnen die Person sympathisch?

Sollten Sie kein gutes Gefühl bei der Sache haben, verschwenden Sie nicht Ihre Zeit. Suchen Sie sich jemand anderen.

Die ersten Stunden

Zu Beginn jeder Therapie haben Sie im allgemeinen fünf Sitzungen Zeit, um Ihr Gegenüber kennenzulernen. Sollten Sie in dieser Zeit merken, dass die Person doch nicht zu Ihnen passt, können Sie  in den meisten Fällen wechseln, ohne dass die Zeit auf die bewilligte Stundenzahl angerechnet wird. Machen Sie sich über folgende Punkte Gedanken:

  • Kann ich mich dieser Person anvertrauen?
  • Wenn Sie Hemmungen haben, alles zu erklären, kann das bedeuten, dass die Person nicht die richtige für Sie ist. Vielleicht haben Sie aber auch lediglich Angst, die Achtung Ihres Gegenübers zu verlieren, wenn Sie bestimmte Dinge von sich erzählen. Machen Sie sich klar, dass der Umgang mit psychischen Problemen Teil der therapeutischen Arbeit ist. Ihr Therapeut oder Ihre Therapeutin wird Sie niemals für etwas verurteilen, was Sie denken, tun oder sind. Nutzen Sie diese Chance!
  • Habe ich das Gefühl, dass die Person die Gesprächsatmosphäre oder meine Stimmung wahrnimmt und darauf eingeht?
  • Habe ich das Gefühl, dass mein Therapeut bzw. meine Therapeutin auf die Dinge eingeht, die mir wichtig sind?

In jedem Fall sollten Sie es offen ansprechen, wenn die Therapie nicht wie gewünscht verläuft, wenn Sie etwas stört, verärgert oder verunsichert. Denken Sie daran: Diese Sitzungen finden statt, um Ihnen zu helfen. Sorgen Sie also dafür, dass Sie aus dieser Zeit den größtmöglichen Nutzen ziehen. Wenn Sie trotz aller Offenheit zu keiner befriedigenden Lösung kommen, sollten Sie es mit einem anderen Therapeuten bzw. mit einer anderen Therapeutin versuchen.

Die Zwischenbilanz

Spätestens nach der Hälfte der Therapiezeit sollten Sie noch einmal in Ruhe Bilanz ziehen:

  • Haben Sie das Gefühl, dass die Therapie Ihnen hilft? Das heißt, kommen Sie besser mit Ihren Problemen zurecht, werden Sie zuversichtlicher?

Eine kognitive Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologische Behandlung dauert beispielsweise ca. 45 bis maximal 60 Stunden. Daher sollte sich nach 10 bis 20 Stunden eine deutliche Verbesserung Ihrer Lage abzeichnen. Wenn das nicht der Fall ist, gilt auch hier: Sprechen Sie dies offen an.

Finden Sie dennoch zu keiner befriedigenden Lösung, haben Sie auch jetzt noch die Möglichkeit, zu wechseln. Normalerweise können die verbleibenden Stunden problemlos überschrieben werden, ohne dass ein neuer Antrag gestellt werden muss (bei Übernahme der Kosten durch Ihre Krankenkasse).