HIV/AIDS

HIV/AIDS

Informationen und Beratungsmöglichkeiten

Die Immunschwächekrankheit AIDS, ausgelöst durch das HI-Virus, gibt es bereits seit den Achtzigerjahren. HIV steht für das Humane Immundefizit Virus, das hauptsächlich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird und das unbehandelt dafür sorgt, dass der Körper sich nicht mehr gegen Krankheiten von außen wehren kann.Der Ausbruch der Krankheit AIDS ist die Folge. Diese zerstört das Immunsystem der Infizierten.
 
Infolge der guten Behandlungsmöglichkeiten und des medizinischen Fortschritts ist der Ausbruch von AIDS jedoch in Deutschland und Europa stark zurückgegangen. In Deutschland gibt es ca. 3000 Neuinfektionen jährlich. Weltweit waren es im Jahr 2016 laut Auskunft des gemeinsamen HIV/AIDS-Programms der Vereinten Nationen 1,8 Millionen Neuinfektionen. Heute haben HIV-Infizierte in den Industrienationen bei rechtzeitiger und regelmäßiger Behandlung eine normale Lebenserwartung. Auch wenn die Anzahl durch Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Deutschland gesunken ist, gibt es immer noch viele Wissenslücken über die Gefahren und Ansteckungswege mit HIV.

Zu einem Experteninterview über HIV/AIDS geht es hier oder im unteren Bereich der Website.

Ansteckung und Verbreitung von HIV

Ansteckende HI-Viren sind in Körperflüssigkeiten, also in Blut, Sperma- und Scheidenflüssigkeit, dem Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut und in der Muttermilch enthalten. Durch Schleimhäute wie etwa in Scheide, Darm, Penisspitze und Mund, können die HI-Viren übertragen werden. Hauptübertragungsweg ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr, da sich die HI-Viren nicht selbst fortbewegen können und deswegen bei der Übertragung auf eine starke Reibung wie beim Sex angewiesen sind. Auch das Verwenden von gemeinsamem Spritzgeschirr, wie es wenige Drogenabhängige praktizieren, ist ein möglicher Übertragungsweg für HIV. Auch Mütter können das HI-Virus auf ihr ungeborenes Kind übertragen.

Ein hohes Ansteckungsrisiko besteht bei:

  • Ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr
  • Gemeinsamen Benutzen von Spritzen und Nadeln
  • Schwangerschaft bei einer HIV-infizierten Frau

Ein geringes Ansteckungsrisiko besteht bei ungeschütztem Oralverkehr.

Kein Risiko besteht bei:

  • Küssen
  • Händeschütteln
  • Familien- und Gemeinschaftsleben
  • Übertragung durch Luft
  • Essen, Geschirr, Kleidung
  • Schwimmbad, Sauna, Toilettengang
  • Arztbesuchen und vielen anderen Dingen des alltäglichen Lebens

Schutz

Um sich vor einer HIV-Infektion durch die genannten Übertragungswege zu schützen ist die Verwendung von Kondomen beim Sex der sicherste Weg. Der Austausch von den potentiell ansteckenden Körperflüssigkeiten wie oben beschrieben, muss vermieden werden, um sich effektiv zu schützen. Beim (eindringenden) Sex muss also ein Kondom verwendet werden. Beim Oralverkehr darf kein Sperma oder (Menstruations-)Blut aufgenommen werden. 

Die Therapie von HIV-Infizierten ist heutzutage so gut, dass durch die richtige Behandlung die Virusmenge im Körper der HIV-Infizierten soweit reduziert werden kann, dass sie auch beim ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht mehr ansteckend sind. Trotzdem sollte gerade am Anfang einer Partnerschaft oder beim Sex mit häufig wechselnden Partnern immer ein Kondom verwendet werden, denn auch wenn der Partner unter der sogenannten Nachweisgrenze (von HI-Viren) ist, können andere potentiell ansteckende Geschlechtskrankheiten übertragen werden.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Medizinisch ist die Behandlung von HIV-Infizierten heute sehr weit fortgeschritten. Bei rechtzeitiger Diagnose von HIV haben die Betroffenen eine normale Lebenserwartung. Die HIV-Medikamente müssen jedoch ein Leben lang eingenommen werden. Durch die Behandlung können die HI-Viren inzwischen so stark reduziert werden, dass sie im Blut nicht mehr nachgewiesen werden können (Nachweisgrenze). Der HIV-Infizierte ist dann nicht mehr ansteckend, auch beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Voraussetzung dafür ist jedoch die richtige und regelmäßige Einnahme der Medikamente und eine regelmäßige Kontrolle beim Arzt.

Notfallmaßnahmen

Wenn jemand ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Person hatte und dies erst im Nachhinein erfährt oder beim Sex zum Beispiel das Kondom reißt, gibt es Sofortmaßnahmen die vor HIV schützen können. Ärzte können (in bestimmten Praxen) oder im Krankenhaus ein sogenanntes PEP verschreiben, eine Post-Expositions-Prophylaxe. Dabei werden vier Wochen lang HIV-Medikamente eingenommen um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung zu verringern. Die Einnahme sollte jedoch möglichst innerhalb von 24 Stunden geschehen. In Passau ist ein erster Ansprechpartner das Klinikum Passau. Informationen und Adresslisten gibt es auch auf der Seite der Aidshilfe (Bereich Themen --> Safer-Sex-Unfall/PEP).

HIV-Tests

HIV-Tests können inzwischen bei Apotheken oder Drogerien erworben werden. Zweimal im Jahr gibt es an der Uni Passau die Möglichkeit, sich kostenlos auf HIV testen zu lassen. Die Termine sind meist einmal im Sommersemester und einmal im Wintersemester Anfang Dezember und werden in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Passau organisiert.

Experteninterview

Sabine Eggersdorfer ist die Leiterin der Aids Informations- und Beratungsstelle Niederbayern. Die Einrichtung, die in gemeinsamer Trägerschaft der Diakonie und der Caritas betrieben wird und die für ganz Niederbayern zuständig ist, feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Im Interview mit der Beratungsstelle spricht die 39-Jährige über die Gefahren von ungeschütztem Geschlechtsverkehr, die Vorurteile die in der Gesellschaft über HIV herrschen und wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann.

Beratungsstelle: Was ist Safer Sex und was nicht?
Sabine Eggersdorfer: Safer Sex ist, wenn man beim Geschlechtsverkehr nicht mit potentiell ansteckenden Körperflüssigkeiten in Kontakt gerät, wenn die Ansteckungsgefahr also gering ist. Das wäre etwas beim Oralverkehr oder beim Petting der Fall. Und natürlich beim Sex mit Kondom.

Wie schützt man sich effektiv vor Geschlechtskrankheiten?
Indem man Safer Sex praktiziert. Die Verwendung eines Kondoms bietet den besten Schutz. Ansonsten können Sexualpartner auch noch darauf achten, ob jemand etwa Bläschen im Intimbereich hat und dann auf Sex verzichten oder ein Kondom benutzen. Um Geschlechtskrankheiten vorzubeugen ist außerdem eine normale Körperhygiene mit regelmäßig duschen und waschen wichtig.

Gibt es sexuell übertragbare Krankheiten, die momentan wieder zunehmen?
Wir beobachten eine leichte Zunahme von Hepatitis-C-Fällen und von Syphilis. Allerdings sind das periodische Schwankungen, die es immer wieder gibt. Bei HIV ist die Anzahl der Neuinfizierten auf knapp 3000 im Jahr gesunken. Da ist auch ein Verdienst der guten Präventionsarbeit, die in Deutschland geleistet wird.

Wie spricht man das Thema Verhütung/Schutz in einer neuen Partnerschaft oder bei "Freundschaft Plus" am besten an?
Eigentlich sollte man unabhängig vom Vertrauensverhältnis zum Sexualpartner anfangs beim Sex immer ein Kondom verwenden. Denn Geschlechtskrankheiten sieht man den betroffenen Personen nicht an, deswegen ist die Gefahr einer Ansteckung immer gegeben. In einer Partnerschaft oder unter "Freunden" sollte man offen über das Thema sprechen. Manche Paare gehen am Anfang ihrer Beziehung auch gemeinsam zum HIV-Test. Denn es kann sein, dass die infizierte Person selbst noch gar nicht über ihre Erkrankung Bescheid weiß.

Was ist HIV/AIDS?
HIV ist das Virus mit dem man sich ansteckt und AIDS ist die Krankheit, die aufgrund der Virusinfektion ausbricht. Dabei wird das Immunsystem der Betroffenen zerstört, sodass sie sich nicht mehr vor Krankheiten von außen schützen können. Bis die Krankheit AIDS ausbricht können teilweise 10 bis 12 Jahre vergehen. Durch die guten Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland bricht AIDS heutzutage aber kaum noch aus.

Wie steckt man sich an? Welche Mythen hinsichtlich der Ansteckung gibt es?
Ansteckende Körperflüssigkeiten - das sind Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und Muttermilch - können durch Druck bzw. Reibung über Schleimhäute oder offene Wunden in den Körper eindringen. Durch Spucke kann das Virus genauso wenig übertragen werden wie etwa durch Zahnfleischbluten, Händeschütteln oder das gemeinsame Benutzen von Geschirr.

Welche Gruppen sind besonders gefährdet, sich mit HIV zu infizieren?
Vor allem homosexuelle Männer, weil die Darmschleimhaut sehr empfindlich und aufnehmend ist, sodass beim ungeschütztem Analverkehr ein hohes Ansteckungsrisiko besteht. Auch eine kleine Gruppe von Drogenabhängigen, die dasselbe Spritzgeschirr verwenden, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Bei uns in der Beratungsstelle ist aber das ganze Spektrum der Gesellschaft vertreten.

Wenn man ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und sich unsicher ist, ob man sich vielleicht angesteckt hat, wo gibt es Hilfe?
Bei einem One-Night-Stand, wo der begründete Verdacht auf eine HIV-Infektion des Sexualpartners besteht gibt es eine Art "Pille danach", die vom Arzt verschrieben werden kann und die vier Wochen lang eingenommen wird. Wichtig dabei ist, dass die Pille maximal 48 Stunden nach dem Sex eingenommen wird. Deswegen geht man am besten zu einem Infektiologen oder ins Krankenhaus. In Passau wäre das Klinikum ein Ansprechpartner.

Was kostet ein HIV-Test?
Beim Gesundheitsamt ist er kostenlos. Bei einem begründetem Verdacht ist er je nach Krankenkasse auch beim Arzt kostenlos. Ansonsten kostet er ca. 25 Euro. Aktuell setzten wir uns für die Einführung von Heimtests aus, die sich Betroffene selber bestellen und zu Hause durchführen können. Ich glaube, bei diesem Verfahren sinkt die Hemmschwelle, den Test zu machen, weil sich manche nicht trauen, zum Arzt zu gehen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heutzutage gegen HIV?
HIV-positiv zu sein bedeutet heute längst kein Todesurteil mehr, wie es zu Beginn der Achtzigerjahre, wo die Krankheit das erste Mal auftrat, der Fall war. Heute gibt es so gute Medikamente, dass die Infizierten eine normale Lebenserwartung haben und ein normales Leben mit Arbeit und Familie führen können. Allerdings müssen die Medikamente ein Leben lang und regelmäßig eingenommen werden.

Gibt es auch heute noch Vorurteile und Stigmatisierungen gegen HIV-Infizierte?
Auch wenn sich medizinisch viel getan hat, gibt es auf der sozialen Ebene immer noch viel Ausgrenzung und Ablehnung. Das hat aber oft mit mangelndem Wissen in der Gesellschaft zu tun. Bei medizinischem Personal, das HIV-positiv ist, weigern sich etwa manche Patienten von ihnen behandelt zu werden. Oder besorgte Mütter wollen ihre Kinder nicht zum Spielen zu einer HIV-positiven anderen Mutter geben, weil sie Angst haben, das eigene Kind könne sich anstecken. Die Vorurteile resultieren oft aus Ängsten, die meist unbegründet sind. Andersrum ist die Angst vor Diskriminierung bei HIV-Infizierten allerdings meist größer als die tatsächlich erfahrene Diskriminierung. Diese hängt im Wesentlichen vom Umfeld ab. Im ländlichen Gebiet hemmen sich die Infizierten eher, offen zu ihrer Krankheit zu stehen als im städtischen Bereich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Beratungsmöglichkeiten

Wenn Sie Fragen zu dem Themenkomplex sexuell ansteckender Krankheiten (Prävention) haben, dann sprechen Sie gerne auch Ihren Hausarzt oder Frauenarzt an.

In Passau gibt es zwei direkte Beratungsmöglichkeiten bezüglich HIV/AIDS:

Weiterführende Informationen

Quellen

Die Informationen auf dieser Seite entstammen Heften, Broschüren, Informationsmaterialien und Webseiten-Inhalten von der Aidsberatung Niederbayern, "liebesleben", "Gib-AIDS-keine-Chance" und UNAIDS.