Prokrastination

Prokrastination

Aus dem Leben eines Studenten

Das neue Semester hat gerade begonnen und Jan ist schon wieder völlig überfordert. Obwohl er bereits im 5. Semester studiert, bereitet ihm der Start jedes Jahr aufs Neue einige Probleme. Vor allem das Erstellen des Stundenplans stellt ihn vor größere Herausforderungen, denn laut Studienverlaufsplan müsste er in diesem Semester vier Vorlesungen, drei Seminare und einen Sprachkurs belegen. Zu dumm nur, dass sich gerade eine wichtige Vorlesung und ein Seminar überschneiden und er die Anmeldung für ein Seminar, das er unbedingt besuchen wollte, verpasst hat, weil er in den Ferien jegliche Uni-Angelegenheiten von sich geschoben hat.

Nachdem er sich durch die ersten zwei Wochen gekämpft hat und der Stundenplan nun feststeht, aber so gar nicht den ursprünglichen Vorstellungen Jans entspricht, würden eigentlich auch schon die nächsten Verpflichtungen auf ihn warten: die Erstellung von Referaten für die Seminare. Aber der Stress der ersten Wochen zerrt an seinen Kräften. Deshalb gönnt er sich eine mehrwöchige Auszeit, deren Aktivitäten hauptsächlich darin bestehen, sich mit Freunden auf der Uni-Wiese zu treffen oder die zahlreichen Cafés und Bars der Dreiflüssestadt unsicher zu machen. Die Referate sind längst vergessen, denn glücklicherweise hat Jan zwei der beliebten Referatstermine zu Semesterende ergattern können. Erst gegen Ende Juni wird er an das ungeliebte Referatsthema erinnert, als ein Kommilitone ihn kontaktiert, der sich schließlich als sein Referatspartner herausstellt. In nächtlicher Fleißarbeit gelingt es den beiden, den Vortrag noch rechtzeitig fertigzustellen, auch wenn die Qualität leidet. Jan meistert auch eher schlecht als recht das nächste Referat, welches bereits zwei Tage nach dem ersten stattfindet.

Nun beginnt auch schon die heiße Phase des Semesters: die Prüfungsphase. Von der Erstellung der beiden Referate noch nicht wieder hergestellt, warten nun vier Klausuren auf ihn – die erste davon in vier Tagen. Die zweite Klausur findet ebenfalls nur drei Tage nach der ersten statt. Panik macht sich bei Jan breit. Trotz mehrerer Nachtschichten vermag es Jan wider Erwarten nicht, die Stofffülle des Semesters zu bewältigen: Er muss eine Vorlesung wiederholen und die Ergebnisse der anderen drei Klausuren entsprechen auch so gar nicht seinen Vorstellungen, weiß er doch genau, dass er mit ein wenig mehr Anstrengung und Strukturierung wesentlich bessere Ergebnisse hätte erzielen können…

Der studentische Alltag erfordert ein hohes Maß an Selbstmanagement und Selbstorganisation. Gerade nach der Einführung des Bachelors und Masters sehen sich die Studierenden mit einer Vielzahl an Aufgaben konfrontiert: die Erstellung des Stundenplans, das Managen und Bewältigen der zahlreichen Prüfungen und nicht zuletzt der Erwerb von Schlüsselqualifikationen, durch die man sich von den anderen abhebt. Die Anforderungen sind vielschichtig und mannigfach. Darüber hinaus wartet auch das „normale“ Leben mit seinen kleinen und größeren Schwierigkeiten. Die Kompetenz der Selbstorganisation ist demgemäß von außerordentlicher Bedeutung. Doch vielen Studierenden ergeht es ähnlich wie Jan – sie leiden an „Aufschieberitis“, genannt Prokrastination.