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Interview mit der Universitätsfrauenbeauftragten zur Kampagne "His or hers?"

„His or hers?“ lautet die Frage, die im Sommersemester auf dem Campus auf Plakaten und auf den Social-Media-Kanälen der Universität Passau in leuchtendem Orange prangt. Was steckt hinter dieser Kampagne? Die Frauenbeauftragte Prof. Dr. Andrea Sieber erklärt die Hintergründe der Aktion.

Schriftzug der Kampagne "His or hers?"

Was hat es mit der „His or hers“-Kampagne auf sich?

Prof. Dr. Andrea Sieber: Ziel der Kampagne ist es, für Geschlechterstereotype zu sensibilisieren und einen Diskurs über den Einfluss von Geschlechterstereotypen auf alltägliches Handeln anzuregen. Mit den Symbolen auf den auffälligen und großflächig angebrachten Plakaten möchten wir einladen, gängige Rollenerwartungen zu hinterfragen und darüber ins Gespräch zu kommen. Wir freuen uns über inhaltliche Diskussionen auf sachlicher Ebene (die über Plakatierverordnungen und Kosten hinausgehen).
Parallel zur Plakataktion läuft eine Online-Befragung der Studierenden, um mehr über ihre Einstellungen zur Rolle und Position von Frauen und Männern in Studium und Beruf in Erfahrung zu bringen. Anfang Juli veranstalten wir eine Aktionswoche, in der in unterschiedlichen Formaten verschiedene Themenaspekte aufgegriffen werden. So wird es zum Beispiel einen Vortrag geben zu Rollenbildern und Identitäten von Männern, einen Workshop zu Genderkompetenz für Studierende, eine Podiumsdikussion zu Gender und Sprache und verschiedene Filmvorführungen mit Diskussionsrunden. Auch in einigen Vorlesungen werden in dieser Woche Gender-Themen behandelt, die für ein interessiertes Publikum geöffnet sind. Am 03. Juli 2019 sind Kick-off-Veranstaltungen zu Arbeitsgruppen geplant, die sich mit den Themen „Genderkompetenz in der Lehre“, „Geschlechtergerechte Sprache“ und „Genderdiversity“ beschäftigten. Wir möchten damit Themen, die immer wieder angesprochen und kritisch diskutiert werden, einen Raum und Rahmen geben.


Welches Motiv ist Ihr Favorit und warum?

Prof. Dr. Andrea Sieber: Wegen der Nähe zu meinem akademischen Werdegang habe ich zwei Favoriten: den „Doktorhut“ und das „Gehirn“. Bevor ich zur Germanistik kam, habe ich Studiengänge in Biologie und Sportwissenschaften abgeschlossen. Das Gehirn steht für mich für die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die in Gender-Diskussionen häufig angeführt werden. Die „Ratio“ wird immer noch eher mit dem Männlichen in Verbindung gebracht. Ähnlich verhält es sich mit dem „Doktorhut“: Vor allem nach der Promotion verlieren wir viele hochqualifizierte Frauen in der Wissenschaft. Immer noch wird Frauen häufig eine wissenschaftliche Laufbahn nicht zugetraut.

Wer hatte die Idee zu der Kampagne?

Prof. Dr. Andrea Sieber: Die Idee zu dieser Kampagne stammt von den Frauenbeauftragten der Hochschule München, die das Konzept entwickelt haben. An der Hochschule München wurde die Kampagne 2016/2017 durchgeführt und mittlerweile schon an einigen weiteren Universitäten und Hochschulen aufgegriffen. Anlässlich von „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ und die um den Jahreswechsel geführte Debatte über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere in (Spitzen-)Führungspositionen, habe ich in meiner Funktion als Universitätsfrauenbeauftragte der Universitätsleitung vorgeschlagen, diese Bezüge im Rahmen der Kampagne „His or Hers?“ aufzugreifen und universitätsweit fortzuführen. Es handelt sich also um eine Initiative der Universitätsfrauenbeauftragten.


Was geschieht mit den Ergebnissen der Umfrage?

Prof. Dr. Andrea Sieber: Die Ergebnisse der Umfrage werden im Rahmen der Aktionswoche vom 01. bis 05. Juli 2019 aufgegriffen. Vorgestellt und diskutiert werden sie in der Auftaktveranstaltung zur Aktionswoche am Montag, den 01. Juli 2019, um 18:00 Uhr im Raum ITZ 017, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Außerdem wird es einen schriftlichen Ergebnisbericht geben. Ganz konkret werden die Ergebnisse in die Gleichstellungsarbeit der Universität Passau einfließen: Wo sehen die Studierenden Handlungsbedarf? Was wünschen sie sich für Maßnahmen? Die Universität Passau wird mit einem Studentinnenanteil von knapp 60 Prozent oberflächlich betrachtet meistens als „weiblich“ wahrgenommen. Die Frauenanteile schwanken aber zum Teil erheblich zwischen den Studiengängen und sinken mit zunehmender Qualifizierungsstufe. An der Universität Passau beträgt der Frauenanteil bei den C4/W3-Professuren dann nur noch 18 Prozent. Wir haben als Universität den gesetzlichen Auftrag, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern, bestehende Nachteile zu beseitigen und den Frauenanteil auf allen Ebenen der Wissenschaft zu steigern.


Wenn Sie sich die Universität in fünf oder zehn Jahren vorstellen, was wünschen Sie sich?

Prof. Dr. Andrea Sieber: Allgemein wünsche ich mir, dass Gleichstellung im Wissenschaftssystem in fünf, spätestens in zehn Jahren gelebte Realität wird und Gender Mainstreaming tatsächlich umgesetzt wird. Vor allem für junge Frauen und Männer wünsche ich mir, dass sie Berufs- und Studienwahlentscheidungen unabhängig von Geschlechterstereotypen treffen, um so ihre Begabungen und ihre Potentiale voll entfalten können – unabhängig von Rollenerwartungen. Konkreter für die Universität Passau wünsche ich mir, dass der Professorinnenanteil in zehn Jahren bei mindestens einem Drittel liegt. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, Entscheidungs-, Bewertungs- und Verteilungsprozesse fair und transparent zu gestalten. Wir sind hier bereits auf einem guten Weg, dennoch sind stetige Anstrengungen notwendig, auch um nicht hinter den Status quo zurückzufallen.

 

 

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