Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming

Der Begriff "Gender Mainstreaming" stammt aus dem Englischen und bezeichnet den Entschluss, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen und wird meist in öffentlichen Einrichtungen eingesetzt. Im Unterschied zur expliziten Frauenpolitik bezieht Gender Mainstreaming beide Geschlechter gleichermaßen in die Konzeptgestaltung ein.

Das englische Wort "Gender" bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägte Geschlechterrolle von Frauen und Männern. Diese sind – anders als das biologische Geschlecht – erlernt und damit veränderbar. "Mainstreaming" (zu deutsch Hauptströmung) meint jenen Versuch, der darin besteht, benachteiligte Gruppen bzw. Randgruppen in die Mitte der Gesellschaft, also in den ganz normalen "Mainstream", zu bringen. So lässt sich die deutsche Übersetzung des Gender Mainstreamings, als "durchgängige Gleichstellungsorientierung" oder "Gleichstellungspolitik" bezeichnen.

Ausgehend, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt, ist Gender Mainstreaming somit der Auftrag an die Spitze einer Verwaltung und an alle Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern – von vornherein – zu berücksichtigen und zwar:  

  • in der Struktur der Verwaltung
  • in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen
  • in den Ergebnissen und Produkten
  • in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Gender Budgeting

"Gender Budgeting" bezeichnet die Etablierung und Durchführung von Maßnahmen innerhalb des Prozesses der Aufstellung von öffentlichen Haushalten (englisch: "Budget") von Bund, Ländern und Kommunen, mit dem Ziel die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter (englisch: "Gender") zu fördern und schließlich zu erreichen. "Gender Budgeting" wird als Teilstrategie des Gender Mainstreamings angesehen, um durch eine entsprechende gestaltete Haushaltsführung die Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen.

Historische Entwicklung

Bei der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen 1995 in Peking wurde Gender Mainstreaming als politische Methode und Richtlinie festgelegt, die von den Teilnehmerländern in nationale Aktivitäten umgesetzt werden muss.  Der Amsterdamer Vertrag ernannte das Konzept des Gender Maintreaming 1997/1999 zum offiziellen Ziel der Gleichstellungspolitik der Europäischen Union. Mit Kabinettsbeschuss vom 23. Juni 1999 hat die Bundesregierung die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip ihres Handelns anerkannt und beschlossen, diese Aufgabe mittels der Strategie des Gender Mainstreaming zu fördern. Der Bayerische Landtag hat 2002 eine Verankerung von Gender Mainstreaming in allen Politikfeldern, sowie Fortbildung für Führungskräfte beschlossen. Die Bayerische Staatsregierung hat am 1. Oktober 2002 die Änderung der Geschäftsordnung der Bayerischen Staatsregierung und der Organisationsrichtlinien mit dem Ziel einer Förderung der geschlechtersensiblen Sichtweise bekannt gemacht (AllMBl. Nr. 13/2002, S. 891f).

Weitere Informationen zu Gender Mainstreaming

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Gender Mainstreaming
    Aktuelle Nachrichten und zahlreiche Links zu Gender Mainstreaming
     
  • Das GenderKompetenzZentrum unterstützt bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming. Es ist eine anwendungsorientierte Forschungseinrichtung im Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) an der Humboldt Universität zu Berlin. Das GenderKompetenzZentrum bietet ein breites Beratungsspektrum. Neben einem umfassenden Informationsangebot im Internet zum Beispiel Erstberatung zur Umsetzung von Gender Mainstreaming, Forschung und Veranstaltungen. 
     
  • Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (Center of Excellence Women and Science) ist der nationale Knotenpunkt zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung in Deutschland. Als wissens- und forschungsbasierte Dienstleistungseinrichtung steht das CEWS Wissenschaftlerinnen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsorganisationen und politischen Gremien mit seinen Leistungen zur Verfügung.
     
  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Gender Mainstreaming
    Liste mit weiterführender Literatur zu Gender mainstreaming, Gender Budgeting, Gleichstellung/Chancengleichheit, Genderforschung u.v.m.
     
  • TOTAL E-QUALITY Deutschland e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, Chancengleichheit von Frauen und Männern in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zu etablieren, nachhaltig zu verankern und damit einen Paradigmenwechsel in der Personalpolitik herbeizuführen. Für beispielhaftes Handeln im Sinne einer an Chancengleichheit ausgerichteten Personalführung vergibt der Verein das TOTAL E-QUALITY Prädikat. Das Prädikat zeichnet Unternehmen, Organisationen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus, die eine an Chancengleichheit orientierte Personalpolitik verfolgen.