Motiv

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„Bitte mach keinen Heiligen aus mir!“ - die Problemstellung

Mit den großen Heiligen ist das so eine Sache: Müssen nicht die Durchschnittsbürgerin und der Durchschnittsschüler zwangsläufig scheitern, wenn sie sich an übermächtigen Helden und Heiligen orientieren sollen? „So kann und will ich nicht werden“, sagen sie dann angesichts der „pädagogischen Kolosse“ (Siegfried Lenz). „You’ll never make a saint of me“, meint Mick Jagger.

Um die Heiligsprechung der großen Heiligen kümmert sich der Vatikan. Das war nicht immer so, wie ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt: Der hl. Ulrich von Augsburg war im Jahre 993 der erste Heilige, der von einem Papst heilig gesprochen wurde. Zuvor war die Verehrung einer Person durch das gläubige Volk das wichtigste Kriterium für ihre Heiligsprechung auf regionaler Ebene. Diesem Glaubenssinn der Gläubigen, dem „sensus fidei“, wurde im Laufe der Geschichte immer weniger Gewicht im Rahmen der Heiligsprechungsverfahren eingeräumt, die Zentrale in Rom übernahm die Regie.

Es geht nun nicht darum, die Bedeutung der „großen“ Heiligen zu schmälern. Ziel ist es vielmehr, ein Gegengewicht zu schaffen und die „großen“ mit den „kleinen“ Heiligen zu ergänzen – auch deshalb, weil die „großen“ häufig so weit weg sind vom Alltag „normaler“ Christen.

Diesem Ziel hat sich das Projekt „Local heroes“ verschrieben. Es mutet ein wenig an wie „Linux“ gegen „Microsoft“: Eine dezentrale Alternative von unten zur übermächtigen Zentrale …

Vorteile der „Heiligen des Alltags“

Die Heiligen des Alltags (Romano Guardini), Helden vor Ort oder Local heroes eignen sich aus folgenden Gründen besonders gut für orientierendes Lernen:

  • Sie leben in der unmittelbaren Umgebung, sind Menschen „wie du und ich“.

  • Sie belegen, dass auch in unserer Gesellschaft zwischen „punktuell“ und „radikal“ verschiedene Formen altruistischen Verhaltens möglich sind.

  • Sie bilden in ihrer Alltäglichkeit eine Brücke zwischen den dominierenden Lebensvorstellungen der Schüler und dem Mehr-Wert christlich-sozialen Verhaltens.

  • Theologisch lässt sich eine Orientierung an „kleinen Heiligen“ mit dem „Modell der Gradualität“ (Familiaris consortio) begründen: Die Einführung in christliches Leben geschieht nicht im Hauruckverfahren und nach der Gipfelstürmermentalität, sondern in kleinen Schritten. Dies motiviert auch zum (begrenzten) eigenen Handeln.

  • Moralpsychologisch entspricht dies der so genannten +1-Stimulation; das bedeutet: Man ist solchen Argumenten gegenüber aufgeschlossen, die nur etwas differenzierter angelegt sind als die eigene Argumentationsstruktur.

  • Und ein letzter zentraler Punkt: Gerade Menschen aus dem Nahbereich und der Jetzt-Zeit ermöglichen eine unmittelbare personale Begegnung.

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