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Forschung

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Die Universität Passau will bis zu ihrem 50. Geburtstag im Jahr 2028 zu einem der führenden Zentren in Europa für interdisziplinäre Grundlagenforschung zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung werden. Sie fokussiert ihre Forschung auf die Themenschwerpunkte „Digitalisierung, vernetzte Gesellschaft und (Internet)Kulturen“, „Europa und globaler Wandel“ sowie „Migration, nachhaltige Entwicklung und gerechte Ordnung“.

Digitales Forschungsmagazin

Das Digitale Forschungsmagazin bereitet ausgewählte Vorhaben zu den einzelnen Schwerpunkten hochwertig im Netz auf. Bestandteil des Magazins sind auch die Profile der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an Großprojekten beteiligt sind.

Das Digitale Forschungsmagazin der Universität Passau

Die einzelnen Themenschwerpunkte leiten sich konsequent aus dem Gründungsgedanken der Universität ab: Die Universität Passau wurde 1978 als sogenannte Grenzlanduniversität in der Dreiflüssestadt Passau am Dreiländereck gegründet und hatte das Thema Europa mit der unmittelbaren Grenze zu Österreich und der Nähe zum Eisernen Vorhang buchstäblich vor Augen. Diese Historie wird durch den Schwerpunkt „Europa und Globaler Wandel“ aufgegriffen.

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Aktuelle Projekte zum Themenschwerpunkt „Europa und globaler Wandel”

BMBF-Projekt IndORGANIC: Passauer Team bereitet grüne Transformation in Indonesien vor

Kann die Landwirtschaft des weltgrößten Inselstaats verstärkt auf Bio setzen? Ein Forschungsteam der Universität Passau testet das Potential von organischem Landbau in Indonesien - das BMBF fördert das Projekt mit 882 190 Euro.

Indonesien nach der grünen Revolution

Sie hieß grüne Revolution, doch die Ergebnisse sind zwiespältig: Mitte der 1960er Jahre wurde Indonesiens Landwirtschaft industrialisiert, um die Erträge zu steigern und einer Hungerkatastrophe vorzubeugen. Es war die Abkehr von der traditionellen Landwirtschaft. Die Folgen sind heute spürbar: Viele Böden haben an Fruchtbarkeit verloren und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln belasten die Nahrung. Ansätze, den biologischen Landbau zu fördern, gibt es bereits. "Doch der Anteil ist nach wie vor verschwindend gering", erklärt Michael Grimm, Professor für Entwicklungsökonomie an der Universität Passau, der das Projekt IndORGANIC zusammen mit Prof. Dr. Martina Padmanabhan, Lehrstuhl Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung, leitet. Indonesien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südostasien. Die Sozialwissenschaftlerin und der Ökonom wollen ausloten, inwieweit sich die dortige Landwirtschaft auf organischen Landbau umstellen ließe.

Wertewandel, Verteilungsfragen, Konflikte

Organischer Landbau, das heißt: Keine Pestizide, keinen künstlichen Dünger und damit eine nachhaltigere Produktion. Die traditionelle Landwirtschaft, wo sie noch praktiziert wird, soll durch kluge Methoden, wie beispielsweise der biologischen Schädlingsbekämpfung, ergänzt werden. Im Idealfall gleichen langfristige Nachhaltigkeitsgewinne durch hohe Ökosystemleistungen kurzfristige Produktionsminderung im Vergleich zum Status Quo aus. "Nahrungsmittelproduktion durch biologischen Landbau impliziert Transformationsprozesse, die Verteilungsfragen berühren, Konflikte über Werte in sich bergen und institutionellen Wandel erfordern", erklärt Prof. Dr. Padmanabhan.

Zu Anfang widmet sich das Forschungsteam dem Verständnis indonesischer Vorstellungen von Biolandbau, arbeitet vielversprechende biologischer Anbaumethoden heraus, um schließlich Bauern und Bäuerinnen zu überzeugen, diese auch anzuwenden. Getestet werden Techniken und erforderliche Anreizmechanismen im Rahmen eines Pilotexperiments in ungefähr 50 bis 60 Dörfern. Die Passauer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden mit der Universitas Atma Jaya in Yogyakarta und dem Institut Pertania Bogor auf der indonesischen Insel Java zusammenarbeiten, die sich wiederum ebenfalls untereinander vernetzen.

Sind Bäuerinnen empfänglicher für Bio?

Das Team erforscht den biologischen Landbau als Alternative zur konventionellen Agrarwirtschaft aus einer philosophischen, sozialen und ökonomischen Perspektive: Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Padmanabhan bringt Erkenntnisse über Werte- und Bedeutungssysteme ein, die menschliches Handeln leiten. Unter anderem untersucht sie die Unterschiede im Hinblick auf Geschlechterrollen: Bäuerinnen in Indonesien fokussieren sich eher um die Versorgung der jeweiligen Haushalte, während Bauern dazu neigen, gewinnorientiert zu produzieren. Sind somit möglicherweise die Bäuerinnen empfänglicher für die Umstellung auf Bio? Und wenn ja, wie können sie in dieser Haltung bestärkt werden?

Entwicklungsökonom Grimm bringt die wirtschaftswissenschaftliche Sicht ein: Welche Anreize sind nötig, um die Landwirte für das Konzept des organischen Landbaus zu gewinnen? Könnten Subventionen helfen, Hemmungen abzubauen oder sind vor allem mehr Informationen und Training notwendig? Die Ausgangslage bewertet er positiv: "Die Landwirtschaft ist relativ gut entwickelt, wir haben es mit einem riesigen internen Markt zu tun, darüber hinaus hat Indonesien mit Südkorea, Malaysia und China relativ wohlhabende Nachbarn." Indonesische Bioprodukte wie Reis (im Bild: Reisbauern bei der Arbeit in Indonesien, Foto: V. Schreer), Kaffee, Kakao, tropische Früchte und Wurzelknollen könnten zu Exportschlagern werden. Möglicherweise stellt die Umstellung auf Bio auch eine Attraktion für Touristinnen und Touristen dar. Bali nutzt dieses Argument schon.

Empfehlungen für Lokalregierungen

Am Ende des dreijährigen Projekts sollen stehen: eine umfassende Analyse der Situation und des Potentials des organischen Landbaus in Indonesien sowie Maßnahmen, die nötig wären, um diese Vision einer Bioökonomie zu verwirklichen. Das Team will sowohl einfach zugängliche Dossiers mit Handlungsanweisungen für die indonesischen Entscheidungsinstanzen verfassen, als auch Empfehlungen für Agierende wie die Weltbank und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Darüber hinaus soll es wissenschaftliche Publikationen für die Fachcommunity geben. Eine Webpräsenz begleitet das Projekt.

Beteiligte und Förderung

Prof. Dr. Martina Padmanabhan, Inhaberin des Lehrstuhls für Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung mit Schwerpunkt Südostasien an der Universität Passau, leitet das Projekt zusammen mit Prof. Dr. Michael Grimm, Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics. Partner in Indonesien sind die Universitas Atma Jaya Yogyakarta (UAJY) und das Institut Pertania Bogor (IPB) als auch die Alliance Organic Indonesia (AOI).

Förderung erhält das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über eine Laufzeit von drei Jahren in Höhe von 882.190 Euro.




Projektleitung an der Universität Passau Prof. Dr. Michael Grimm (Lehrstuhl für Development Economics)

Prof. Dr. Martina Padmanabhan (Lehrstuhl für Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung (Schwerpunkt Südostasien))
Laufzeit 01.12.16 - 30.11.19
Website http://www.uni-passau.de/en/indorganic/
Mittelgeber
BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Projektnummer 031B0233
Themenfelder Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus, Geistes- und Sozialwissenschaften, Asienbezogene Wissenschaften


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Die europäische Verantwortung, auf die globalen Herausforderungen mit angemessenen Lösungsstrategien zu antworten, hat die Forscherinnen und Forscher der Universität Passau in den letzten Jahren zunehmend in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Entwicklungsfragen geführt. Ein Ergebnis dieser interdisziplinären Beschäftigung ist nicht nur der fakultätsübergreifende Masterstudiengang Development Studies, sondern auch der Schwerpunkt „Migration, nachhaltige Entwicklung und gerechte Ordnung“.

Zugvögel

Aktuelle Projekte zum Themenschwerpunkt „Migration, nachhaltige Entwicklung und gerechte Ordnung”

BMBF-Projekt IndORGANIC: Passauer Team bereitet grüne Transformation in Indonesien vor

Kann die Landwirtschaft des weltgrößten Inselstaats verstärkt auf Bio setzen? Ein Forschungsteam der Universität Passau testet das Potential von organischem Landbau in Indonesien - das BMBF fördert das Projekt mit 882 190 Euro.

Indonesien nach der grünen Revolution

Sie hieß grüne Revolution, doch die Ergebnisse sind zwiespältig: Mitte der 1960er Jahre wurde Indonesiens Landwirtschaft industrialisiert, um die Erträge zu steigern und einer Hungerkatastrophe vorzubeugen. Es war die Abkehr von der traditionellen Landwirtschaft. Die Folgen sind heute spürbar: Viele Böden haben an Fruchtbarkeit verloren und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln belasten die Nahrung. Ansätze, den biologischen Landbau zu fördern, gibt es bereits. "Doch der Anteil ist nach wie vor verschwindend gering", erklärt Michael Grimm, Professor für Entwicklungsökonomie an der Universität Passau, der das Projekt IndORGANIC zusammen mit Prof. Dr. Martina Padmanabhan, Lehrstuhl Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung, leitet. Indonesien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südostasien. Die Sozialwissenschaftlerin und der Ökonom wollen ausloten, inwieweit sich die dortige Landwirtschaft auf organischen Landbau umstellen ließe.

Wertewandel, Verteilungsfragen, Konflikte

Organischer Landbau, das heißt: Keine Pestizide, keinen künstlichen Dünger und damit eine nachhaltigere Produktion. Die traditionelle Landwirtschaft, wo sie noch praktiziert wird, soll durch kluge Methoden, wie beispielsweise der biologischen Schädlingsbekämpfung, ergänzt werden. Im Idealfall gleichen langfristige Nachhaltigkeitsgewinne durch hohe Ökosystemleistungen kurzfristige Produktionsminderung im Vergleich zum Status Quo aus. "Nahrungsmittelproduktion durch biologischen Landbau impliziert Transformationsprozesse, die Verteilungsfragen berühren, Konflikte über Werte in sich bergen und institutionellen Wandel erfordern", erklärt Prof. Dr. Padmanabhan.

Zu Anfang widmet sich das Forschungsteam dem Verständnis indonesischer Vorstellungen von Biolandbau, arbeitet vielversprechende biologischer Anbaumethoden heraus, um schließlich Bauern und Bäuerinnen zu überzeugen, diese auch anzuwenden. Getestet werden Techniken und erforderliche Anreizmechanismen im Rahmen eines Pilotexperiments in ungefähr 50 bis 60 Dörfern. Die Passauer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden mit der Universitas Atma Jaya in Yogyakarta und dem Institut Pertania Bogor auf der indonesischen Insel Java zusammenarbeiten, die sich wiederum ebenfalls untereinander vernetzen.

Sind Bäuerinnen empfänglicher für Bio?

Das Team erforscht den biologischen Landbau als Alternative zur konventionellen Agrarwirtschaft aus einer philosophischen, sozialen und ökonomischen Perspektive: Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Padmanabhan bringt Erkenntnisse über Werte- und Bedeutungssysteme ein, die menschliches Handeln leiten. Unter anderem untersucht sie die Unterschiede im Hinblick auf Geschlechterrollen: Bäuerinnen in Indonesien fokussieren sich eher um die Versorgung der jeweiligen Haushalte, während Bauern dazu neigen, gewinnorientiert zu produzieren. Sind somit möglicherweise die Bäuerinnen empfänglicher für die Umstellung auf Bio? Und wenn ja, wie können sie in dieser Haltung bestärkt werden?

Entwicklungsökonom Grimm bringt die wirtschaftswissenschaftliche Sicht ein: Welche Anreize sind nötig, um die Landwirte für das Konzept des organischen Landbaus zu gewinnen? Könnten Subventionen helfen, Hemmungen abzubauen oder sind vor allem mehr Informationen und Training notwendig? Die Ausgangslage bewertet er positiv: "Die Landwirtschaft ist relativ gut entwickelt, wir haben es mit einem riesigen internen Markt zu tun, darüber hinaus hat Indonesien mit Südkorea, Malaysia und China relativ wohlhabende Nachbarn." Indonesische Bioprodukte wie Reis (im Bild: Reisbauern bei der Arbeit in Indonesien, Foto: V. Schreer), Kaffee, Kakao, tropische Früchte und Wurzelknollen könnten zu Exportschlagern werden. Möglicherweise stellt die Umstellung auf Bio auch eine Attraktion für Touristinnen und Touristen dar. Bali nutzt dieses Argument schon.

Empfehlungen für Lokalregierungen

Am Ende des dreijährigen Projekts sollen stehen: eine umfassende Analyse der Situation und des Potentials des organischen Landbaus in Indonesien sowie Maßnahmen, die nötig wären, um diese Vision einer Bioökonomie zu verwirklichen. Das Team will sowohl einfach zugängliche Dossiers mit Handlungsanweisungen für die indonesischen Entscheidungsinstanzen verfassen, als auch Empfehlungen für Agierende wie die Weltbank und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Darüber hinaus soll es wissenschaftliche Publikationen für die Fachcommunity geben. Eine Webpräsenz begleitet das Projekt.

Beteiligte und Förderung

Prof. Dr. Martina Padmanabhan, Inhaberin des Lehrstuhls für Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung mit Schwerpunkt Südostasien an der Universität Passau, leitet das Projekt zusammen mit Prof. Dr. Michael Grimm, Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics. Partner in Indonesien sind die Universitas Atma Jaya Yogyakarta (UAJY) und das Institut Pertania Bogor (IPB) als auch die Alliance Organic Indonesia (AOI).

Förderung erhält das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über eine Laufzeit von drei Jahren in Höhe von 882.190 Euro.




Projektleitung an der Universität Passau Prof. Dr. Michael Grimm (Lehrstuhl für Development Economics)

Prof. Dr. Martina Padmanabhan (Lehrstuhl für Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung (Schwerpunkt Südostasien))
Laufzeit 01.12.16 - 30.11.19
Website http://www.uni-passau.de/en/indorganic/
Mittelgeber
BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Projektnummer 031B0233
Themenfelder Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus, Geistes- und Sozialwissenschaften, Asienbezogene Wissenschaften


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Seit 2011 hat sich die Universität Passau konsequent, fakultätsübergreifend und interdisziplinär mit einer weiteren globalen Entwicklung auseinandergesetzt: den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung. Aus dem Ausbauprogramm Technik Plus und der zweiten Phase des erfolgreichen DFG-Graduiertenkollegs Privatheit entstanden nachhaltige Impulse für die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fakultäten. Ein Beispiel für diese Zusammenarbeit ist das BMBF-Projekt SKILL, das die „gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung für Lehr- und Lernumgebungen” analysiert und sich dabei insbesondere für die Vermittlung von „information and media literacy“ einsetzt. Ebenso zählt auch die durch das BMBF geförderte Etablierung des Passauer Zentrums für e-Humanities als Beispiel dazu. Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit in diesen und noch vielen weiteren Projekten entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Passau den Schwerpunkt „Digitalisierung, vernetzte Gesellschaft und (Internet)Kulturen”.

Aktuelle Projekte zum Themenschwerpunkt „Digitalisierung, vernetzte Gesellschaft und (Internet)Kulturen”

BMBF-Projekt IndORGANIC: Passauer Team bereitet grüne Transformation in Indonesien vor

Kann die Landwirtschaft des weltgrößten Inselstaats verstärkt auf Bio setzen? Ein Forschungsteam der Universität Passau testet das Potential von organischem Landbau in Indonesien - das BMBF fördert das Projekt mit 882 190 Euro.

Indonesien nach der grünen Revolution

Sie hieß grüne Revolution, doch die Ergebnisse sind zwiespältig: Mitte der 1960er Jahre wurde Indonesiens Landwirtschaft industrialisiert, um die Erträge zu steigern und einer Hungerkatastrophe vorzubeugen. Es war die Abkehr von der traditionellen Landwirtschaft. Die Folgen sind heute spürbar: Viele Böden haben an Fruchtbarkeit verloren und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln belasten die Nahrung. Ansätze, den biologischen Landbau zu fördern, gibt es bereits. "Doch der Anteil ist nach wie vor verschwindend gering", erklärt Michael Grimm, Professor für Entwicklungsökonomie an der Universität Passau, der das Projekt IndORGANIC zusammen mit Prof. Dr. Martina Padmanabhan, Lehrstuhl Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung, leitet. Indonesien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südostasien. Die Sozialwissenschaftlerin und der Ökonom wollen ausloten, inwieweit sich die dortige Landwirtschaft auf organischen Landbau umstellen ließe.

Wertewandel, Verteilungsfragen, Konflikte

Organischer Landbau, das heißt: Keine Pestizide, keinen künstlichen Dünger und damit eine nachhaltigere Produktion. Die traditionelle Landwirtschaft, wo sie noch praktiziert wird, soll durch kluge Methoden, wie beispielsweise der biologischen Schädlingsbekämpfung, ergänzt werden. Im Idealfall gleichen langfristige Nachhaltigkeitsgewinne durch hohe Ökosystemleistungen kurzfristige Produktionsminderung im Vergleich zum Status Quo aus. "Nahrungsmittelproduktion durch biologischen Landbau impliziert Transformationsprozesse, die Verteilungsfragen berühren, Konflikte über Werte in sich bergen und institutionellen Wandel erfordern", erklärt Prof. Dr. Padmanabhan.

Zu Anfang widmet sich das Forschungsteam dem Verständnis indonesischer Vorstellungen von Biolandbau, arbeitet vielversprechende biologischer Anbaumethoden heraus, um schließlich Bauern und Bäuerinnen zu überzeugen, diese auch anzuwenden. Getestet werden Techniken und erforderliche Anreizmechanismen im Rahmen eines Pilotexperiments in ungefähr 50 bis 60 Dörfern. Die Passauer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden mit der Universitas Atma Jaya in Yogyakarta und dem Institut Pertania Bogor auf der indonesischen Insel Java zusammenarbeiten, die sich wiederum ebenfalls untereinander vernetzen.

Sind Bäuerinnen empfänglicher für Bio?

Das Team erforscht den biologischen Landbau als Alternative zur konventionellen Agrarwirtschaft aus einer philosophischen, sozialen und ökonomischen Perspektive: Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Padmanabhan bringt Erkenntnisse über Werte- und Bedeutungssysteme ein, die menschliches Handeln leiten. Unter anderem untersucht sie die Unterschiede im Hinblick auf Geschlechterrollen: Bäuerinnen in Indonesien fokussieren sich eher um die Versorgung der jeweiligen Haushalte, während Bauern dazu neigen, gewinnorientiert zu produzieren. Sind somit möglicherweise die Bäuerinnen empfänglicher für die Umstellung auf Bio? Und wenn ja, wie können sie in dieser Haltung bestärkt werden?

Entwicklungsökonom Grimm bringt die wirtschaftswissenschaftliche Sicht ein: Welche Anreize sind nötig, um die Landwirte für das Konzept des organischen Landbaus zu gewinnen? Könnten Subventionen helfen, Hemmungen abzubauen oder sind vor allem mehr Informationen und Training notwendig? Die Ausgangslage bewertet er positiv: "Die Landwirtschaft ist relativ gut entwickelt, wir haben es mit einem riesigen internen Markt zu tun, darüber hinaus hat Indonesien mit Südkorea, Malaysia und China relativ wohlhabende Nachbarn." Indonesische Bioprodukte wie Reis (im Bild: Reisbauern bei der Arbeit in Indonesien, Foto: V. Schreer), Kaffee, Kakao, tropische Früchte und Wurzelknollen könnten zu Exportschlagern werden. Möglicherweise stellt die Umstellung auf Bio auch eine Attraktion für Touristinnen und Touristen dar. Bali nutzt dieses Argument schon.

Empfehlungen für Lokalregierungen

Am Ende des dreijährigen Projekts sollen stehen: eine umfassende Analyse der Situation und des Potentials des organischen Landbaus in Indonesien sowie Maßnahmen, die nötig wären, um diese Vision einer Bioökonomie zu verwirklichen. Das Team will sowohl einfach zugängliche Dossiers mit Handlungsanweisungen für die indonesischen Entscheidungsinstanzen verfassen, als auch Empfehlungen für Agierende wie die Weltbank und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Darüber hinaus soll es wissenschaftliche Publikationen für die Fachcommunity geben. Eine Webpräsenz begleitet das Projekt.

Beteiligte und Förderung

Prof. Dr. Martina Padmanabhan, Inhaberin des Lehrstuhls für Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung mit Schwerpunkt Südostasien an der Universität Passau, leitet das Projekt zusammen mit Prof. Dr. Michael Grimm, Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics. Partner in Indonesien sind die Universitas Atma Jaya Yogyakarta (UAJY) und das Institut Pertania Bogor (IPB) als auch die Alliance Organic Indonesia (AOI).

Förderung erhält das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über eine Laufzeit von drei Jahren in Höhe von 882.190 Euro.




Projektleitung an der Universität Passau Prof. Dr. Michael Grimm (Lehrstuhl für Development Economics)

Prof. Dr. Martina Padmanabhan (Lehrstuhl für Vergleichende Entwicklungs- und Kulturforschung (Schwerpunkt Südostasien))
Laufzeit 01.12.16 - 30.11.19
Website http://www.uni-passau.de/en/indorganic/
Mittelgeber
BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Projektnummer 031B0233
Themenfelder Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus, Geistes- und Sozialwissenschaften, Asienbezogene Wissenschaften


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Themenschwerpunkt "Digitalisierung, vernetzte Gesellschaft und (Internet)Kulturen"

Passau International Centre for Advanced Interdisciplinary Studies (PICAIS)

Mit dem Passau International Centre for Advanced Interdisciplinary Studies (PICAIS) schafft die Universität Passau am Campus einen sichtbaren Ort der Förderung exzellenter Forschung, internationaler Netzwerkaktivitäten und des wissenschaftlichen Nachwuchses. PICAIS ist als dauerhafte und eigenständige Einrichtung konzipiert, die in besonderer Weise dazu geeignet ist, zur Steigerung der Sichtbarkeit der Forschungsleistungen unserer Universität beizutragen und die weitere Internationalisierung der Forschung zu unterstützten.

Dauerhafte Spitzenleistungen in Forschung und Lehre können nur durch eine exzellente Nachwuchsförderung erreicht werden. Aus diesem Grund hat die frühzeitige, konsequente Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei seiner Qualifizierung und (internationalen) Vernetzung einen hohen Stellenwert an unserer Universität. Dabei legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses und die Erhöhung der Anzahl an Frauen auf Lehrstühlen und Professuren.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentieren Projekte im Juridicum der Universität Passau am Tag der Offenen Tür.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die exzellente Forschung betreiben, sind auf ihre Kreativität angewiesen, aber auch auf administrative Strukturen, die wissenschaftliche Arbeit sichtbar fördern und unterstützen. Die Abteilung Forschungsförderung berät und unterstützt unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler professionell und umfassend zu Möglichkeiten der nationalen und internationalen Förderung ihrer Vorhaben.

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