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Eine Schule für alle: Tagung zum Thema demokratisch-inklusive Schulentwicklung

Die Universität Passau und das Staatliches Schulamt suchen mit Pädagoginnen und Pädagogen nach Wegen, wie Schulen alle (besonderen) Kinder – von Behinderten bis Hochbegabte – in einem Haus integrieren können. Die Tagung weist mit Praxisbeispielen und einem Manifest für die Region in die Zukunft – und zur Entwicklung einer demokratisch-inklusiven Schule, in der Menschen schon in der Schule lernen, dass die Gesellschaft „bunt“ ist.

Die Universität Passau lädt in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt Passau vom 1. bis 3. März zu einer Impulstagung zur demokratisch-inklusiven Schulentwicklung. Modellschulen aus der Region und auch internationale Schulhäuser präsentieren ihre Konzepte, wie sie alle Schülerinnen und Schüler – von Hochbegabten bis zu behinderten Kindern – in den Alltag einer Regelschule integrieren.

Schulleitungen, Lehrkräfte, Verantwortliche in der Schulaufsicht und Schulverwaltung sowie Fachwissenschaftler diskutieren verschiedene Lösungen, wie Pädagoginnen und Pädagogen eine (Grund-)Schule organisieren, die Kinder sowohl mit ihren Begabungen als auch ihren besonderen Bedürfnissen annimmt und nicht nur ihr Schulleben sinnvoll gestaltet, sondern auch Wege in eine gemeinsame Gesellschaft aufzeigt.

Am 2. März stellen etwa Vertreter der Modellschulen Grundschule Landau und Mittelschule Vilshofen in einem Dialogkreis von 10:30 bis 12 Uhr ihre Arbeit vor - unter dem Motto „Inklusion konkret – Umsetzung in Bayern“ (Seminarraum 26). In einem weiteren Dialogkreis zur gleichen Zeit spricht und moderiert Karl Bischof, Leiter des privaten Förderzentrums K-Schule Passau/Salzweg zu „individuelle Förderung und Behinderung“ (Seminarraum 27). Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Modelle präsentieren die Beteiligten am 3. März um 9:15 Uhr im Hörsaal 2, Innstr. 27.

Die Ergebnisse analysieren ab 10:30 Uhr am gleichen Ort in einer Podiumsdiskussion Vertreterinnen und Veertreter des Kultusministeriums, der Regierung Niederbayern, des Schulamts Passau, des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), der Projektschulen, der Universität Passau und deren Zentrum für Lehrerfortbildung unter dem Motto Zukunft der demokratisch-inklusiven Schule und der Moderation von Dr. Axel Schenz (Universität Erlangen-Nürnberg).

„Wir wollen den Verantwortlichen in der Region und darüber hinaus konkret aufzeigen, dass Inklusion mehr ist, als ein barrierefreier Zugang für Behinderte“, erklärt Christina Schenz, Inhaberin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Passau. „Wir verstehen darunter, dass Pädagoginnen und Pädagogen Kinder mit all ihren Besonderheiten individuell fördern und gleichzeitig Wege finden, dass jede Schülerin und jeder Schüler von der Erfahrung von Vielfalt profitieren. Wir spannen den Bogen dabei bewusst von Hochbegabung bis Behinderung, von Migrationshintergrund bis Aufmerksamkeitsstörungen.“ Die Tagung solle Impulse geben, wie man diese Zukunft gemeinsam gestaltet.

Als Ergebnis der Tagung planen die Beteiligten daher eine gemeinsame Erklärung zur Gestaltung nachhaltiger Schulentwicklung für die Region.

 

Weitere Informationen: Das komplette Tagungsprogramm steht unter http://www.demokratisch-inklusive-schule.uni-passau.de


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Hinweis an die Redaktionen: Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an die Pressestelle der Universität Passau, Tel. 0851 509-1430.

 

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Pädagogische Begriffsbestimmung – Inklusion umfasst als Idee viele verschiedene Reformvorhaben, die von der Gesellschaft als Anforderungen an die Akteure im Umfeld Schule gestellt werden. Sie nimmt die Schule als Ort gemeinsamen Lernens in den Blick und tangiert im Moment nachhaltig die schul- und bildungspolitische Entwicklung in Europa.

In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird Inklusion im schulischen Kontext meist als gemeinsame Beschulung aller Kinder, unabhängig von bzw. mit Würdigung ihrer unterschiedlichen Merkmale (Migrationshintergrund, Hochbegabung, Geschlecht, Bildungshintergrund, Behinderung) im Sinne einer positiven Vielfalt verstanden. Damit liegt ein weites Verständnis von Inklusion vor. In vielen anderen Publikationen und in der Auffassung des Kultusministeriums wird jedoch ein Verständnis deutlich, welches sich ausschließlich auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung bezieht und welches damit als enges Verständnis von Inklusion gefasst ist.

Demokratisch-Inklusive Schule

Jedes Kind, jede(r) Jugendliche darf „ohne Angst verschieden sein“ (Adorno 1972, S. 6) und Gemeinsamkeit erfahren. Eine demokratisch-inklusive Schule versteht sich in der Überführung des inklusiven und gleichzeitig individualisierenden Umgangs mit der Vielfalt im System Schule und im Unterricht in eine pädagogisch reflektierte Schulkultur. Der Fokus einer demokratisch-inklusiven Schule liegt daher in der Suche nach Antworten, wie Kinder und Jugendliche mit all ihren Begabungen, aber auch all ihren Schwächen oder Problemen ihr Leben sinnvoll gestalten können. Die Gestaltung eines sinnvollen Lebens ist aber nur in Beziehung zu der Gesellschaft, in der diese Menschen leben, denkbar (vgl. Schenz, A. 2011).

Verhältnis der Inklusion zur Sonderpädagogik

Inklusion braucht Sonderpädagogik! Die Notwendigkeit eines sonderpädagogischen Beitrages zu einer inklusiven Pädagogik ist völlig unstrittig. Es geht nicht um die Frage, ob Sonderpädagogik gebraucht wird, sondern darum, welche Sonderpädagogik gebraucht wird. Aber auch die Regelpädagogik muss sich verändern. Bei der Umsetzung von demokratisch-inklusiver Pädagogik geht es nämlich nicht darum, einen ansonsten unveränderten Unterricht mit sonderpädagogischen Maßnahmen zu ergänzen. Eine solche Herangehensweise führt nämlich, wie in vielen Integrations- oder Stützlehrerklassen oft zu sehen, zu einem Nebeneinander und zu häufigen Trennungen der Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen, anstatt zu einem wirklich inklusiven Unterrichtsgeschehen. 

Umsetzung in Bayern bzw. Niederbayern

Partnerklassen (= ehemalige Außenklassen): Es handelt sich hierbei meist um eine Förderschulklasse mit Schwerpunkt geistiger Entwicklung an einer allgemeinen Regelschule, welche mit einer Klasse dieser Schule zusammenarbeiten. Daneben existieren auch Regelschulklassen an Förderschulen.

Einzelinklusion

Ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf besucht eine allgemeine Regelschulklasse.

Förderschwerpunkte

Es wird zwischen folgenden Förderschwerpunkten differenziert: Sehen, Hören, körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Sprache, Lernen, emotionale und soziale Entwicklung. Der Förderschwerpunkt Lernen ist die häufigste Form des sonderpädagogischen Förderbedarfs (49,1 % in Bayern, Quelle: StMUK)

Förderzentrum

Bayern erachtet die im Schuljahr 2011/12 existierenden 404 Förderzentren als Kompetenzzentren, mit sieben verschiedenen Förderschwerpunkten.

Kooperationsklassen

Klassen der allgemeinen Regelschule für Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, welche eine zusätzliche Förderung durch Lehrkräfte des MSD erfahren.

Offene Förderschulklassen

Förderzentren, die nach den Lehrplänen der allgemeinen Schulen unterrichten (Hören, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung) und Kinder ohne sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen.

Schulprofil „Inklusion“

(vgl. die an der Tagung teilnehmenden Schulen Grundschule Landau und Mittelschule Vilshofen)
Diese Schulen entwickeln und arbeiten an inklusiven Bildungs- und Erziehungskonzepten.
Derzeit gibt es hiervon drei Schulen in Niederbayern (GS Landau, MS Vilshofen, GS Abensberg).
Im Schuljahr 2011/12 gibt es 41 solcher Profilschulstandorte in Bayern, welche im nächsten Schuljahr ausgeweitet werden.

UN-Behindertenrechtskonvention

Diese fördert und fordert die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung und verpflichtet zu einem inklusiven Schulwesen.

Steffen Becker | 16.02.2012

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