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Passauer Linguistin mit Dissertationspreis ausgezeichnet

Helene Schmolz, akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Englische Sprache und Kultur der Universität Passau, ist mit dem Dissertationspreis des Vereins zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI) ausgezeichnet worden. In ihrer Doktorarbeit „Anaphora Resolution and Text Retrieval: A Linguistic Analysis of Hypertexts“ zeigt die Wissenschaftlerin, wie linguistische Ansätze der Textanalyse in Kombination mit Methoden der Korpus- und Computerlinguistik, einen entscheidenden Beitrag leisten können, Texte in Suchmaschinen semantisch detaillierter zu repräsentieren und damit Suchergebnisse zu verbessern.

Helene Schmolz

Ausgehend vom linguistischen Konzept der Anaphern zeigt die Dissertation auf, dass deren Erkennung und Auflösung für Text Retrieval-Systeme von zentraler Bedeutung sind, hier jedoch bislang kaum beachtet werden. „Anaphern sind in der Linguistik beispielsweise Pronomen, die auf bereits erwähnte Ausdrücke zurück verweisen. Wenn ich sage: Susan plays the piano. She likes music., dann handelt es sich bei dem Wort she um eine Anapher“, erklärt Helene Schmolz. „Die Anaphernresolution war in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher informationstechnologischer Forschungsbeiträge. Die linguistische Perspektive wurde jedoch fast durchwegs außer Acht gelassen.“

 

Anhand von Hypertexten untersuchte Helene Schmolz, wie sich verschiedene Anaphernarten definieren und klassifizieren lassen und wie häufig sie in Hypertexten vorkommen. Sie stellt eine eigene Anaphern-Klassifikation für die englische Sprache und eine neue Anaphernart, die non-finite clause Anapher, vor. „Ein Beispiel gibt der Satz To understand the problem, Ms Miller needs to gather more information first. Hier wird im Nebensatz das Subjekt Ms Miller implizit mitverstanden. Das Wort To ist also ein Indiz, dass hier eine Anapher vorliegt“, erläutert Helene Schmolz.

 

Diese Form der Anapher sei bislang in der Linguistik unentdeckt geblieben und wurde somit auch in informationstechnologischen Studien nie untersucht. „Dabei kommt diese Anaphernart sogar mit Abstand am häufigsten in Hypertexten vor und spielt für den Inhalt eines Textes eine wichtige Rolle.“

 

Die anhand des Korpus selbst erstellten Regeln für die non-finite clause Anaphern wurden anschließend evaluiert und erzielten sehr gute Ergebnisse. „Einer Implementierung, beispielsweise in Text Retrieval-Systemen oder in informationstechnologischen Anwendungen, steht somit nichts mehr im Wege“, so Helene Schmolz.

 

Mit ihrer Arbeit setzt die gebürtige Schärdingerin ihre interdisziplinär geprägte akademische Laufbahn konsequent fort: Sie studierte parallel Hauptschullehramt für Englisch und Musik sowie Lehramt für Informatik in Linz, gefolgt von einem Magisterstudium mit den Fächern Englische Sprachwissenschaft, Englische Kulturwissenschaft und Informatik an der Universität Passau. Ihr Promotionsstudium an der Universität Passau, betreut vom Lehrstuhl für Englische Sprache und Kultur (Prof. Dr, Daniela Wawra) und vom Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Verteilte Systeme (Prof. Dr. Harald Kosch), schloss sie im Mai 2013 mit Auszeichnung ab.

 

Zugleich demonstriert die junge Wissenschaftlerin beispielhaft, dass sich insbesondere aus der Kooperation von Geisteswissenschaften und Informatik innovative Querschnittsthemen für die Forschung ergeben. Dieser interdisziplinäre Brückenschlag im Sinne einer „Wissenschaft für die vernetzte Gesellschaft“ ist ein Grundanliegen des Programms Technik Plus, mit dem die Universität seit 2011 ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit u.a. im Bereich Internet- und Digitalisierungskompetenz kontinuierlich ausbaut.

 

 

 

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Hinweis an die Redaktionen: Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an Helene Schmolz, helene.schmolz@uni-passau.de, oder an die Pressestelle der Universität Passau, Tel. 0851/509-1439.

Katrina Jordan | 18.03.2014

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