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Stellungnahme zur Entwicklung in der Türkei

Die Universität Passau ist Partner der Türkisch-Deutschen Universität (TDU) in Istanbul und führt dort einen Master "Interkulturelles Management" durch, der ein spezialisiertes Doppelstudium mit dem Passauer "Kulturwirt" ermöglicht. Wir sind damit von der politischen Entwicklung in der Türkei unmittelbar betroffen und beobachten diese mit großer Sorge und Betroffenheit.

Die TDU wurde als Teil der Ernst-Reuter-Initiative der Bundesregierung zur "Förderung des kulturellen Dialogs und der Verständigung" zwischen den Zivilgesellschaften Deutschlands und der Türkei eingerichtet. 2007 unterzeichnete man gemeinsam das Gründungsabkommen. Die Universität Passau gehört zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Konsortiums, das heute insgesamt 35 Mitglieder umfasst. Der Masterstudiengang "Interkulturelles Management" ist 2013 gestartet und ist damit einer der ersten Studiengänge an der TDU. Vor kurzem sind 18 neue Bewerberinnen und Bewerber aus Passau sowie aus Istanbul zur Aufnahme des Studiums ausgewählt worden.

Unser Passauer Projektleiter Prof. Dr. Ernst Struck ist derzeit in der Türkei. Er hat uns zuletzt berichtet, dass sich nach dem Putsch eines Teils des Militärs das Alltagsleben vor Ort inzwischen normalisiert, wenngleich die Suche nach den Verantwortlichen im Militär, in staatlichen Einrichtungen und im privaten Bildungssektor intensiv vorangetrieben wird. Der Betrieb an der TDU läuft inzwischen normal weiter, die dienstrechtlichen Beschränkungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort sind mittlerweile aufgehoben worden. Dies bestätigen der Rektor Prof. Dr. Halil Akkanat und der deutsche Koordinator Prof. Dr. Izzet Furgac.

In der Türkei unterstehen alle Universitäten direkt dem Türkischen Hochschulrat (YÖK). Der YÖK hat an allen Universitäten die Dekane pauschal des Amtes enthoben. Sie müssen nach einem dienstrechtlichen Verfahren neu ernannt werden, wobei die ehemaligen Dekane von den Rektoren vorgeschlagen und wieder eingesetzt werden können. Die Rektoren der 114 staatlichen Universitäten sind bis auf diejenigen vier, denen eine Mitverantwortung am Putsch vorgeworfen wird, im Amt geblieben, so auch der Rektor der TDU.

"Bildung, Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation sind auch in der Türkei die Schlüssel für eine bessere Zukunft. Es ist zu hoffen, dass diese Bemühungen unter demokratischen Bedingungen weitergeführt werden können", so Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth. In politisch schwierigen Situationen führten nicht Konfrontation und Ausgrenzung zu einem friedlichen Zusammenleben, sondern Diplomatie und Versuche zur Verständigung. So dürfe gerade der kulturelle Dialog in bilateralen Projekten, die der Zivilgesellschaft dienen, nicht abbrechen. "Es bedarf der Unterstützung derjenigen Kräfte, die sich für eine offene, demokratische und wissenschaftliche Haltung einsetzen", so die Präsidentin. "Die Kollegen und Kolleginnen an der TDU haben dies in der Zusammenarbeit beim Aufbau dieser Universität und in der Lehre unter Beweis gestellt. Ihnen gilt unsere Solidarität, den Familien und Angehörigen der Opfer des Putsches sprechen wir unser Beileid und Mitgefühl aus."

Die Universität Passau schließt sich den Aufforderungen zur Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit, den Forderungen nach Vertiefung der Demokratie und dem Bekenntnis der Wissenschaftsfreiheit an, die bereits auf höchster politischer Ebene und sowie von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) an die Türkei gegangen sind.

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Katrina Jordan | 28.07.2016

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