Fortbildung für Lehrkräfte sowie Pädagog:innen aus Bayern und Böhmen
Termin: 10. und 11.11.2022 (Donnerstag, Freitag)
Ort: Volary/Wallern, Tschechien
Teilnehmende
Anmeldung:
Organisatorisches:
Alles zum Projekt: www.denkmaldigital.de
Busabfahrt aus Deutschland: ca. 7:30 Uhr ab Passau mit weiteren Haltepunkten
Busabfahrt aus Tschechien: ca. 7:00 Uhr ab Pilsen mit weiteren Haltepunkten
09:30 Uhr Begrüßung, Kennenlernaktivitäten, Vorstellung der Teilnehmenden
10:15 Uhr Einführung in das Programm, organisatorische Fragen, Sprachanimation
10:45 Uhr Pause
11:00 Uhr Mgr. Pavla Plachá, Ph.D.: Der Todesmarsch nach Wallern: historischer Kontext und Formen des Gedenkens
11:45 Uhr Fragen zum Vortrag und Diskussion im Hinblick auf digitale Vermittlungsformen
12:30 Uhr Mittagessen, Pause
14:00 Uhr Sprachanimation und Aktivitäten in gemischten Gruppen mit dem Ziel, Spuren des Todesmarsches im heutigen Volary zu finden
16:00 Uhr Pause
16.30 Uhr Reflexion, Auswertung der vorangegangenen Aktivität
17:15 Uhr Volker Dietl: Erklärvideos und ihre Verwendung. Chancen und Hindernisse
18:00 Uhr Abendessen
19:00 Uhr Filmvorführung mit beispielhaften Erklärvideos
20:00 Uhr Ende
Anschließend: informelles Kennenlernen, Gespräche
08:00 Uhr Sprachanimation, organisatorische Hinweise, Ziele des Tages
08:30 Uhr Volker Dietl: Einführung in die Produktion von Erklärvideos
09:00 Uhr Gruppenarbeit unter fachkundiger Anleitung
09.30 Uhr Pause
09:45 Uhr Fortsetzung der Gruppenarbeit, ggf. Diskussion der Teilergebnisse
12:30 Uhr Mittagessen
13:30 Uhr Abschluss der Gruppenarbeit
14:00 Uhr Prof. Dr. Andreas Michler: Sinnvoller Einsatz digitaler Medien im Geschichtsunterricht. Vortrag und Diskussion
15:00 Uhr Abschluss, Auswertung
15:45 Uhr Ende
Rückkehr nach Passau: ca. 18:00 Uhr und Rückkehr nach Pilsen: ca. 18:30 Uhr
Die teilnehmenden Lehrkräfte und Pädagog:innen
Die Fortbildung unterstützt die Lehrkräfte dabei, die Regionalgeschichte des Grenzgebiets in ihren regulären Unterricht zu integrieren.
Während der Fortbildung erhalten die Teilnehmenden darüber hinaus die Möglichkeit, Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen aus dem Nachbarland zu knüpfen, die ggf. in Schulprojekte münden.
"Hier befindet sich die Grabstätte von 95 jüdischen Frauen. die nach einem langen Todesmarsch in der Umgebung dieser Stadt von den Faschisten umgebracht wurden"
Dieser Text befindet sich auf einem Gedenkstein/Mahnmal vor dem Aufgang zum Friedhof in Volary (deutsch: Wallern).
Er steht dort auch in den Sprachen Tschechisch, Ungarisch, Polnisch, Englisch.
In der Fortbildung gehen wir zum einen der Frage nach: Wer waren diese Frauen? Um welchen Todesmarsch handelt es sich?
Zum anderen: Inwiefern ist diese Form des Gedenkens kulturspezifisch? Welche Formen des Erinnerns an das historische Ereignis gibt es noch - evtl. an anderen Orten? Wie sieht es dort aus?
In der Fortbildung erarbeiten die Teilnehmenden in deutsch-tschechischen Teams Storyboards für eigene Erklärvideos, die sich an ihre Zielgruppe der Vermittlung richten. Sie sammeln Informationen, fotografieren, zeichnen, und erstellen gemeinsam die Basis für ein deutsch-tschechisches Erklärvideo.
"Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs 1945 räumte die SS fast alle Konzentrationslager (KZ) und die angeschlossenen Außenlager, um eine Befreiung ihrer Insassen durch die vorrückenden Alliierten zu verhindern. Die KZ-Häftlinge wurden auf Gewaltmärschen und mit Zugtransporten zunächst in Lager im Reichsinneren, später zunehmend ziellos über die Landstraßen und durch Ortschaften getrieben. Zahlreiche Gefangene starben dabei infolge von Hunger, Erschöpfung und Krankheiten oder wurden ermordet. Ihre Leichen wurden oftmals an Ort und Stelle verscharrt. Schätzungsweise bis zu 250.000 Menschen verloren bei diesen Räumungstransporten, die als Todesmärsche bekannt geworden sind, ihr Leben."
Martin Clemens Winter, Todesmärsche (1945), publiziert am 6.5.2020; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Todesmärsche_(1945)> (25.08.2022).
Der Todesmarsch nach Wallern
Seit Sommer 1944 waren in Helmbrechts im heutigen Bezirk Oberfranken ca. 600 Frauen in einem Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg untergebracht. Hier kamen Anfang März 1945 ca. 600 weibliche Häftlinge an, nachdem sie einen 570 km langen Marsch aus dem evakuierten KZ-Lager Schlesiersee im heutigen Polen hinter sich hatten. Auch das Lager Helmbrechts sollte wenige Tage später geräumt werden. Alle ca. 1150 Frauen wurden unter Aufsicht von SS-Personal (ca. 50 Frauen und Männer) zu einem gewaltvollen Marsch angetrieben, der sie ins damalige Reichsprotektorat Böhmen und Mähren führte. Unterwegs wurden viele Frauen durch die SS-Aufseher ermordet oder kamen aufgrund von Entkräftung und Krankheit um.
Nach 20 Tagen, am 3. - ggf. 4. Mai - erreichten etwa 350 Gefangene Wallern (tschechisch Volary).
Quelle: www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/volary_death_march/index.asp
Ein Teil der Frauen musste weitermarschieren. Etwa 120 Frauen wurden in einem Gebäude in Wallern eingesperrt, die hier verbliebenen SS-Wachmänner und -frauen flohen.
Am 5.5.1945 beendete die US-Amerikanische Armee in Wallern die Wehrmachts-Besetzung.
Auf einer Gedenktafel ist zu lesen: "Dne 5. kvĕtna 1945 | osvobodila americká armáda | Volary |May 5 th, 1945 | the U.S. Army liberated | Volary"
Am 6.5.1945 öffneten sie das verriegelte Gebäude und konnten viele der Befreiten vor dem nahen Tod retten.
Referent:in
Mediencoach