Passau - Dom
Im Dom St. Stephan zu Passau gibt es einen Erinnerungsort für Geistliche des Bistums, die wegen ihrer Worte und Werke gegen die Nationalsozialisten ermordet wurden. Zwei Gedenktafeln unter dem Südturm wurden im Jahr 1995 - 50 Jahre nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft - von Leopold Hafner sen. geschaffen und erinnern an acht Männer mit festem Glauben und großer Zivilcourage.
Bearbeitet von Diana Stock-Megies
Kooperator in Niederbayern
1901-1942
Der promovierte Theologe aus Ruhstorf feierte im Jahr 1927 im Passauer Dom seine Priesterweihe und wirkte anschließend in verschiedenen Gemeinden als Kooperator, zuletzt in Haus im Wald.
Mutig, offen und konsequent wehrte er sich gegen die christenfeindliche Politik des NS-Regimes.
1938 wurde er von der Gestapo verhaftet. Nach langer Untersuchungshaft und Gefängnis wurde er schließlich ins Konzentrationslager Dachau verlegt, wo er im August 1942 völlig entkräftet starb.
Pallotinerpater,
zuletzt in Wegscheid
1903–1942
Gleich nach seiner Priesterweihe 1928 ging Franz Reinisch zu den Pallotinern und wirkte für den Orden in deutschen und österreichischen Gemeinden als Seelsorger.
Er verurteilte die menschen-verachtenden Taten der Nationalsozialisten und bekam 1940 Predigt- und Redeverbot für das gesamte Deutsche Reich.
Als er nach seiner Einberufung 1942 aus Gewissensgründen den Fahneneid verweigerte, wurde er verurteilt und im August 1942 in Brandenburg-Görden hingerichtet.
Stadtpfarrer in Landau
1892–1942
Nach einer steilen Militär-Karriere im 1. Weltkrieg ließ sich Baptist Huber 1921 zum Priester weihen und wurde 1932 Stadtpfarrer in Landau.
Politisch engagiert, war er einer der entschiedensten Gegner des NS und wurde immer wieder angegriffen, angezeigt, verurteilt. In seinen Predigten erfuhren die Menschen, was in den Zeitungen nicht stand.
Er wurde verurteilt und ins KZ-Dachau gebracht. Wegen verheerender Lebensbedingungen und einer Verletzung bei der Zwangsarbeit verstarb er im September 1942.
Pfarrer von Otterskirchen
1883–1943
In der kinderreichen Familie Mitterer gab es viele Pfarrer. Ludwig Mitterer wirkte nach seiner Weihe 1909 in verschiedenen Passauer Pfarrstellen, bis er 1938 nach Otterskirchen kam.
Er stellte in seinen Ansprachen die 10 Gebote klar über die NS-Ideologie und predigte konsequent gegen die kirchenfeindliche Haltung des NS-Regimes.
Für seine Worte und Werke wurde er zum Tode verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg-Görden im November 1943 hingerichtet.
Benediktiner der Abtei Schweiklberg
1908–1944
Kurz nach seiner Priesterweihe wurde Edelfried Seibold 1940 zur Wehrmacht eingezogen.
Wegen kritischer Äußerungen über die Beschlagnahmung seiner Heimatabtei denunziert, kam er 1942 in Haft. Er zelebrierte Weihnachten 1942 für Kameraden die Mitternachtsmesse, ohne Feldgeistlicher zu sein.
Daraufhin wurde er wegen "Zersetzung der Wehrkraft" verurteilt und nach zwei Jahren Zuchthaus an die Ostfront geschickt, wo er im Mai 1944 ums Leben kam.
Benediktinerpater
in Niederalteich
1889–1945
Pater Pontiller wusste, was Krieg bedeutet – er war im 1.Weltkrieg Sanitäter. Seine Priesterweihe 1916 im Salzburger Dom war ein Lichtblick in dieser Zeit.
Seit Januar 1933 geriet er immer wieder in Konflikt mit der Gestapo, denn er verurteilte u.a. die Euthanasie- und KZ-Morde und die Verfolgung der Christen durch das NS-Regime.
1944 wurde er im Exil in Ungarn verhaftet und im Februar 1945 in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet.
Pfarrer von Hutthurm
1885–1945
Der Hutthurmer Pfarrer Johann Evangelist Winkler war entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Er verurteilte die Verschleppung und Tötung geistig Behinderter sowie die Zwangsabtreibungen an Zwangsarbeiterinnen im Hutthurmer Krankenhaus.
Als im April 1945 die Amerikaner heranrückten und die SS die Verteidigung des Ortes übernahm, wurden bei der Durchsuchung des Pfarrhofes feindliche Flaggen gefunden. Der Pfarrer wurde dafür mit dem Tode bestraft.
Administrator der Hl. Kapelle in Altötting
1876–1945
Nach seinem Antritt 1906 in Altötting machte der beliebte Geistliche Karriere und verhalf Stadtpfarrei und Wallfahrt in den 1920er Jahren zur Blüte.
Er verhielt sich während der NS-Herrschaft unauffällig, wollte jedoch am 28. April 1945, als er von der Freiheitsaktion „Fasanenjagd“ hörte, sofort die Hakenkreuzfahne gegen die Rautenfahne tauschen und die Gnadenbild-Kopie ins Rathaus zurückbringen.
Die SS richtete ihn dafür noch am selben Tag mit fünf weiteren Altöttinger Bürgern durch Genickschuss hin.
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48°34'29.3"N 13°27'53.7"E
Archive
- Archiv der Abtei Niederaltaich, Benediktinerabtei St. Mauritius, Mauritiushof 1, 94557 Niederalteich
- Archiv der Abtei Schweiklberg, Missionsbenediktinerabtei, Schweiklberg 1, 94474 Vilshofen an der Donau
- Archiv des Bistums Passau, Luragogasse 4, 94032 Passau
- Zentrales Provinzarchiv der Pallotiner, Wiesbadenerstr. 1, D-65549 Limburg/Lahn
Zu den Gedenktafeln
- Rammer Stefan: Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Dokumentation und Aspekte zur Geschichte des „Dritten Reiches“ in Passau. Schriftenreihe des Stadtarchivs Passau, Der Passauer Wolf - Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte Passaus, Hg. Brunner Max, Schaffner Richard, Band 6. Passau 1996.
Zu finden auch unter: Downloads | PASSAU, darin: - Wurster Herbert W.: Denkmal, Erinnerung, Opfer. Das Mahnmal als sinnvolles Symbol, S. 27-30.
- Rammer Stefan: Ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Chronologie von 1947 bis 1996, S. 37-44, besonders S. 42-44.
- Rammer Stefan: Nationalsozialismus in Passau. Die Inszenierung des Alltags, S. 107-136.
Zu den Geistlichen
- Über Otmar Mauerer: Niedermeier Wolfgang: Gebürtiger Ruhstorfer Dr. Ottmar Mauerer fast vergessen, in: Blickpunkt. Wissenswertes aus dem Rathaus, Ruhstorf a.d. Rott 2018, S. 17.
- Über Pater Franz Reinisch: Pater Franz Reinisch | Pallottiner
- Franz Reinischs Geschichte, Lebensbilder, Portrait: Franz Reinisch - Geschichte (franz-reinisch.org)
- Gedenkstätten für Franz Reinisch in Österreich, Deutschland, Frankreich, Tschechien, Italien: Franz Reinisch - Gedenkstätten (franz-reinisch.org)
- Biographisches zu Johann Baptist Huber: Wurster Herbert W.: Stadtpfarrer Johann Baptist Huber, in: Helmut Moll (Hg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a. 1999, 7. überarbeitete und aktualisierte Auflage 2019, 609-611: Stadtpfarrer-Johann-Baptist-Huber-Lebensbild.pdf (deutsches-martyrologium.de)
- Zu Ludwig Mitterer: Herbert W. Wurster: Pfarrer Ludwig Mitterer, in: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Band 1. Vierte, vermehrte und aktualisierte Auflage. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1999, S. 513-514.
- Alfred Schwarzmaier: Vom Altar in die Todeszelle. Das Schicksal des niederbayerischen Pfarrers Ludwig Mitterer. Hrsg. Pfarrei Otterskirchen. Cl. Attenkofer'sche Buch- und Kunstdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Straubing 2020.
- Edelfried Seibold im Benediktinerlexikon: Seibold, Edelfried – Biographia Benedictina (benediktinerlexikon.de)
- Edmund Pontiller im Benediktinerlexikon: Pontiller, Edmund – Biographia Benedictina (benediktinerlexikon.de)
- Zu Johann Evangelist Winkler: Herbert W. Wurster: Pfarrer Johann Evangelist Winkler, in: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Band 1. Vierte, vermehrte und aktualisierte Auflage. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1999, S. 514-516.
- Kurze Biographie Adalbert Vogls (von Manfred Lerch): Adalbert-Vogl-Straße - Stadt Altötting (altoetting.de)
- Zu den Opfern des 28. April 1945 in Altötting: Opfer des 28. April 1945 - Stadt Altötting (altoetting.de)
- Peter Becker über den 28. April 1945 in Altötting: https://www.altoetting.de/fileadmin/user_upload/Stadt/Buergermorde_und_Geschichte/altoetting-buergermorde-ansprache-peter-becker.pdf
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