PNP 88 / 17.4.2026, S. 10
Thomas Thois
Im Geheimfach eines gebraucht gekauften Tresors hat ein Mann aus Trostberg (Landkreis Traunstein) einen Goldbarren entdeckt – und mit seinem anständigen Verhalten große Freude bei der Familie des ehemaligen Besitzers ausgelöst.
Der eBay-Kleinanzeigenkauf – ein Tresor für 15 Euro – war ein echtes Schnäppchen, der überraschende Inhalt umso wertvoller: Beim Montieren in seinem Keller in Trostberg entdeckte Armin Irlacher am Mittwoch im Inneren des frisch erworbenen Tresors einen Goldbarren – 250 Gramm schwer, rund 32.000 Euro wert – und erwies sich als maximal ehrlicher Finder. Der 56-Jährige informierte Polizei und Verkäufer. So kehrt der Feingoldbarren nun wieder nach Kirchanschöring (Landkreis Traunstein) zurück. Dort hatte eine Familie den Tresor im Auftrag des 90 Jahre alten Großvaters verkauft, der vergessen hatte, dass er das Edelmetall darin vor langer Zeit in einem Geheimfach versteckt hatte.
250 Gramm schwer, rund 32.000 Euro wert
Schon länger auf der Suche nach einem Tresor dieser Größe, etwa einen halben Meter breit und tief, war Armin Irlacher auf die regionale Online-Verkaufsanzeige gestoßen und holte den schon in die Jahre gekommenen, aber voll funktionsfähigen Safe am Dienstag im rund 30 Kilometer entfernten Kirchanschöring ab.
Tags darauf besorgte er sich im Baumarkt Winkel und Dübel. Kurz bevor er den Tresor an die Wand schrauben wollte, entdeckte er im Inneren nicht nur ein paar leere Batterien, mit denen die Zahlenkombi-Schließvorrichtung betrieben wurde, sondern, wie er sagt, „auch noch ein in Folie eingeschweißtes Trum, das erstaunlich schwer war“.
„Erst hab’ ich gedacht, das ist so eine Art Werbegeschenk, wie man es zum Beispiel bei Firmenjubiläen bekommt“, sagt Irlacher. Aber angesichts der offiziell anmutenden Gravuren – 250 Gramm Gewichtsangabe, 999,9 Prozent Feingehalt – war schnell klar, dass es sich um einen Goldbarren handelte. Der 56-Jährige erkannte dann bei genauerer Inspektion außerdem, dass der Eigentümer händisch eine Art Geheimfach für das wertvolle Edelmetall in den Tresor gebaut hatte, „von der Rückseite her aufgeflext oder -gefeilt, wo das Gold genau reinpasst“.
Dass der in Vergessenheit geratene Barren wieder zum Vorschein gekommen ist, sei schon mehreren glücklichen Umständen zu verdanken, sieht es Armin Irlacher. „Erstmal, dass ich den alten Tresor überhaupt gekauft habe. Die Verkäufer hatten, weil es kaum Resonanz auf die Kleinanzeige gab, schon den Preis reduziert und damit spekuliert, ihn in den Sperrmüll zu geben.“
Einhändig Tresor jongliert: Gold fällt aus Versteck
Der zweite Zufall: Armin Irlacher hat nur eine Hand. Mit diesem Handicap konnte er den Tresor gar nicht richtig umgreifen und musste ihn deshalb hochkant – quasi auf den Kopf gestellt – in seinen Keller tragen. Und genau dabei dürfte der Goldbarren aus seinem Geheimfach gepurzelt sein, vermutet der Trostberger.
Irlacher ergoogelte den aktuellen Wert des kuriosen Fundstücks – rund 32.000 Euro. „Schon enorm.“ Nun könnte man meinen, dass ein Ringen folgte, wem der Goldbarren denn nun gehöre – rein rechtlich nämlich gar keine so einfache Frage. Denn dafür ist entscheidend, ob der Tresor mit Inhalt oder nur der Tresor selbst verkauft wurde, wie ein anderer Polizeisprecher kurz nach dem Fund erläutert hatte. Doch das spielte im konkreten Fall gar keine Rolle: Für Irlacher stand sofort fest, „dass mir das nicht zusteht“.
Er kontaktierte schriftlich den Verkäufer und telefonisch die Trostberger Polizei, deren Beamte bei ihm vorbeikamen und im Austausch mit den Tresorverkäufern sicherstellten, dass diese die rechtmäßigen Goldbarrenbesitzer sind und nichts Kriminelles wie etwa ein Diebstahl dahintersteckt. Auch Irlacher telefonierte nochmal mit der Kirchanschöringer Familie. „Sie haben sich tausendmal bedankt“, erzählt er. Man habe aus den Erzählungen des Großvaters zwar gewusst, dass dieser seit langem den Goldbarren besitze, und auch schon überall im Haus danach gesucht, doch weder der 90-Jährige noch die jüngeren Angehörigen hätten ihn ausfindig machen können.
Familie stellt Finderlohn in Aussicht
Dass das gute Stück all die Jahre im Inneren des Tresors schlummerte, sei für alle eine Riesenüberraschung gewesen, so Irlacher, dem die Verkäufer nun auch einen Finderlohn in Aussicht gestellt haben.
„Das ist mir aber nicht so wichtig“, sagt der ehrliche Finder. „Mich freut es, dass ich den für mich perfekten Tresor gefunden habe – für 15 Euro satt neu sicher 150 oder mehr. Auch, dass sich alle so dankbar zeigen, und das Lob der Polizei.“
Trostbergs Polizeiinspektionschef Anton Huber zollt Irlacher höchsten Respekt für seine Ehrlichkeit. „So einen Fall habe ich in 30 Jahren nicht erlebt.“ Für Armin Irlacher bleibt sein Verhalten eine Selbstverständlichkeit: „Es ist doch so“, sagt der in der IT-Branche beschäftigte Trostberger: „Wenn du dir davon irgendwas Tolles leistest, zum Beispiel ein E-Bike, dann hast du jedes Mal, wenn du es siehst oder benutzt, ein schlechtes Gewissen. Das macht dann auch nicht glücklich.“
1. Beschreibe, welche Entscheidung Armin Irlacher getroffen hat und warum sie besonders ist.
2. Setzt euch mit dem Gedanken auseinander: Ehrlichkeit lohnt sich – stimmt das immer?
3. Überlegt, welche Bedeutung Vorbilder wie Irlacher für die Gesellschaft haben. Gestaltet dazu eine Präsention oder ein Plakat