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Lang, Marita

Thema: Eigeninitiative, Glaubenszeugnis, Kirchliches Engagement

M1: PNP, 31.01.26, Nr. 25, S. 20

Pfarrgemeinderatswahlen am 1. März
Vorsitzende in Passau Altstadt Marita Lang:„Gemeinsam gestalten – gefällt mir“

PNP 25 / 31.1.2026, 20

Julia Stocker

Am 1. März werden in allen bayerischen Bistümern neue Pfarrgemeinderäte gewählt. Marita Lang (46) ist die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in der Altstadt. Im Passauer Gespräch erzählt sie, welche Aufgaben das Gremium hat, warum die Wahl wichtig ist – und weshalb Kirche für viele Menschen ein sozialer Anker sein kann.

Was ist der Pfarrgemeinderat und welche Aufgaben hat er?
Der Slogan der Wahl 2026 trifft es eigentlich ganz gut: ‚Gemeinsam gestalten – gefällt mir‘. Das heißt, der Pfarrgemeinderat ist dafür da, sich aktiv in der Pfarrei einzubringen. Es ist eine ehrenamtliche Aufgabe – man bekommt kein Geld dafür. Wir kümmern uns zum Beispiel um die Gestaltung der Kreuzweg- und der Maiandacht. Außerdem organisieren wir jedes Jahr im Juli das Pfarrfest, das bei uns in der Altstadt sehr beliebt ist. Das sind so unsere wichtigsten Aufgabengebiete.

Wie viel Mitglieder hat der Pfarrgemeinderat?
Zu unserem Pfarrverband gehören St. Nikola, St. Paul und der Dom. Es werden zwölf Gemeinderäte gewählt, aktuell kandidieren bei uns 13 Personen. Zusätzlich gibt es Mitglieder, die nicht gewählt, sondern hinzu berufen werden. Das sind zum Beispiel Vertreter aus dem Altstadtkindergarten, dem Kindergarten St. Nikola, aus dem Kloster in der Heiliggeistgasse oder die Pastoralreferenten.

Die bisherigen Pfarrgemeinderäte stehen wieder zur Wahl

Wer hat sich alles aufstellen lassen?
Bei uns steht der komplette bisherige Pfarrgemeinderat wieder zur Wahl. Außerdem haben wir drei oder vier neue Kandidatinnen und Kandidaten – das freut uns sehr.

Wer ist wahlberechtigt?
Wählen dürfen nur die, die in der bestimmten Pfarrei vermerkt sind.

Wie viele Menschen nehmen daran erfahrungsgemäß an der Wahl teil?
Leider sind es immer sehr wenige. Gewählt wird am Wochenende, und wenn es keine Briefwahl gibt, sind es meist diejenigen, die ohnehin den Gottesdienst besuchen. Manche kommen auch extra zur Wahl, aber erfahrungsgemäß stammt der Großteil aus dem Gottesdienst.

Mehr Beteiligung wäre wünschenswert

Wie viele Menschen sind wahlberechtigt?
Bei der letzten Wahl im Jahr 2022 waren 2363 Menschen wahlberechtigt.

Wie bewerten Sie die niedrige Wahlbeteiligung?
Mehr Beteiligung würden wir uns sehr wünschen. In unserer Pfarrei gibt es aber auch viele Studierende, die vermutlich nicht unbedingt zur Wahl gehen. Umso schöner wäre es natürlich, wenn sich mehr beteiligen würden.

Wie läuft die Wahl ab?
Man geht in den Gottesdienst, dort wird verkündet, dass im Anschluss gewählt wird. Hinten in der Kirche stehen dann Tische, an denen man die Stimmzettel bekommt. Man füllt sie kurz aus und wirft sie in einen Behälter. Ähnlich wie bei einer politischen Wahl muss man seinen Ausweis vorzeigen oder zumindest den Namen sagen, damit wir sicherstellen können, dass jemand wahlberechtigt ist. Es gibt aber keine Wahlkabinen und auch keinen Wahlkampf im Vorfeld.

Entscheidung liegt bei Mitgliedern der Pfarrei

Wie wird dann auf die Wahl aufmerksam gemacht?
Im Gottesdienst wird mehrfach darauf hingewiesen. Wir überlegen auch, die Kandidatinnen und Kandidaten kurz im Gottesdienst vorzustellen, damit man ein Bild von ihnen bekommt. Außerdem hängen Plakate mit Namen und Fotos aus. Ich finde es wichtig, Gesichter zu sehen und nicht nur Namen zu lesen.

Wie ist die Altersstruktur im Pfarrgemeinderat?
Der Jüngste ist 39 Jahre alt, die Älteste etwa 70. Das finde ich total spannend, weil wir viel voneinander lernen können. Wir sind eine sehr gute Gemeinschaft. Beim Pfarrfest etwa wollen die Jüngeren vieles möglichst effizient erledigen, die Älteren gehen manches gemütlicher an – da profitieren wir voneinander.

Warum sind die Wahlen wichtig?
Zunächst einmal ist es wichtig, überhaupt Menschen zu finden, die sich für den Pfarrgemeinderat aufstellen lassen. Dann ist es wichtig, dass die Pfarrmitglieder eine echte Wahl haben: ,Den wähl ich, der ist mir sympathisch, der engagiert sich‘. Dass die Entscheidung bei den Mitgliedern liegt, ist für mich das Zentrale.

Die Pfarrei als Anker für Einsame

Welche Rolle spielt die Pfarrgemeinde im gesellschaftlichen Leben?
Meiner Meinung nach spielt die Pfarrgemeinde eine sehr große Rolle. Eine Pfarrei gibt einem Sicherheit. Man kann es fast ein bisschen mit einem Anker vergleichen. Es gibt hier bestimmt viele einsame Menschen. Da bietet die Pfarrei ein unkompliziertes, niederschwelliges Angebot, sich mit anderen zu vernetzen und zu unterhalten. In der Gesellschaft ist es oft schwierig, Anhang zu finden. Auch wenn man zu einer Behörde geht, um sich Hilfe bei Einsamkeit zu suchen, ist das oft sehr anstrengend. Wir bieten da einfache Lösungen mit unseren Stehempfängen und anderen Veranstaltungen. Auch wir vom Pfarrgemeinderat gehen bei diesen Gelegenheiten auf Menschen zu und unterhalten uns mit den Menschen.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt in Ihrem Leben?
Ich bin damit aufgewachsen. Bei mir in der Familie spielte von klein auf das ehrenamtliche Engagement eine ganz große Rolle. Mein Vater war selber im Pfarrgemeinderat, meine Mutter war in der Altenhilfe tätig. Da habe ich das so mitbekommen und aus diesem Grund war es für mich selbstverständlich, dass ich mich auch engagieren möchte. Ich bin dann 2018 in den Pfarrgemeinderat eingetreten, als mich der damalige Pfarrer Rainer gefragt hat, ob ich mitmachen will.

Warum engagieren Sie sich im Pfarrgemeinderat?
Die katholische Kirche ist aktuell nur mit negativen Schlagzeilen vertreten. Ich will zeigen, dass es auch schöne Seiten gibt und dass es sich lohnt, hier mitzumachen und sich zu engagieren.

Ehrenamtliche Arbeit im Mittelpunkt

Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Die ehrenamtliche Arbeit macht mir sehr viel Freude. Anderen zu helfen tue ich auch in meinem Beruf bei der Caritas – und das gibt einem enorm viel zurück. Wenn man jemandem helfen kann, freut einen das natürlich. Außerdem macht mir das Organisieren von Veranstaltungen gemeinsam mit anderen großen Spaß.

Was sind die Aufgaben als Vorsitzende?
Ich leite gemeinsam mit Dr. Michael Bär die Sitzungen. Wir stimmen uns ab, besprechen die Tagesordnung und übernehmen repräsentative Aufgaben, etwa bei Empfängen, Jubiläen oder wenn Reden gehalten werden müssen. Das sind in etwa meine Aufgaben als Vorsitzende.

Welche Themen stehen aktuell in der Pfarrei im Mittelpunkt?
Auf jeden Fall gerade die Wahl, die Andachten, die Stehempfänge vorzubereiten. Die Fastenzeit steht an, da planen wir in Zusammenarbeit mit dem Bistum wieder wieder Vorträge aus bestimmten Ländern.

Was wünschen Sie sich für den Pfarrgemeinderat in den nächsten Jahren?
Ich wünsche mir, dass die Menschen gern zu uns in den Gottesdienst kommen und wissen, dass es dort schön ist. Wir haben einen hervorragenden Pfarrer, wunderbare Kirchenmusik und eine tolle Willkommenskultur. Jeder ist bei uns willkommen. Wir begrüßen die Menschen vor dem Gottesdienst und bei den Stehempfängen danach. Das zeichnet uns aus – genauso wie unsere stetig wachsende Kinderkirche.

Interview: Julia Stocker

M2: Bild von Marita Lang

M3: Didaktische Impulse

1. Lies den Text aufmerksam und fasse die Aufgaben des Pfarrgemeinderats in eigenen Worten zusammen.

2. Arbeite heraus, warum Marita Lang sich ehrenamtlich engagiert.

3. Tauscht euch aus: Kann Kirche heute noch ein „sozialer Anker“ sein?

4. Gestaltet ein Plakat oder einen Social-Media-Post zum Thema „Warum Engagement zählt“

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