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Nowecki, Leonie

Thema: Ehrenamt, Eine Welt, Freiwilligen­dienst, Jugend,

M1: PNP, Nr. 294, 20.12.2025, S. 37

Ein Jahr in Westafrika: 20-jährige Tiefenbacherin macht freiwilliges Jahr in Benin

Leonie Nowecki (20) macht ein freiwilliges Jahr in der westafrikanischen Großstadt Cotonou im Benin“

Paulina Schick

Der Lärm von fünf Sportklassen, die im Schulhof Sport machen, dringt durch Leonie Noweckis Fenster. Wobei, Fenster ist zu viel gesagt: „Hier gibt es nur Lamellen vor den Fensteröffnungen und keine richtigen Fenster, man kann sich nicht abschotten. Es fühlt sich ein bisschen an wie im Freibad“, lacht sie. „Hier“ ist im westafrikanischen Benin, in Cotonou. Dort macht die 20-jährige Abiturienten aus Tiefenbach (Landkreis Passau) ein Jahr lang einen Freiwilligendienst.

Alles beginnt mit einem Vortrag. „Ich fand Psychologie als Studium ganz interessant, wusste aber noch nicht so richtig, wo und ob ich das wirklich machen will“, erzählt die 20-Jährige. „Dann bin ich auf einen Vortrag gestoßen, den meine Oberstufenkoordinatorin mir geschickt hat. Eine ehemalige Schülerin hat darin von ihrer Zeit als Freiwillige im Benin erzählt, in genau der Einrichtung, in der ich jetzt bin. Alles, was sie erzählt hat, hat mir so gut gefallen, dass ich mich weiter darüber informiert habe.“ Schon lange habe sie mit dem Gedanken gespielt, ein Auslandsjahr zu machen und mit Vertrauten darüber gesprochen. „Die Rückmeldung war dann häufig: „Wenn nicht nach dem Abitur, wann dann.“ Der Vortrag war dann für mich mein Zeichen, es zu wagen“, fährt sie fort.

Sie will nach Afrika und mit Kindern arbeiten

Von Anfang an hat sie das Gefühl, dass die Entscheidung und die Organisation, Don Bosco Volunteers der Salesianer Don Boscos, genau richtig ist. So berichtet sie: „Ein Punkt war auch, dass bei Don Boscos die Freiwilligen jeweils zu zweit für die Projekte eingesetzt werden.“ So habe sie sich auch nur bei dieser Organisation beworben. Im Bewerbungsprozess muss sie unter anderem die Fragen beantworten, mit welcher Altersgruppe sie arbeiten und wohin sie will.

Für sie ist klar: Sie will nach Afrika und mit Kindern arbeiten. Und: Das Land soll französischsprachig sein, denn ihre Oma mütterlicherseits ist Französin und die Familie sehr frankophil. „Ich wollte die Menschen dort erleben“, erklärt Leonie Nowecki, „Mich fasziniert es, gerade bei den Kindern, wie fröhlich die Menschen sind, wie viel Lebensfreude sie versprühen – obwohl sie mit wenig leben müssen.“

Für die Vor- und Nachbereitung muss Leonie insgesamt drei Seminare im Vorfeld, eins in der Zeit und eins nach dem Jahr absolvieren. Alle Freiwilligen treffen sich dann in Benediktbeuern für verlängerte Wochenenden, um konkret zu lernen, wie man mit schwierigen Situationen und der neuen Kultur umgeht – und um sich untereinander kennenzulernen. Der Plan geht auf: „Wir haben uns nur ein paar Tage gesehen, aber gefühlt kennen wir uns viel länger. Es war eine echt tolle Zeit“, schwärmt sie.

Mittlerweile ist klar, wo sie eingesetzt wird: in Cotonou. Bei der Auswahl des Einsatzortes zählt vor allem das Projekt, nicht das Land. Sie hätte auch an der Elfenbeinküste oder in Togo landen können. Ein Grund, warum es Benin wurde, sind die Neuwahlen während des Aufenthaltszeitraums: Die vergangenen Regierungswechsel waren im Benin friedlicher als an der Elfenbeinküste.

Dann ist der Abflugtag da. „Am Abflugstag und am Vortag war ich schon aufgeregt. Meine Lieben lange nicht mehr zu sehen, wurde realer. Und ich hatte Stress wegen Umsteigen, ob ich schnell genug den Anschlussflug erreiche“, gibt sie zu. Aber: Alles ist gut gelaufen.

Beim Umstieg in Brüssel trifft sie Maria Nowak, die zweite Freiwillige, die mit ihr eingesetzt wird. Vorher hätten sie gar nicht so viel miteinander zu tun gehabt, erzählt Leonie Nowecki: „Aber wir verstehen uns echt gut.“ Das ist auch wichtig, denn der Austausch zwischen den beiden sei sehr wichtig und sie teilen sich ein Zimmer – für Leonie Nowecki als Einzelkind ist das eine große Umstellung.

Sie wohnen auf dem Gelände der Don Bosco Schwestern. Es liegt an einem großen See, zwischen den Slums und dem touristischen, reicheren Viertel am Meer. Es ist geschützter als die Slums mit ihren Müllbergen, aber Teerstraßen wie am Strand gibt es dort nicht.

Die Arbeit beginnt erst nach zwei Wochen, sodass die beiden zunächst auf Zems, eine Art Motorradtaxi, die Stadt entdecken können. Das Highlight für die beiden: der Markt. „Er ist riesig und gehört zu den größten Märkten in Westafrika. Dementsprechend viel Gewusel gibt es, was teilweise reizüberflutend ist“, erzählt sie, „aber mittlerweile kaufen wir oft Streetfood, das Frauen an jeder Ecke kochen. Wir gehen dann nur noch zu unseren Lieblingsständen für neue Erfahrungen, nicht mehr für den Wocheneinkauf.“

Bei aller Abenteuerlust kann die 20-Jährige kaum erwarten, mit der Arbeit anzufangen: „Man erregt als Weiße, oder Yovo, wie man hier sagt, sobald man unterwegs ist, immer Aufmerksamkeit. Gerade am Anfang dachte ich dann schon öfter mal, ‘okay, gehe ich lieber nicht raus, wenn alle Augen auf mich gerichtet sind’ – was schade ist. Für die Arbeit muss ich dann raus.“

In fünf Projekten wird sie eingesetzt: Zwei, eine Schule und ein Freizeit- und Hausaufgabenprojekt für Waisen und Kinder, deren Eltern sich nicht kümmern können, befinden sich auf dem Gelände. Außerdem arbeitet sie in einer Vorschule in den Slums und die anderen beiden – ihre Lieblingsprojekte – sind direkt auf dem Markt. „Bei beiden Projekten werden junge Mädchen gestärkt. Die, die auf dem Markt arbeiten müssen, dürfen bei uns einfach nur basteln und spielen, Kind sein. Beim anderen bieten wir jungen Müttern eine Ausbildung an und betreuen ihre Kinder in der Zeit“, erzählt Leonie Nowecki.

Nebeneinander von Luxus und Armut

Vor ihrer Zeit im Benin habe sie nur ein wenig Nachhilfe gegeben. „Ich habe mir schon Druck gemacht, wie ich mich als Freiwillige zu verhalten habe“, offenbart sie, „Aber vom ersten Moment an sind die Kinder auf mich zugestürmt, haben mich umarmt und alle Anspannung war vergessen. Sie lassen einen die Zeit vergessen und sind ein ziemlich gutes Gegenmittel für Heimweh.“ Ist das Heimweh dann doch zu groß, telefoniert sie mehrmals die Woche mit ihren Eltern, die sie von Anfang an unterstützt haben.

Für sie sei die größte Herausforderung das Nebeneinander von Luxus und Armut. Sie erzählt: „Ich hätte vorher nicht gedacht, wie privilegiert ich hier wohnen werde. Wenn bei uns der Strom abgestellt wird, haben wir immer noch einen Generator und fließendes Wasser. Eine einheimische Freundin von mir lebt zu siebt in einer Wohnung mit zwei Schlafzimmern, eines davon ist zeitgleich das Esszimmer. Wenn sie kein Gas oder Strom hat, muss sie draußen mit Kohle kochen und fließendes Wasser ist auch eher selten. Und das ist Standard. Es ist auch herausfordernd, nicht als Person, sondern nur als reiche Weiße und potenzielle Geldgeberin gesehen zu werden. Das führt dann schon zu schwierigen Situationen, weil ich es ihnen natürlich nicht geben kann. Ich erkläre es ihnen dann immer und versuche, durch Zeit ihnen was von mir zu geben. Aber ich kann es ihnen nicht verübeln.“

Stattdessen konzentriere sie sich viel mehr auf die Lebensfreude der Beniner: „Aus dem Nichts hört man Getrommel, und sei es nur eine Blechdose. Die Leute fangen an zu singen und zu tanzen - einfach so, ohne Planung.“

Was sie danach machen will, weiß sie noch nicht – auf ihrem Blog kann man ihre Reise verfolgen: blogs.donboscovolunteers.de/leonews-aus-benin/author/leonews-aus-benin/

M2: Bilder aus Benin

M3: Didaktische Impulse

1. Lies den Text und halte fest, warum Leonie sich für ein freiwilliges Jahr im Ausland entschieden hat.

2. Diskutiert, welche Herausforderungen ein Freiwilligendienst in einem anderen Kulturkreis mit sich bringen kann.

3. Stellt euch vor, ihr würdet selbst ein Jahr im Ausland verbringen: Welche Hoffnungen, Sorgen oder Erwartungen hättet ihr?

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