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DAAD-Sommerseminar 2026

Separatismus oder Autonomie? - Abspaltungsbewegungen in Europa im Vergleich

Seminarinhalte

Der akademische Zugang zur Thematik soll im Rahmen von Blockseminaren unter Leitung von Fachexperten und Fachexpertinnen ermöglicht werden. Den Teilnehmenden wird überdies eine direkte und aktive Mitgestaltung der Blockseminare in Form von eigenen Kurzvorträgen und Diskussionsbeiträgen mit Einbezug ihrer persönlichen und fachlichen Erfahrungen ermöglicht. Öffentliche Vorträge externer Experten und Expertinnen runden das Programm ab.

1. öffentlicher Vortrag

"Aus Tränen baut man keinen Turm!": Irredenta und Unabhängigkeitsbestrebungen im (post)sowjetischen Südkaukasus.

Termin: Dienstag, 05. Mai 2026, 18:00 Uhr

Ort: Nikolakloster (NK) 403, Universität Passau

Referentin: Tessa Hofmann, Prof. h.c. Dr. phil., Philologin (Slawistik, Armenologie) und Soziologin (Migrations- und Genozidforschung); Sachbuchautorin mit Schwerpunkt Südkaukasus und Naher Osten; ehrenamtliche Menschenrechtlerin

Person: Prof. Dr. Tessa Hofmann ist eine weltweit renommierte Genozidforscherin, Soziologin, Menschenrechtsaktivistin und Autorin. Nach ihrer Promotion an der Freien Universität Berlin im Jahr 1982 arbeitete sie von 1983 bis 2015 am Osteuropa-Institut der FU Berlin - weitere Infos: https://www.oei.fu-berlin.de/institut/ankuendigungen/2025_10_27_Tessa-Hofmann.html

Inhalt: "Der Vortrag erläutert zunächst die sowjetische Administrativ- und Nationalitätenpolitik im Südkaukasus an den Beispielen Abchasiens, Südossetien und Berg-Karabachs. Aus Sicht des doppelt betroffenen Georgien wurde sie von dem imperialen Grundsatz „Teile und herrsche!“ bestimmt, aus Sicht der betroffenen Volksgruppen – Abchasen, (Süd)Osseten und Karabach-Armenier – durch die Verletzung des nationalen Selbstbestimmungsrechts. Letzteres sowie das Sezessionsrecht und der Grundsatz der territorialen Integrität waren in allen sowjetischen Verfassungen (1918 bzw. 1924, 1936, 1977) verankert, bildeten jedoch in der spät- und postsowjetischen Realität unvereinbare völkerrechtliche Grundsätze.

Die Unabhängigkeits- und irredentistischen Bestrebungen der an der Grenze zur Russländischen Föderation gelegenen Gebiete Abchasien und Südossetien fanden die wirtschaftliche und militärische Unterstützung Russlands, so dass sie sich seit den 1990er Jahren der Kontrolle Georgiens entziehen konnten. Im Konflikt zwischen Aserbaidschan und der irredentistischen Bewegung Berg-Karabachs sowie der Republik Armenien verhielt sich Russland jedoch passiv bzw. enttäuschte armenische Hoffnungen, nicht zuletzt wohl aus energiewirtschaftlichen Erwägungen und in Ablehnung des prowestlichen Kurses der derzeitigen armenischen Regierung. Die aserbaidschanische Hungerblockade und Deportation der armenischen Bevölkerung 2023 wurden von internationalen und nationalen Menschenrechtsorganisationen als Genozid eingestuft.

Im dritten Teil des Vortrags geht es um die Inkonsistenzen des Völkerrechts im Hinblick auf Separatismus und Irredentismus. An den europäischen Beispielen Kosovo, Katalonien und Schottland wird die uneinheitliche Zustimmung bzw. Ablehnung dieser Separatismen erläutert und nach den jeweiligen Motiven gefragt. In der abschließenden Diskussion gehen wir von der Behauptung des Politologen Stephen Krasner aus; er spricht von „organisierter Heuchelei“: Staaten bekennen sich zu völkerrechtlichen Normen, wenden sie aber höchst selektiv an." *

2. öffentlicher Vortrag

Oberschlesische Bewegungen - Ideen einer territorialen und kulturellen Autonomie

Termin: Donnerstag, 07. Mai 2026, 18:00 Uhr

Ort: Nikolakloster (NK) 403, Universität Passau

Referent: Jerzy Gorzelik, Dr. habil., Associate Professor, Uniwersytet Śląski w Katowicach

Person: Professor für Kunstgeschichte an der Schlesischen Universität in Kattowitz; Forschungsschwerpunkte: Zusammenhang zwischen Kunst, Kunstgeschichtsschreibung, Kulturerbe und modernen Gruppenidentitäten. Vorsitzender der Bewegung für Autonomie Schlesiens, ehemaliger Abgeordneter der Regionalversammlung der Woiwodschaft Schlesien und Mitglied des Woiwodschaftsvorstandes.

Inhalt: "In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine moderne oberschlesische Identität, die ihren Platz zwischen dem deutschen und dem polnischen Nationalismus fand. Nach dem Ersten Weltkrieg, als eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit der Region entscheiden sollte, haben Berlin und Warschau Zugeständnisse zugunsten der sich emanzipierenden Bevölkerung gemacht. Diese wurden später von Nationalsozialisten und Kommunisten abgeschafft. Wie orientiert sich die nach der Wende entstandene Autonomiebewegung an diesen Traditionen? Welche Ziele wurden vorgesetzt, wie effektiv und mit welchen Mitteln werden sie angestrebt?" *

* Die mit Asterisk gekennzeichneten Inhalte wurden von den Referierenden bereitgestellt.

Organisation und Förderung

Das DAAD-Sommerseminar wird durch die Initiative Perspektive Osteuropa am Lehrstuhl für Neuere und Neuste Geschichte Osteuropas und seiner Kulturen (Prof. Dr. Thomas Wünsch) organisiert und durch den DAAD im Rahmen des DAAD-Alumni-Programms aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA) gefördert.

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