Berufseinblicke sammeln und hinaus in die Welt – ein Traum entsteht
Die Idee, nach Studienabschluss ein Auslandspraktikum zu absolvieren
Nachdem ich im Dezember 2026 mein Grundschullehramtsstudium an der Universität Passau abgeschlossen habe, zog es mich hinaus in die Welt. Nach den Monaten des Lernens für die Examensprüfungen und den überwiegend theoretischen Veranstaltungen im Studium drängte es mich, mein erlerntes Wissen mit Praxis-Erfahrungen anzureichern und zu erleben, wie all die Konzepte und Theorien im pädagogischen Schulalltag umgesetzt werden können. Durch diverse im Modulkatalog verankerte Praktika durfte ich bereits während meiner Zeit an der Uni Passau Einblicke in verschiedene hessische bzw. bayerische Schulen erhalten, sodass der Wunsch nach mehr Praxiserfahrung zusammen mit der Sehnsucht nach der Welt und meiner Neugierde auf andere Schulsysteme mich über die Ländergrenzen hinausblicken ließ.
Schon bald entstand der Wunsch, eine Zeit lang in Schweden zu leben.
Spätestens seit der PISA-Studie 2001 werden Skandinavische Schulsysteme im pädagogischen Diskurs immer wieder als Vorzeigebeispiel angeführt und wurden auch in meiner Studienzeit immer wieder als Referenzrahmen herangezogen. Neben der studiengangsspezifischen Neugierde auf den Schulalltag und die pädagogisch-didaktische Herangehensweise an einer schwedischen Schule begeistert mich das Land mit seiner unendlichen Natur, den schimmernden Fjorden und dunklen Wäldern, den wilden Küsten und glasklaren Seen, den lieblichen Kulturlandschaften im Süden und schneebedeckten Bergen im Norden auch als solches, seit ich es zum ersten Mal als Kind mit meiner Familie bereisen durfte.
Aus Träumen werden Pläne
Organisation meines Auslandaufenthaltes
Nach dem der Wunsch ins Ausland zu gehen in mir heranreifte, bewarb ich mich im Vorfeld meines bevorstehenden Studienabschlusses an verschiedenen Grundschulen in Stockholm mit einem Initiativanschreiben. Anfangs mehr als hoffnungsvoller Traum, welcher dann mit der herzlichen Antwort der International School of Kungsholmen schnell von einer Idee zu einem konkreten Plan wurde. Mit der Zusage eines Praktikumsplatzes begann für mich die Suche nach einer Wohnung in Stockholm, die Organisation der Reise und auch die Gedanken um die Finanzierung meiner Zeit in Schweden.
Die Wohnungssuche stellte sich anfangs herausfordernder dar als gedacht, doch nach der Absage meines ursprünglich gemieteten Zimmers zwei Tage vor meiner Ankunft in Stockholm und ein paar Nächten zur Überbrückung in einem Hostel fand ich schnell ein gemütliches Zimmer in einer kleinen, gut angebundenen Haus-WG zwischen Stadt, Wäldern und Fjorden, in der ich mich bald zu Hause fühlte.
Bereits im Vorfeld fühlte ich mich durch den regelmäßigen Austausch mit der Schul-Managerin Melissa Brice gut aufgehoben, die während meiner Zeit vor Ort zur großen Stütze für mich wurde und mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand.
Auch von Seiten der Universität Passau erfuhr ich von Anfang an große Unterstützung, sobald ich begann, konkrete Pläne zu fassen. Die vielen wohlgesinnten Ansprechpersonen halfen mir gerade in der Anfangsphase der Planung sehr, mich zu orientieren und erste Schritte zu ergreifen. Frau Dr. Plank half mir als Ansprechpartnerin für die Internationalisierung der Lehrer*innen-Bildung von Anfang an, ein passendes Unterstützungsprogramm zu finden, um meine Zeit im Ausland zu finanzieren. Sie antwortete mir geduldig auf jede Frage und ermutigte mich, mich trotz meiner Bewerbung kurz vor knapp um eine Unterstützung durch Erasmus+ zu bemühen.
Leben in einer im Eis erstarrten Stadt
Meine Erfahrungen und der Alltag vor Ort
Meine Zeit an der International School of Kungsholmen begann an einem eisigen Tag im Januar bei minus 15 Grad in einer im Eis erstarrten Stadt und war geprägt von Spontanität und sowie dem Gefühl, schnell fester Teil der Schulgemeinschaft zu sein. Nachdem ich gleich am ersten Tag herzlich von dem kleinen Kollegium willkommen geheißen wurde und gleich zu Beginn an einer fest im Plan der Schulentwicklung verankerten Fortbildung teilnehmen durfte, erarbeitete meine Ansprechpartnerin gemeinsam mit mir einen Plan für die folgenden Wochen, um mir möglichst viele Einblicke und Erfahrungen zu gewähren.
Ich besuchte jede der sechs unteren Jahrgangsstufen für je eine Woche und lernte so schnell den Großteil der Schüler*innen kennen. Tagesabhängig durfte ich nach der Anfangsphase in der Nachmittagsbetreuung aushelfen oder im Krankheitsfall für eine Lehrkraft einspringen, in Kunststunden hospitieren, dem Anfangsunterricht der „Early Years“ beiwohnen, Schulausflüge begleiten oder Projekte im Sachunterricht mit den Schüler*innen der zweiten Klasse erarbeiten. Durch das Ganztagskonzept der Schule, dem obligatorischen gemeinsamen Mittagessen und den Frühstückspausen mit den Kindern sowie den draußen auf dem verschneiten Innenhof der Schule in der Wintersonne verbrachten bzw. den kleinen Kaffeepausen im gemütlichen Lehrerzimmer wuchs ich schnell in die vertraute, familiäre Atmosphäre der Schulfamilie hinein. Für mich war es wahnsinnig spannend, didaktische Konzepte wie wirklich offenen Unterricht oder auch jahrgangsübergreifende Projekte in der Umsetzung erleben zu dürfen und dabei auch zu erfahren, an welchen diese theoretisch so wohl durchdachten Konzepte in der Praxis an ihre Grenzen stoßen, wie Lehrkräfte mit herausfordernden Situationen umgehen und welche Ansätze sich im Schulalltag bewähren, den Kindern Freude machen und Sicherheit bieten sowie eine fordernde, anregende Lernumgebung ermöglichen.
Durch den vertrauten Anker der Schule wurde mir auch Stockholm schnell zu einem Zuhause und ich begann, mich im Alltag zurechtzufinden. Ich liebte das frühe Joggen auf den vereisten Wegen entlang des Fjordes vor unserer Haustür, den Weg mit der U-Bahn hinein in die Stadt, den Duft nach Kaffee, Hefegebäck und Zimt in den verschneiten Gassen der Altstadt, die auf Schlittschuhen übers Eis zur Arbeit flitzenden Pendler, das Gewusel und aufgedrehte Lachen der mir inzwischen so vertrauten Kinder in der Schule, Stunden des gemeinsamen Vorlesens und Spielens nach dem Unterricht, mein Heimweg im Licht der untergehenden Sonne durch den Winterwald am Wasser entlang, Kochabende in der WG und all die verschiedenen Lebensgeschichten und Hintergründe meiner Mitbewohnerinnen sowie Wochenendausflüge zum Schlittschuhlaufen, Kaffeetrinken und Bummel oder mit dem Schiff hinaus in den Schärengarten… Meine Zeit in Stockholm wird immer eine ganz besondere Erinnerung für mich bleiben.
Ein großes Dankeschön!
Eine Zeit, die herausfordernd war, aber auch wunderschön. In der ich wahnsinnig viel Wissen und Erfahrungen sammeln durfte und in der ich so vieles über meinen späteren Beruf aber auch über die Welt, uns Menschen als Gemeinschaft und mich selbst gelernt habe. Ich würde diese Zeit um nichts missen wollen und bin unendlich dankbar, dass ich durch die Unterstützung von Erasmus+ die Möglichkeit hatte, aus einem Traum eine unvergessliche Erinnerung werden zu lassen.