Das Pflichtpraktikum für meinen Masterstudiengang Geographie: Kultur, Umwelt und Tourismus absolvierte ich in der Auslandsvertretung Dänemark der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) in Kopenhagen. Vorgesehen ist ein einmonatiges Auslandspraktikum, doch da ich den Alltag vor Ort intensiver erleben und die Kultur besser kennenlernen wollte, suchte ich gezielt nach längeren Praktikumszeiträumen. Die DZT war mir bereits bekannt, und ich fand die Ausschreibung für meine Praktikumsstelle über ihre Website. Da die Anforderungen und Einsatzbereiche je nach Auslandsvertretung variieren, bewarb ich mich in Mailand, Wien und Kopenhagen. Etwa zehn Monate vor Praktikumsbeginn schickte ich meine Unterlagen ab, wobei einige Stellen zu diesem Zeitpunkt bereits vergeben waren. Daher kann ich nur empfehlen, sich frühzeitig auf die sehr gefragten Plätze zu bewerben. Der Bewerbungsprozess in Kopenhagen verlief äußerst unkompliziert. Nach einem freundlichen Gespräch mit dem Trade-Manager, in dessen Bereich ich später tätig sein sollte, erhielt ich direkt im Anschluss die Zusage für ein sechsmonatiges Praktikum.
Während sich die Praktikumsstelle sehr schnell ergab, bereitete mir der Kopenhagener Wohnungsmarkt deutlich mehr Schwierigkeiten. Mein WG-Zimmer fand ich letztlich erst vor Ort, nachdem ich einige Tage im Hostel verbracht hatte. Die Wohnungsvermittlung läuft größtenteils über Facebook, wo man allerdings auf zahlreiche Scams trifft. Ohne die Wohnung vorher besichtigt zu haben, sollte man daher kein Geld überweisen. Da die Kündigungsfrist in Dänemark nur einen Monat beträgt, werden Wohnungen oft erst kurzfristig ausgeschrieben, was die Suche zwar erschwert, aber auch spontane Funde ermöglicht. Im Nachhinein erfuhr ich zudem, dass viele Wohnheime auch Studierende aufnehmen, die an ausländischen Universitäten eingeschrieben sind, selbst wenn die Websites der Wohnheime etwas anderes sagen. Abgesehen von der Wohnungssuche musste ich im Vorfeld einige Dokumente vorbereiten, da man sich in Dänemark offiziell anmelden muss, wenn man dort länger als drei Monate lebt. Dabei unterstützte mich die Office Managerin des Büros sehr. Die Anmeldung lohnt sich definitiv, da man dadurch ohne zusätzliche Kosten krankenversichert ist und eine Identifikationsnummer (CPR) sowie eine digitale ID (MitID) erhält, was beides unerlässlich für fast alle Anmeldungen und Formalitäten im Land ist.
Die DZT ist die offizielle international ausgerichtete Tourismusorganisation Deutschlands mit Sitz in Frankfurt am Main und im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie weltweit für das Destinationsmarketing des Reiselandes Deutschland verantwortlich. Sie ist in Regionalmanagements und Auslandsvertretungen organisiert, die auf unterschiedlichen internationalen Märkten agieren. In Kopenhagen war ich überwiegend im Bereich Trade tätig. Zehn Mitarbeitende, inklusive zweier Praktikantinnen, arbeiten dort in den Abteilungen Trade, Marketing, Presse und Social Media. Da viele Projekte bereichsübergreifend koordiniert werden, erhielt ich gelegentlich auch Aufgaben aus anderen Teams.
Die Trade-Abteilung verantwortet das B2B-Marketing mit dänischen Reiseveranstaltern sowie deutschen Partnern wie Tourismusdestinationen und Hotelketten. Sie organisiert ganzjährig Veranstaltungen, um beide Seiten miteinander zu vernetzen und die touristischen Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland zu stärken. Zu meinen Aufgaben gehörten die Unterstützung bei der Planung und Durchführung der Events, das Teilnehmermanagement, Buchungen sowie Recherchearbeiten. Außerdem pflegte ich Key-Account-Management-Listen, erstellte Präsentationen und übernahm administrative Aufgaben. Besonders spannend fand ich die Standortbesichtigungen für kommende Veranstaltungen. Wenn ein Event in die Zeit des Praktikums fiel, nahm ich auch an diesem Teil und unterstützte die KollegInnen bei der Durchführung. So konnte ich die Messe Ferie for Alle 2025 in Herning, einen Frühjahrsempfang der Deutsch-Dänischen Handelskammer in der Deutschen Botschaft in Kopenhagen, ein Presseevent im Hans Christian Andersen-Haus in Odense und ein Event in Kooperation mit Visit auf der Rooftop-Farm ØsterGRO mitten in Kopenhagen begleiten.
Von Anfang an habe ich mich im Team willkommen und integriert gefühlt. Etwa die Hälfte der KollegInnen kam aus Dänemark, aber alle sprachen fließend Deutsch. Alle waren sehr freundlich und zeigten Interesse und Hilfsbereitschaft, sowohl beruflich als auch privat. Die Hierarchien waren sehr flach, sodass mein Feedback und meine Meinung jederzeit gefragt waren. Die Arbeit war geprägt von Vertrauen, wenig Kontrolle und viel Eigenverantwortung, was auch uns Praktikantinnen spürbar zugutekam.
Die internationale Ausrichtung des Praktikums ermöglichte mir wertvolle Erfahrungen im interkulturellen Arbeiten, insbesondere in der Zusammenarbeit mit dänischen und deutschen Partnern. Dabei wurde mir bewusst, wie unterschiedlich Arbeitskulturen sein können; die deutlich flacheren Hierarchien in Dänemark empfand ich als besonders angenehm, weil sie ein starkes Gefühl der Gleichwertigkeit vermitteln. Gleichzeitig konnte ich mein Wissen im Key-Account-Management und der Marktrecherche vertiefen, was mir half, langfristige Geschäftsbeziehungen und Markttrends besser zu verstehen. Bereichernd war zudem der Ausbau meines beruflichen Netzwerks in der Tourismusbranche. Mit Blick auf mein Masterstudium in Geographie: Kultur, Umwelt und Tourismus und meinen Bachelor in Kulturwirtschaft bot mir das Praktikum eine ideale Verbindung aller Studienschwerpunkte. Die Theorie aus meinem Studium konnte ich endlich in der Praxis anwenden und mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln.
Rückblickend kann ich das Praktikum uneingeschränkt weiterempfehlen und bin sehr dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich sammeln konnte. Auch Kopenhagen könnte ich mir als langfristigen Wohnort gut vorstellen, die Lebensqualität ist tatsächlich so hoch, wie oft beschrieben. Die Stadt ist groß genug, um alles zu bieten, was man braucht, bleibt dabei aber so überschaubar, dass man nahezu überall bequem mit dem Fahrrad hinkommt. Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Möglichkeiten, Zeit im Freien zu verbringen: viele Parks mit Aktivitäten, unzählige Outdoor-Veranstaltungen, überall Wasserzugang sowie unzählige gemütliche Cafés und Bars. Sehr glücklich bin ich darüber, in Kopenhagen Freundschaften geknüpft zu haben, sodass ich nun immer einen Anlaufpunkt in der Stadt habe.