Rawan „Ronnie“ Darwish, Absolvent des Studiengangs Medien und Kommunikation der Universität Passau, gab im Rahmen der Reihe „Berufe im Profil“ einen sehr persönlichen Einblick in seinen Weg in die Medienbranche. Der Vortrag zeigte nicht nur, welche fachlichen Kompetenzen für die Arbeit als Film- und Medienmacher wichtig sind, sondern auch, wie viel Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und Offenheit ein beruflicher Neuanfang verlangen kann.
Zu Beginn führte Darwish die Zuhörenden nach Aleppo, das er als wichtigen Teil seiner Identität beschrieb. Revolution, Krieg und Flucht prägten seine Jugend; 2015 kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Passau wurde für ihn zu einem Ort des Neustarts, zunächst ohne klaren Plan, aber mit dem Wunsch, seine akademische Laufbahn fortzusetzen. Über ein Refugee-Programm fand er den Weg an die Universität, lernte Deutsch und nahm später das Studium der Medien und Kommunikation auf.
Besonders eindrücklich war, wie offen Darwish über die Anfangszeit sprach. Die Sprache sei eine große Herausforderung gewesen, gleichzeitig habe er an der Universität viel Unterstützung erfahren. Respekt, Hilfsbereitschaft und Entgegenkommen hätten ihm geholfen, wieder im akademischen Alltag anzukommen. Während des Studiums sammelte er erste praktische Erfahrungen, unter anderem als studentische Hilfskraft im International Office sowie in der Film-, Schnitt- und Medienproduktion.
Nach dem Abschluss zog Darwish nach Frankfurt am Main. Dort begann die nächste Phase erneut mit Unsicherheit: neue Stadt, kaum Netzwerk, kein direkter Einstieg. Die erste große Chance erhielt er als Freelancer bei Amal News, einer Nachrichtenplattform für Menschen aus dem arabischen Raum in Deutschland. Dort produzierte er Reportagen, arbeitete mehrsprachig und eignete sich vieles direkt in der Praxis an. „Lernen durch Machen“ wurde zu einem Leitmotiv seines beruflichen Weges. Mittlerweile ist er festangestellter Videoredakteur bei Amal News.
Seit 2023 arbeitet Darwish zudem freiberuflich unter Darwish Productions. Seine Projekte reichen von journalistischen Beiträgen über Social-Media-Formate bis hin zu Filmproduktionen. Dabei kooperiert er mit Medienhäusern, Institutionen und Organisationen, darunter der Hessische Rundfunk, der Südwestrundfunk und die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. In Formaten wie „Meine Geschichte“ porträtiert er Menschen, die sich in Deutschland beruflich und persönlich etwas aufgebaut haben.
Darwish machte deutlich, dass sein Beruf weit mehr erfordert als Kreativität. Fachwissen, tech-
nisches Verständnis, Organisationstalent und die Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden,
seien ebenso wichtig wie Kommunikationsfähigkeit und professioneller Umgang mit Kundinnen
und Kunden. Besonders schätzt er die Abwechslung, die Flexibilität und den Kontakt mit sehr unterschiedlichen Menschen.
Zum Abschluss gab er den Studierenden konkrete Ratschläge mit. Niemand warte darauf, einem eine Chance zu geben, sondern man müsse selbst aktiv werden, Entscheidungen treffen und prä sent sein. Es sei wichtig sich ein Netzwerk aufzubauen, besonders in der Medienbranche. Gerade dort seien auch soziale Kompetenzen und echtes Interesse an anderen entscheidend.
Der Vortrag bot damit nicht nur einen Einblick in mögliche Berufsfelder für Studierende der Me-
dien- und Kommunikationswissenschaft, sondern auch eine persönliche Geschichte über Neu-
anfang, Mut und berufliche Selbstbestimmung. Darwishs Weg machte deutlich, dass Karrieren
selten geradlinig verlaufen, sondern dass gerade Umwege prägend sein können.