Das KI-Portal TRIA der Universität Passau unterscheidet sich grundlegend von bekannten KI-Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Microsoft Copilot. Während diese vor allem einzelne Nutzerinnen und Nutzer unterstützen, richtet sich TRIA an Organisationen. Dabei schafft die Plattform die Voraussetzungen für einen sicheren Arbeits- und Wissensraum, in dem Hochschulen, aber auch Unternehmen und öffentliche Verwaltungen ihre Informationen, Prozesse und KI-Anwendungen bündeln und eigenständig weiterentwickeln können. Auch wenn TRIA zunächst im Hochschulkontext entwickelt wurde, reicht der Ansatz somit deutlich weiter. Die Plattform ist so konzipiert, dass sie überall dort eingesetzt werden kann, wo große Wissensbestände, komplexe Prozesse und hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensouveränität zusammentreffen. Damit lässt sich TRIA insgesamt als ein Modell für den verantwortungsvollen Einsatz generativer KI in Organisationen verstehen.
„TRIA ist nicht einfach eine intelligente Suchmaschine für Organisationen. Sie ist eine echte KI-Plattform, die Wissen versteht, interpretiert und kreativ Lösungsvorschläge entwickelt. Gleichzeitig verbleiben alle Daten in einem geschützten Umfeld der jeweiligen Organisation. Genau diese Verbindung aus Leistungsfähigkeit, Datenschutz und einfacher Nutzbarkeit macht TRIA derzeit einzigartig in Bayern“, sagt Thomas Simon, Leiter des ZIM. Entwickelt wurde die KI-Plattform zwar an der Universität Passau, inzwischen nutzen aber alle weiteren Hochschulen in Bayern die Plattform oder bereiten eigene Anwendungen vor. So konnte zuletzt gemeinsam mit der Universität Würzburg ein erster Chat Bot erfolgreich in Betrieb genommen werden. Auch das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) sowie das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) haben den Einsatz der Plattform erprobt. Dabei hat sich bestätigt, dass das System durch den souveränen Ansatz und seine Anwenderfreundlichkeit überzeugt.
Datenschutz und digitale Souveränität als zentrale Stärke
Ein Alleinstellungsmerkmal von TRIA ist die konsequent datenschutzorientierte Umsetzung. Sämtliche Daten verbleiben innerhalb der jeweiligen Organisation und werden nicht zum Training externer KI-Modelle verwendet. Gleichzeitig ermöglicht die Plattform den Einsatz modernster generativer KI-Technologien in einem kontrollierten und sicheren Umfeld. Möglich wird dies durch eine so genannte „mandantenfähige Architektur“. Jede Hochschule erhält einen eigenen, vollständig abgeschotteten Bereich, in dem sie ihre Anwendungen selbst entwerfen, KI-Agenten entwickeln und ihre Daten verwalten kann. Die Plattform wächst dadurch kontinuierlich, ohne dass Hochschulen ihre digitale Souveränität aufgeben müssen. Damit ist eine Plattform entstanden, die nicht nur für die Universität Passau, sondern für das gesamte bayerische Hochschulsystem neue Möglichkeiten eröffnet.
Die praktischen Anwendungsmöglichkeiten reichen von Studienberatung und Bibliotheksservices über Verwaltungs- und IT-Support bis hin zu intelligenten Serviceangeboten für Studierende und Beschäftigte. Perspektivisch kann TRIA etwa Studierende in unterschiedlichen Studienphasen begleiten – von der Bewerbung über das Studium bis zum Abschluss – und relevante Informationen jederzeit leicht zugänglich machen. Beschäftigte erhalten einen schnelleren Zugriff auf relevantes Wissen, können Routineaufgaben effizienter erledigen und werden bei der Optimierung von Arbeitsprozessen unterstützt. „Der entscheidende Unterschied gegenüber KI-Systemen wie Chat GTP ist, dass wir die KI nicht vom einzelnen Arbeitsplatz her denken, sondern ausgehend von der Organisation. Wir schaffen damit eine Infrastruktur, die Wissen, Prozesse und Zusammenarbeit intelligent verbindet. Dadurch profitieren alle, die in oder mit der Organisation arbeiten“ so Thomas Simon.
Ein gemeinsamer Baustein für die Hochschule der Zukunft
Mit TRIA rücken damit insgesamt neue Formen der Organisation und der Zusammenarbeit näher: Organisationen können ihre Daten und ihre Prozesse sicher mit den Möglichkeiten generativer KI verbinden, ohne die Kontrolle über ihre Informationen aufzugeben. TRIA zeigt damit exemplarisch, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen kann. Dabei ist die Entwicklung von TRIA Teil der langfristigen Strategie der Universität Passau. Die Universität versteht Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie für Forschung, Lehre, Transfer und Verwaltung und hat deren verantwortungsvolle Gestaltung und Nutzung als Leitziel in ihrer Hochschulstrategie verankert. „Damit verfolgen wir den Anspruch, die digitale Transformation aktiv mitzugestalten. Die Plattform verbindet dazu technologische Exzellenz mit Verantwortung und digitaler Souveränität und eröffnet neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Wissensmanagement – nicht nur an Hochschulen, sondern überall dort, wo Organisationen die Chancen von KI verantwortungsvoll nutzen möchten,“ erläutert Prof. Dr. Harald Kosch, Vizepräsident für Akademische Infrastruktur/IT und Nachhaltigkeit der Universität.
Einschätzungen und Erfahrungsberichte aus Hochschulen
Universität Würzburg: „Mit der Einführung des KI-Bots RZ-Biene Mitte Juli hat sich gezeigt, wie schnell der KI-Bot als zusätzliches Unterstützungsangebot von unseren Beschäftigten positiv aufgenommen wird. Besonders geschätzt werden die direkten Antworten auf Fragestellungen bei IT-Problemen und die Möglichkeit, auch außerhalb der regulären Supportzeiten unkompliziert Hilfe bei der Nutzung der Dienste zu erhalten,“ berichtet Michael Tscherner, Bereichsleiter des Rechenzentrums für IT-Support, IT-Schulung und Multimedia der Universität Würzburg. Die „RZ-Biene“ ergänze den vorhandenen persönlichen IT-Support sinnvoll und sorge für eine Entlastung des bestehenden Personals, vor allem bei häufig wiederkehrenden Fragen. „Für uns zeigt die aus dem Digitalverbund hervorgegangene Zusammenarbeit mit der Universität Passau, wie gewinnbringend hochschulübergreifende Kooperationen bei der Einführung von neuen IT-Services sein können. Wir freuen uns darauf, das Angebot in einem nächsten Schritt ab Anfang Oktober auch den Studierenden bereitzustellen.“
Technische Hochschule Deggendorf: „TRIA bietet uns insbesondere im Bereich des IT-Service-Desks spannende Möglichkeiten“, so Alexander Pflieger, Referatsleiter des Bereichs Hochschuldigitalisierung im IT-Zentrum der TH Deggendorf. Ein großer Teil der Anfragen bestehe aus wiederkehrenden Fragestellungen, für die häufig standardisierte Antworten benötigt werden. Ein KI-gestützter Support-Bot kann hier perspektivisch rund um die Uhr schnelle und verlässliche Unterstützung bieten und damit gleichzeitig die Mitarbeitenden entlasten. „Die dadurch gewonnenen Kapazitäten können wir gezielter für komplexere und individuellere Anliegen einsetzen. Besonders interessant ist für uns die Möglichkeit, TRIA mit dem bereits vorhandenen Wissen unserer Hochschule anzureichern – beispielsweise mit Inhalten aus unserem internen Wissensmanagement und unserem internen Ticketsystem.“ Dadurch lasse sich eine hohe Qualität und Praxisnähe der Antworten erreichen, während gleichzeitig der Zugang zur KI-Anwendung für die Nutzenden niedrigschwellig bleibe. Darüber hinaus sieht Pflieger ein großes Potenzial darin, auf dieser Grundlage perspektivisch weitere agentenbasierte Anwendungen für unterschiedliche Einsatzbereiche zu entwickeln.