Zentrales Ziel des diesjährigen Symposions des Neuburger Gesprächskreises war es, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft miteinander ins Gespräch über die fundamentalen Veränderungen unserer Lebenswelten zu bringen. In seiner Dinner-Speech zeichnete S.E. Prof. Dr. Martin Selmayr, Botschafter der Europäischen Union beim Heiligen Stuhl, beim Souveränen Malteserorden, bei den Vereinten Nationen in Rom und bei der Republik San Marino, das Bild einer Welt im tiefgreifenden Umbruch, die durch geopolitische Konflikte, technologische Revolutionen und wachsende Herausforderungen für demokratische Institutionen geprägt sei. Angesichts dieser Entwicklungen sprach er vom „Wandel einer Ära“ und betonte die Notwendigkeit einer ehrlichen Analyse der internationalen Lage: „Wir leben zurzeit nicht in einer Ära des Wandels. Wir erleben den Wandel einer Ära.“ Für die europäische Diplomatie warb er für einen „wertegeprägten Pragmatismus“, der europäische Grundwerte bewahre, zugleich aber die Fähigkeit zu Kompromissen und strategischen Partnerschaften stärke. Dabei unterstrich er – ebenso wie die Teilnehmer der vorrangegangenen Podiumsdiskussion – die Bedeutung eines geeinten Europas, das als gemeinsamer Akteur deutlich mehr politisches Gewicht entfalte als seine Mitgliedstaaten einzeln.
Um das eigene Potenzial auf europäischer Ebene zu entfalten, seien jedoch auch pragmatische Lösungen und Zusammenarbeit zwischen den Regionen in einzelnen Länder von großer Bedeutung: Um das Innovationspotenzial regionaler Zusammenarbeit zu veranschaulichen, stellte das Abteilung Kommunikation und Marketing Jahressymposion 2026 in einzelnen Paneldiskussionen fünf unterschiedliche Regionen mit starken Forschungsclustern und spezialisierten Industrien vor, die globale Wirkung entfalten können: Äthiopien, Tel Aviv/Israel, Südtirol/Italien sowie Quebéc/Kanada und Kjiw/Ukraine – Regionen mit jeweils wirtschaftlichen Spezialfeldern, die hochinnovative Kraftzentren für Wirtschaft und Wissenschaft darstellen und deren diplomatische Partnerschaften den Aufbau von Demokratie und Wohlstand fördern. In der Podiumsdiskussion mit den Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Regionen wurde deutlich: Es braucht immer auch Projekte in Regionen, die Vernetzung auf nationaler wie internationaler Ebene ermöglichen und dadurch Weiterentwicklungen fördern – sowohl in der Wirtschaft, als auch in der Wissenschaft. Denn: Hier kommen Menschen zusammen, hier entstehen Ideen sowie praktische Lösungen für den Alltag. Ministerialdirigent Michael Köller betonte mit Blick auf die Bayerische Vertretung in Brüssel, dass „Diplomatie und Bayern“ zwar nach „Größenwahn“ klinge, aber: „Sowohl Wissenschafts- als auch Wirtschaftsdiplomatie funktionieren regional, denn Universitäten wie mittelständische Unternehmen bilden das heimische Rückgrat, von dem aus sie internationale Verbindungen knüpfen. Bayerische Vertretungen in aller Welt fungieren als Türöffner, um neue Märkte zu erschließen und Partnerschaften in der Wissenschaft zu fördern.“
Als Alumni der Universität Passau waren sich sowohl Köller als auch Selmayr einig: Ihre Alma Mater hat beiden neben Fachkenntnissen und Fremdsprachenkompetenz die notwendige interkulturelle Kompetenz und Offenheit vermittelt und als Türöffner für eine diplomatische Karriere fungiert: „Darauf können wir stolz sein: Die Universität Passau verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit einer Ausbildung, die weit über das Studium hinausträgt.“, betonte Selmayr.
Für diese weltoffene Anbindung der Universität Passau engagiert sich auch Fritz Audebert, als Vorsitzender des Neuburger Gesprächskreises und Initiator des Symposions, der es gerade in global hausfordernden Zeiten als zentrales Ziel sieht, sich auszutauschen, um Diplomatie und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Prof. Dr. Jan H. Schumann, Präsident der Universität Passau, dankte ihm für die Eröffnung von Perspektiven: „Der Neuburger Gesprächskreis bringt als Netzwerk Menschen und Persönlichkeiten zusammen – regional, national sowie international und dauerhaft – um die Schlüsselthemen unserer Zeit zu gestalten und verhilft damit der Universität zu ihrem Innovationspotenzial als ‚Hidden Champion‘ in der Region.“
Zu Gast in Neuburg waren unter anderem S.E. Eskindir Yirga Asfaw, Botschafter der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien in Berlin, Steven Schmerz, Leiter des Büros des Freistaats Bayern in Israel, Giacomo Leopoldo Bampini, stellvertretender Konsul der Republik Italien in München und Dr. Luis Durnwalder, Landeshauptmann Südtirols a.D., Yuriy Yarmilko, Generalskonsul der Ukraine in München a.D. und Berater der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Geneviève Rolland, Generaldeligierte von Québec in München, Michael Köller, Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung Europaangelegenheiten und Internationales in der Bayerischen Staatskanzlei, sowie Prof. Dr. Jan H. Schumann, Präsident der Universität Passau. In Kooperation mit den Europäischen Wochen führte das Violinentrio Roman Patocka, Petr Strízeck und Martin Stupka aus Tschechien durch das Symposion, um Menschen durch Musik miteinander zu verbinden. Den Abschluss bildete ein festliches Abendessen.
Mehr zum Symposion finden Sie auf der Webseite des Neuburger Gesprächskreis.