Die Verbundenheit zwischen der Universität Passau und der Prager Karlsuniversität blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bereits im Jahr 1983 schloss die Universität Passau ihre erste Hochschulpartnerschaft mit der renommierten Karlsuniversität im Nachbarland. Erstmals nach seinem Amtsantritt hat Präsident Prof. Dr. Jan Hendrik Schumann nun im Oktober – gemeinsam mit Prof. Dr. Daniela Wawra als Vizepräsidentin für Internationales und einer Delegation von Fachvertreterinnen und -vertretern der FIM-Fakultät – seinen Amtskollegen Rektor Prof. RNDr. Jiří Zima, CSc. in Prag besucht, der die Leitung an der Karlsuniversität in Prag ebenfalls neu übernommen hat. Im Fokus des Austausches standen neben einer ersten Bilanz über das im vergangenen Jahr gestarteten Doppelabschlussprogramms im Bereich Informatik auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten und künftige Kooperationsformate.
Im Sommersemester 2025 startete der gemeinsame Studiengang, das Joint Study Programme Master of Science in „Computer Science“. Mit dem Joint Study Programme wurde unter der Programmleitung von Prof. Dr. Stefanie Scherzinger (Lehrstuhl Informatik mit Schwerpunkt Skalierbare Datenbanksysteme) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Tobias Kaiser (Professur für Reine Mathematik) Pionierarbeit für die Verbindung in der Lehre beider Universitäten geleistet: Studierende können den Studiengang an beiden Universitäten gleichzeitig absolvieren und erhalten den Masterabschluss von beiden Universitäten. „Doppelstudiengänge sind weit mehr als ein attraktives Studienangebot. Sie ermöglichen unseren Studierenden, unterschiedliche akademische Kulturen kennenzulernen, internationale Erfahrungen zu sammeln und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln. Wer an zwei Universitäten studiert, erweitert den eigenen Horizont und lernt, unterschiedliche Perspektiven produktiv miteinander zu verbinden“, betont Präsident Schumann.
„Internationale Hochschulpartnerschaften eröffnen neue Perspektiven – für Studierende, für die Wissenschaft und für die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg.“, zeigt sich Vizepräsidentin Wawra überzeugt. Um diese in Lehre und Forschung zu fördern, bieten die Universität Passau und die Karlsuniversität ihren Studierenden und Forschenden bereits seit über zehn Jahren Gastaufenthalte an der Partneruniversität im Rahmen von Erasmus+ und dem DAAD-Programm „Ostpartnerschaften“ an. In enger Zusammenarbeit der beiden theologischen Fakultäten werden neben regelmäßigen Forschungsaufenthalten und Vernetzungstreffen die „Prague-Passau Symposium Series“ als Workshopreihe veranstaltet. Im juristischen Bereich ist die gemeinsame Durchführung des Deutsch-Tschechischen Rechtsfestivals für 2027 geplant. Auch in der Forschung ist die Prager Karlsuniversität eine enge Partnerin: Neben der Netzwerktagung zu Fachthemen in der katholischen Theologie unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Handschuh im vergangenen Jahr, forschen beide Universitäten im Rahmen des EU-Horizon-Verbundprojektes „TaCT-FoRSED“ an der Resilienzentwicklung demokratischer Systeme gegen Verschwörungstheorien unter der Projektleitung von Prof. Dr. Oliver Hidalgo und Dr. Hannes Birnkammerer.
Der strategische Ausbau bisheriger Hochschulpartnerschaften im Zuge der Internationalisierung ist eine wichtige Zielsetzung der Universität Passau und erklärtes Ziel des Besuchs in Prag. Der Austausch der beiden Universitätsleitungen Schumann und Zima unterstreicht dabei die Bedeutung des persönlichen Dialogs als Grundlage für eine vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit. „Gerade durch unsere Lage im Dreiländereck ist der Gedanke an die europäische Zusammenarbeit bereits seit ihrer Gründung besonders verankert an unserer Universität. Es freut mich, hierfür eine so renommierte Partneruniversität wie die Karlsuniversität im Nachbarland an unserer Seite zu haben.“, so Präsident Schumann. Geplant sei, die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre über die einzelnen Fachbereiche und Studienprogramme hinweg auszudehnen und zu vertiefen. Weitere Kooperationsmöglichkeiten wurden in den Fachbereichen Mathematik, Geschichte und Kultur, insbesondere im Schwerpunktbereich Ost-Mittel-Europa-Studien, sowie in der Lehramtsausbildung ausgelotet; ebenso wird die Entwicklung weiterer Forschungsprojekte und Doppelabschlussprogramme angestrebt. Mit weiteren Doppelstudiengängen plant die Universität Passau neben länderübergreifender Forschung auch ihren Studierenden zusätzliche Wege zu öffnen, internationale Erfahrung mit fachlicher Exzellenz zu verbinden. Zugleich stärkt sie damit ihr Profil als international ausgerichtete Universität, die den Austausch zwischen akademischen Kulturen aktiv gestaltet.