Wie können Internet und Stromnetz künftig besser zusammenarbeiten, um Energie effizienter zu nutzen und die Energiewende voranzutreiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 16. und 17. Juli internationale Expertinnen und Experten an der Universität Passau. Der Workshop „The Internet meets the Electricity Grid: Technical Standards and Societal Challenges“ der Sustainability and the Internet Research Group der Internet Research Task Force (IRTF) brachte Fachleute aus den Bereichen Internetprotokolle, Stromnetzinfrastruktur und Nachhaltigkeit zusammen.
Die Veranstaltung wurde durch eine Entwicklung notwendig, die zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnt: Die Digitalisierung und insbesondere der rasante Ausbau leistungsfähiger KI-Rechenzentren führen weltweit zu einem stark steigenden Bedarf an Strom, Wasser und Flächen. Dadurch rückt die Frage, wie digitale Infrastrukturen und Energieversorgung künftig gemeinsam geplant und nachhaltig gestaltet werden können, immer stärker in den Fokus. Der Workshop griff diese Herausforderung auf und diskutierte, wie Internet und Stromnetz künftig besser aufeinander abgestimmt werden können.
Gastgeber des Workshops an der Universität Passau waren der Lehrstuhl für Rechnernetze und Rechnerkommunikation von Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer sowie die Stabsstelle Klimaschutz. Ziel der Veranstaltung war es, den Austausch zwischen zwei bislang weitgehend unabhängig voneinander entwickelten Infrastrukturen zu fördern und gemeinsame Lösungsansätze für eine nachhaltige digitale und energetische Infrastruktur zu entwickeln.
Das wissenschaftliche Programm wurde von Ali Rezaki (Nokia), Prof. Eve Schooler, PhD (University of Oxford), Prof. Dr. Michael Welzl (University of Oslo) und Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer (Universität Passau) konzipiert und gestaltet. Als lokale Organisatoren an der Universität Passau fungierten das Team um Professor de Meer mit Anuschka Loibl und Stefan Schröder.
„Bisher wurden die beiden großen technischen Infrastrukturen unserer Gesellschaft – das Internet und das Stromnetz – weitgehend unabhängig voneinander entwickelt. Umso wichtiger ist es, ihre Weiterentwicklung künftig gemeinsam zu denken“, erläutert Gastgeber Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer von der Universität Passau. „Mit dem rasanten Wachstum datenintensiver Anwendungen und KI-Systeme steigt auch der Ressourcenbedarf digitaler Infrastrukturen erheblich. Erst wenn Informations- und Energieinfrastruktur intelligent zusammenspielen, können wir die Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Energieversorgung vollständig nutzen. Dafür braucht es gemeinsame technische Standards und einen intensiven Austausch zwischen Forschung, Standardisierung und Praxis.“
32 internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Standardisierung und Wirtschaft folgten der Einladung nach Passau. Neben Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen standen interaktive Arbeitsformate auf dem Programm. Diskutiert wurde unter anderem, welche Kennzahlen und Standards geeignet sind, um Energieverbrauch, Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeiten im Zusammenspiel von Internet und Stromnetz transparent zu erfassen und vergleichbar zu machen. Im Mittelpunkt standen außerdem die Frage, welchen Beitrag das Internet und die internationale Netzwerk-Community zur nachhaltigen Gestaltung künftiger Energiesysteme leisten können, sowie die technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden Verzahnung von Informations- und Energieinfrastruktur ergeben. Dabei spielte auch die Frage eine wichtige Rolle, wie der steigende Ressourcenbedarf digitaler Dienste – insbesondere durch KI-Anwendungen und große Rechenzentren – künftig besser mit den Anforderungen einer nachhaltigen Energieversorgung in Einklang gebracht werden kann.
Der Workshop verdeutlichte, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Informations- und Energietechnik entscheidend ist, um die Digitalisierung und die Energiewende gemeinsam voranzubringen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Entwicklung gemeinsamer Standards und der interdisziplinäre Austausch wesentliche Voraussetzungen dafür ist.
Für die Universität Passau fügt sich die Veranstaltung in einen größeren Zusammenhang ein. Im strategischen Potenzialfeld „Nachhaltiger Wandel“ entwickeln Forschende Lösungen für drängende gesellschaftliche Herausforderungen – von Klimawandel und Ressourcenverbrauch über soziale Gerechtigkeit bis hin zu globaler Verantwortung. Die nachhaltige Verzahnung von Informations- und Energieinfrastruktur ist dabei ein zentrales Zukunftsthema.
Fazit Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer
„Die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur interdisziplinär bewältigen. Der Workshop zeigt beispielhaft, wie Informatik, Ingenieurwissenschaften und Nachhaltigkeitsforschung gemeinsam Lösungen für eine nachhaltige Zukunft entwickeln können. Gerade angesichts des stark wachsenden Ressourcenbedarfs digitaler Infrastrukturen müssen Internet- und Energieexpertise künftig noch enger zusammenarbeiten.“
Fazit Prof. Dr. Werner Gamerith, Beauftragter der Universitätsleitung für Nachhaltigkeit
„Der internationale Workshop mit renommierten Gästen in Passau unterstreicht die Bedeutung unseres strategischen Potenzialfelds „Nachhaltiger Wandel“ und unseren Anspruch, wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Die nachhaltige Gestaltung der Digitalisierung zählt zu den zentralen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft, für deren Bewältigung auch unsere Universität Verantwortung trägt.“
Über IRTF und IETF
Die Internet Research Task Force (IRTF) ist eine internationale Forschungsgemeinschaft, die sich mit langfristigen Fragestellungen zur Weiterentwicklung des Internets befasst. Sie ergänzt die Arbeit der Internet Engineering Task Force (IETF), die offene Internetstandards und Best Practices entwickelt, welche die Funktionsweise und Interoperabilität des Internets weltweit sicherstellen. Die im Rahmen der IRTF entwickelten Forschungsergebnisse bilden häufig die Grundlage für zukünftige Internetstandards und Innovationen.