Das DFG-Projekt „Freie und gebundene Variation in der Grammatik. Diachronie und Diatopik der Auxiliarvariation im Deutschen“, in dem der Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Passau von Prof. Dr. Alexander Werth mit der Universität Duisburg-Essen kooperiert, geht in die Projektverlängerung und erhält eine weitere Förderung von der Deutschen Forschungs-gemeinschaft bis 2027 (Projektnummer: 509137817)
Ziel des seit 2023 laufenden Projektes ist es, am Beispiel der Perfekthilfsverben ‚haben‘ und ‚sein‘ zu untersuchen, inwiefern sprachliche Unterschiede immer auch zu Funktionsunterschieden führen müssen. „Sicher ist vielen von uns der regionale Unterschied zwischen ‚ich habe gesessen‘ im Norden Deutschlands und ‚ich bin gesessen‘ im Süden Deutschlands, wie es etwa auch in Passau gesprochen wird, bekannt. Daneben gibt es aber auch viele andere Verben, die zwischen ‚haben‘ und ‚sein‘ variieren, bei denen aber nicht klar ist, worauf die Variation beruht, etwa bei ‚ich habe gejoggt‘ oder ‚ich bin gejoggt‘, ‚die Wäsche ist getrocknet‘ oder ‚hat getrocknet‘ und bei vielen Verben mehr“, erläutert Prof. Dr. Alexander Werth. „Wir untersuchen diese Variation, wobei es uns nicht alleine um dieses spezifische grammatische Phänomen geht, sondern darum, ob Formenunterschiede wie hier zwischen ‚haben‘ und ‚sein‘ in Sprachen immer auch zu Funktionsunterschieden führen müssen. „Sprachtheoretisch ist das nämlich hoch umstritten“, so Werth. Im Projekt werden dafür computergestützt große Sprachkorpora analysiert, auch im Hinblick auf die Verwendungskontexte der untersuchten Verben.
Bildhinweis:
Hilfsverb beim Perfekt von „stehen“: Das hat/ist/war in der Zeitung gestanden; aus:www.atlas-alltagssprache.de