Falschinformationen stellen vor allem auf politischer Ebene eine Gefahr dar. Wie lassen sie sich besser erkennen? Dieser Frage geht ein Team um Prof. Dr. Florian Töpfl im EU-Horizon-Projekt POLINOCULATE nach.
Falschinformationen verbreiten sich im Internet oft rasend schnell und völlig unbemerkt – mit gravierenden Folgen: Sie erschüttern das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in demokratische Prozesse und Behörden und tragen zur Polarisierung von Gesellschaften bei. Auch das Weltwirtschaftsforum hat diese Gefahr erkannt und stufte Fehlinformationen 2024 als das größte globale Risiko der kommenden Jahre ein.
Besonders gefährlich sind Desinformationen auf politischer Ebene: Politikerinnen und Politikern fehlt es oft an Werkzeugen, Desinformationen effektiv zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Wie wirksam die EU-Regulierungen im digitalen Bereich sind, ist unklar.
Genau an dieser Stelle setzt das Projekt POLINOCULATE an: „Politische Entscheidungspersonen sind die erste Verteidigungslinie gegenüber Desinformation“, erklärt Prof. Dr. Florian Töpfl, Inhaber des Lehrstuhls für Politische Kommunikation mit Schwerpunkt auf Osteuropa und die postsowjetische Region an der Universität Passau. „Deshalb ist es entscheidend, ihre Resilienz zu stärken.“ Mit seinem Team beteiligt er sich am EU-Horizon-Projekt POLINOCULATE, das von der finnischen Universität Turku koordiniert wird.
Was das Projekt erreichen will
Eines der Hauptziele des europaweiten Forschungsteams ist es, einen digitalen KI-Assistenten für Entscheidungsträger zu entwickeln: Dieser „CounterCoach“ soll politische Entscheidungspersonen darin trainieren, Desinformationen zu erkennen und darauf auch unter Druck mit Klarheit und Glaubwürdigkeit zu reagieren. „Es handelt sich dabei um eine Art fortgeschrittenes Kommunikationstraining, ohne dass teures Mediencoaching nötig wird“, erklärt Prof. Dr. Töpfl. In die Entwicklung sind nationale und EU-Politiker, Verwaltungsmitarbeiter und Analysten direkt mit eingebunden.
Was daraus entsteht
Weitere Ziele des Projekts sind die Erstellung konkreter Schulungsmaterialien für Ministerien und Behörden, sowie wissenschaftlich fundierte Politikempfehlungen, die der EU und seinen Mitgliedsstaaten dabei helfen sollen, klügere Gesetze gegen Desinformation zu machen.
Das Team um den Passauer Kommunikationswissenschaftler liefert wichtige geopolitische Einblicke, wie ausländische Akteure und autoritäre Regime versuchen, den europäischen Diskurs zu beeinflussen. So haben Forschende um Prof. Dr. Töpfl in dem ERC-Consolidator-Projekt RUSINFORM Russlands informationellen Einfluss im Ausland analysiert. In dem vom Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) geförderten Projekt Authoritarian AI untersucht ein Team, wie autoritäre Staaten KI-Modelle manipulieren und an ihre Propaganda anpassen.
Das EU-Horizon-Projekt POLINOCULATE will eine Brücke zwischen Forschung, Politik und Praxis schlagen, um Europa langfristig gegen neue Informationsgefahren zu wappnen und die europäische Demokratie widerstandsfähiger zu machen. Es fügt sich damit ein in das Forschungsprofilfeld „Resiliente Demokratien“ an der Universität Passau.
Projektbeteiligte und Koordination
Koordinator des Projekts ist die finnische Universität Turku. Die Universität Passau ist als eine von insgesamt vier europäischen Partneruniversitäten involviert. Aus Großbritannien ist die Universität Sheffield und die Universität Bristol dabei, aus Ungarn die Eötvös-Loránd-Universität Budapest. Die Nichtregierungsorganisation GLOBSEC mit Sitz in Bratislava, Slovakei, ist ebenfalls Projekt beteiligt.
Die Europäische Kommission fördert das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren über das Programm HORIZON EUROPE (9. Forschungsrahmenprogramm) – Research and Innovation Actions - mit insgesamt rund 3,5 Mio € für das gesamte Konsortium. Die Universität Passau erhält hieraus eine Förderung in Höhe von 410 475 Euro. Die nicht-parlamentarische Organisation Globsec mit Hauptsitz in der Slovakei unterstützt das Projekt ebenfalls. Start ist am 1. September 2026.
| Projektleitung an der Universität Passau | Prof. Dr. Florian Töpfl (Lehrstuhl für Politische Kommunikation mit Schwerpunkt auf Osteuropa und die postsowjetische Region) |
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| Laufzeit | 01.09.2026 - 31.08.2029 |
| Mittelgeber |
Europäische Union (EU) > EU - 9. Forschungsrahmenprogramm (Horizon Europe)
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| Projektnummer | 101288495 |
| Förderhinweis |
Finanziert durch die Europäische Union. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wider. Weder die Europäische Union noch die Förderstelle können dafür haftbar gemacht werden. |