Auch rund zehn Jahre nach der sogenannten Flüchtlingskrise sind ethische Fragen rund um das Thema Migration noch immer drängend: Was schulden wir Geflüchteten? Wie können wir in Europa gerecht und verantwortlich mit Migrationsbewegungen umgehen? Wie verändern neue digitale Möglichkeiten unser Handeln an Grenzen und unseren Blick auf migrierende Personen? Diese Fragen adressieren nicht nur Kernkonzepten der Ethik wie Gerechtigkeit, Rechten und Pflichten, sondern sind im Jahr 2026 noch immer von hoher gesellschaftlicher Relevanz.
Dass Migrationsethik global gedacht werden muss, spiegelte sich nicht zuletzt in der Internationalität der Teilnehmenden an der diesjährigen Passau Summer School for Applied Ethics (PASSAE), die jährlich von der Professur für Angewandte Ethik an der Universität Passau unter der Leitung von Prof. Dr. Karoline Reinhardt organisiert und durchgeführt wird. 2026 nahmen Studierende aus Deutschland, Österreich, Rumänien, Tschechien, Polen, Brasilien, Benin, Litauen, China, Pakistan, Ungarn, Belgien, Frankreich, Italien, Serbien, Schweden, Spanien, den USA, UK, Taiwan, Marokko, Georgien, den Niederlanden und Kolumbien an der PASSAE teil.
Die Summer School verbindet auf innovative Weise das Lernen in thematischen Arbeitsgruppen mit Vorträgen einschlägiger Expertinnen und Experten aus der Angewandten Ethik zu einer internationalen und interdisziplinären Lernerfahrung für Studierende aus der ganzen Welt: „Wir freuen uns sehr darüber, wie groß die internationale Anziehungskraft unserer Summer School ist. Es ist einmal mehr deutlich geworden, dass gerade junge Menschen sich für ethische Fragestellung und nicht nur Machbarkeit interessieren“, betont Reinhardt.
In diesem Jahr untersuchten die Studierenden in den Arbeitsgruppen ‚Future of Europe‘, ‚Digitalization‘ und ‚Sustainability‘ europäische Migrationsphänomene und die daraus resultierenden Fragen für Europas Zukunft, ethische Implikationen der Digitalisierung von Grenzregimen und den Zusammenhang zwischen Migration und Nachhaltigkeit, wie etwa im Fall von Klimaflucht. In ihrer jeweiligen Gruppe erarbeiteten sie je einen gemeinsamen Blogartikel, der ihre Erkenntnisse für ein breites Publikum öffentlich zugänglich macht. Darüber hinaus hatten die Teilnehmenden bei Plenarvorträgen die Möglichkeit, Einblicke in die Forschung führender philosophischer Expertinnen und Experten zu erhalten, von ihnen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen. Gerahmt wurde das akademische Programm durch verschiedene Aktivitäten wie eine interaktive Stadtführung oder eine Wanderung zur Veste Oberhaus, um den Campus und die Stadt gemeinsam zu entdecken und den Austausch unter den internationalen Nachwuchsforschenden zu fördern.
Den Abschluss der fünftägigen Veranstaltung bildete in diesem Jahr erstmalig eine Paneldiskussion mit anschließendem freiem Austausch zwischen Teilnehmenden der Summer School und Mitgliedern des Alumni Clubs der Universität Passau, bei dem die Studierenden Teil des internationalen Netzwerks der Universität Passau werden konnten, um dieser auch nach der Summer School verbunden zu bleiben.
Die PASSAE fügt sich ein in den Forschungsschwerpunkt der Universität Passau „Nachhaltiger Wandel“. Forschende verschiedener Disziplinen suchen hier nach Antworten auf die drängenden Fragen von Klimawandel, sozialer Ungleichheit und globaler Verantwortung. Die Summer School wurde gefördert vom Passau International Centre for Advanced Interdisciplinary Studies (PICAIS) und der Gesellschaft für Analytische Philosophie e.V. (GAP).