„Das Fragment ist der Eingriff des Todes ins Werk; indem er es zerstört, nimmt er den Makel des Scheins von ihm“ (Theodor Adorno, Ästhetische Theorie – Editorisches Nachwort). Für Adorno nicht die gescheiterte Form eines angestrebten Ganzen. Es ist die Form, in der die Wahrheit sichtbar wird, dass kein Ganzes jemals wirklich ganz sein kann. So ist es ein inhaltliches wie formales Anliegen der jungen Künstlerinnen und Künstler, das Thema der Verletzlichkeit, der Endlichkeit als Grundbedingung menschlicher Verfasstheit in den bildnerischen Arbeiten zu übersetzen.
Liest man den Titel der Ausstellung „was wollen wir uns zeigen“ vor dem Hintergrund des heutigen Credos der Selbstoptimierung, kann sie auch als Kritik verstanden werden: Wir verstehen uns ständig als Objekte und Projekte, die verbessert werden müssen, um produktiver, gesünder, erfolgreicher, attraktiver zu werden. Zeigen wir einander also nur das, was wir aus uns machen, oder auch das, was wir in unserem tiefsten Wesen bereits sind? Können wir das Wissen über unsere Grenzen, die Unsicherheit unserer Existenz annehmen; und wollen wir darüber in Kommunikation treten, damit wir wieder in ein Verhältnis zu uns kommen, in welchem unsere Unvollkommenheit nicht als Mangel, nicht als defizitär gilt?
So stellt der Titel der Ausstellung „was wollen wir uns zeigen“ eine Frage und zugleich eine Aufforderung dar, über unsere Zeichen, die wir uns zeigen, nachzudenken. Die Formulierung fragt nicht „was wollen wir sehen“, sondern „was wollen wir uns zeigen“. Dies deutet auf eine aktive, gegenseitige Bewegung Abteilung Kommunikation und Marketing hin: Wir Menschen sind nicht nur Beobachter, sondern offenbaren uns in Beziehung zueinander und schaffen gemeinsam Bedeutung.
Alle Arbeiten entstanden in den Vertiefungsseminaren Hochdruck, Papier und Ton unter der Leitung von Brigitte Schira. Die Ausstellung „was wollen wir uns zeigen“ ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie. Bereits im Januar 2025 fand Teil 1 statt: „Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume“ (Titel nach einem Gedicht von Günther Eich).
Termine:
Dauer der Ausstellung: 24.06 – 09.07.2026
Eröffnung der Ausstellung: Dienstag, 23.06.2026, 19 Uhr
Begrüßung: Prof. Dr. Barbara Lutz-Sterzenbach
Einführung: Brigitte Schira, Akad. Direktorin
Rückfragen zur Ausstellung senden Sie bitte an brigitte.schira@uni-passau.de