Mit dem Campusacker entsteht an der Universität Passau ein Ort, an dem Urban Gardening, Nachhaltigkeitsbildung und praktische Erfahrung zusammenkommen. Das Projekt wird initiiert von Acker e.V. und findet im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung statt. Zudem erfolgt die Umsetzung in Kooperation mit der St.-Nikola-Schule Passau.
Auf der Ackerfläche bauen Studierende gemeinsam Gemüse und Nutzpflanzen an und setzen sich praxisnah mit Fragen rund um Boden, Anbau, ökologische Zusammenhänge und nachhaltige Ernährungssysteme auseinander. Studierende lernen praxisnah, wie Fruchtfolge und Mischkulturen gezielt eingesetzt werden, um Böden gesund zu halten und Pflanzengesundheit zu fördern. Sie führen die typischen Arbeitsschritte von Aussaat, Pflege bis zur Ernte durch, erkennen und bekämpfen Schädlinge auf ökologische Weise und stellen natürliche Dünger sowie Pflanzenschutzmittel selbst her. Gleichzeitig kultivieren sie eine vielfältige Palette an Gemüsearten und -sorten, wodurch sie ein umfassendes Verständnis für nachhaltige Anbaumethoden, Bodenmanagement und biodiversitätsfördernde Kulturen entwickeln.
Der Campusacker dient also als Lern- und Erfahrungsraum, in dem theoretisches Wissen aus Studium und Lehre unmittelbar angewendet werden kann.
Gleichzeitig leistet das Projekt einen Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Campus und fördert den Austausch zwischen Universität und Schule. Nachhaltigkeit wird so nicht nur erforscht, sondern gemeinsam gelebt und vermittelt und das mitten im universitären Alltag.
Drei Journalistik-Studentinen produzierten im Rahmen der wissenschaftlichen Übung "Campus ACKERdemie" im Sommersemester 2025 einen Podcast zum Thema Boden, denn ohne gesunden Boden läuft nichts. Er lässt Pflanzen wachsen, speichert Wasser und Nährstoffe und ist voller Leben – auch wenn wir ihn oft übersehen. Warum Bodengesundheit so wichtig ist, was unter unseren Füßen wirklich passiert und warum das Thema uns alle betrifft, darüber sprechen die Studentinnen und Herbert Schwarz, ein oberösterreichischer Rinder-Bauer, in diesem Podcast. Reinhören und entdecken, warum der Boden mehr ist als nur „Erde“.
Bereits im Sommersemester 2025 startete das Seminar zur CampusAckerdemie noch vor dem offiziellen Semesterbeginn. Schon im März bereiteten die Studierenden den Acker gemeinsam auf die neue Saison vor. In den darauffolgenden April- und Maiwochen wurden kontinuierlich neue Kulturen gepflanzt, sodass sich im Laufe des Semesters eine große Vielfalt im Beet entwickelte – von Tomaten und Kürbis über Fenchel, Sellerie und Lauch bis hin zu Mangold und vielen weiteren Gemüsesorten.
Parallel zu den Pflanzungen standen regelmäßig Pflegearbeiten auf dem Programm, darunter Beikrautbeseitigung, das Anhäufeln von Kartoffeln und Lauch sowie das Gießen der Kulturen. Begleitet wurden die praktischen Arbeiten durch Ackercoach Tina, von der die Studierenden sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen zu Boden, Nährstoffen, Schädlingen und den Hintergründen gärtnerischer Maßnahmen erlernten – etwa, warum bestimmte Pflanzen angehäufelt werden oder wie Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten bleibt.
Ein zentraler Bestandteil des Seminars war der Wissenstransfer, der je nach Studienfach unterschiedliche Schwerpunkte hatte. Lehramtsstudierende entwickelten und gestalteten fünf Projekttage für Schülerinnen und Schüler der St.-Nikola-Schule Passau, bei denen sie ihr Wissen rund um Gemüseanbau, Boden und nachhaltige Landwirtschaft altersgerecht vermittelten. Studierende des Fachs Journalistik und Strategische Kommunikation begleiteten das Projekt hingegen kommunikativ: Sie bereiteten Inhalte medial auf, dokumentierten die Arbeit auf dem Acker und produzierten eigenen Content, darunter unter anderem eine Podcastfolge zum Thema Boden, die von drei Studierenden konzipiert und umgesetzt wurde. Auf diese Weise entstand Wissenstransfer nicht nur im direkten Austausch, sondern auch über journalistische und mediale Formate.
Im Sommersemester 2026 wird das Seminar unter einem neuen Titel fortgeführt und inhaltlich erweitert. Der Fokus liegt dann auf „Ernährungssystemen und globalem Wandel“. Neben den praktischen Ackertätigkeiten und der Vermittlung von Wissen zum Gemüseanbau rücken künftig auch globale Ernährungssysteme, Wertschöpfungsketten, soziale Ungleichheiten sowie Produktions- und Verteilungsprozesse von Nahrung stärker in den Mittelpunkt. Ziel ist es, Studierende dafür zu sensibilisieren, Ernährung nicht nur lokal praktisch zu verstehen, sondern auch in ihren globalen Zusammenhängen kritisch zu reflektieren – und dieses Wissen auf unterschiedlichen Wegen weiterzugeben.
Die CampusAckerdemie ist ein praxisorientiertes Hochschulprogramm des gemeinnützigen Sozialunternehmens Acker e. V., das Studierenden Praxiswissen zum ökologischen Gemüseanbau und zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vermittelt. Anstelle von grauen Vorlesungen geht es dabei raus auf den Acker: Studierende pflanzen, pflegen und ernten gemeinsam auf dem CampusAcker, lernen landwirtschaftliche Grundlagen, ökologische Zusammenhänge und didaktische Methoden kennen und erfahren, wie ein Lern- und Lehrgarten als nachhaltiger Lernort funktionieren kann.
Ziel ist es, zukünftige Lehrkräfte, Pädagoginnen und Multiplikatorinnen dafür zu befähigen, selbstständig Schulgärten oder andere Lernorte aufzubauen und pädagogisch einzusetzen. Die CampusAckerdemie verknüpft praktisches Gärtnern mit theoretischen Inhalten – von ökologischer Bodenbearbeitung über Biodiversität bis zu nachhaltiger Ernährung – und bietet ergänzende Workshops sowie digitale Lernangebote an.
Heute wird die CampusAckerdemie an zahlreichen Hochschulen in ganz Deutschland, wie auch in Passau, realisiert und erreicht hunderte Studierende. Über den unmittelbaren Gemüseanbau hinaus will das Bildungsprogramm dazu beitragen, Wertschätzung für Natur, Lebensmittel und nachhaltige Lebensweisen zu stärken und die Inhalte langfristig in Lehramts- und Bildungscurricula zu verankern.