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Nachlese: Religion und KI

„Kann KI Glauben?“, dieser Frage gingen Pfarrerin Sonja Sibbor-Heißmann und Domvikar Peter Kunz zusammen mit Prof. Dr. Steffen Herbold, Inhaber des Lehrstuhls für AI Engineering, und dem KI-Chatbot Theo im Uni live-Vortrag am 17.06.2026 nach.

Prof. Dr. Steffen Herbold und sein Team stellten zunächst den eigens für diesen Abend programmierten Chatbot Theo vor und boten somit Einblicke in die Entwicklung und Anwendung von KI-Sprachmodellen. Anschließend beantworteten die Pfarrerin Sonja Sibbor-Heißmann, Domvikar Peter Kunz und der Chatbot Wissens- und Interpretationsfragen rund um die Bibel und den Glauben.

„Was kann KI (nicht)?“

„KI kann religiöse Texte analysieren, übersetzen und vergleichen – in einem Umfang, der für einzelne Menschen kaum erreichbar ist“, antwortete beispielsweise Chatbot-Theo auf die Frage nach den Möglichkeiten der KI, fügte aber hinzu: „Was KI dabei nicht kann: glauben, beten, leiden oder Trost aus eigener Erfahrung heraus geben. Religion lebt vom gelebten, verkörperten Menschen – KI bleibt ein Werkzeug, das bestenfalls den Weg dorthin erleichtern kann.“

Reaktionen zwischen Faszination und Skepsis

Die Antworten der KI stießen im Publikum auf eine Mischung aus Faszination und Skepsis – und ließen schnell eine angeregte Diskussion zu Möglichkeiten und Grenzen von KI-Anwendungen in der Religion und im Alltag entstehen. Zentrale Fragen dabei waren:

  • Wie wirkt sich KI auf den Glauben aus?
  • Ist KI eher ein Werkzeug oder eine Waffe?
  • Wie kann man verantwortungsbewusst mit dem „Werkzeug KI“ umgehen?

Pfarrerin Sonja Sibbor-Heißmann und Domvikar Peter Kunz teilten ihre eigenen Einschätzungen zu religiösen Fragen, ordneten die Antworten des Chatbots ein und riefen dabei vor allem zu einer reflektierten und differenzierten Nutzung von KI-Anwendungen auf.

Kritik aus theologischer Sicht

Die Uni live-Gäste warnten besonders vor einseitigen und extremen KI-Aussagen sowie Auslegungen der Chatbot-Antworten. Sonja Sibbor-Heißmann hob unter anderem die Bedeutung der Bibelübersetzung auf die Interpretation des Inhalts hervor: „Jede Übersetzung ist auch gleichzeitig eine Auslegung und der Chatbot hat da wenig Wissen und Gespür, schwierige Übersetzungen – zum Beispiel solche, die antijudaistisch gelesen werden können oder erklärungsbedürftig sind - zu erkennen.“ Domvikar Peter Kunz betonte, dass die Aussagen des Chatbots teilweise sehr landläufig seien.

„Die Frage ist hier, ob die KI gegen solche einseitigen und extremen Aussagen entgegensteuern kann oder „will““, so Sonja Sibbor-Heißmann. Die beiden Theologen forderten daher dazu auf, einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Werkzeug KI zu erlernen. Zur Verdeutlichung der Möglichkeiten und Gefahren bei der Nutzung des Werkzeugs KI wurde an diesem Abend der Vergleich mit dem „Werkzeug Messer“ eingeführt: Richtig und mit Vorsicht eingesetzt stellten beide Werkzeuge wichtige Hilfsmittel dar, welche aber auch großes Schadenspotenzial bergen würden.

Im Großen und Ganzen zeigte die gemeinsame, differenzierte Betrachtung der KI-Anwendung an diesem Abend: Durch KI ergeben sich vielfältige neue Möglichkeiten – auch im Feld der Religion. Nichtdestotrotz wird Theo wohl auch in Zukunft eher ein spannendes Hilfsmittel bleiben und weder Theologinnen und Theologen und vor allem nicht den Glauben in Gott ersetzen können.

Hintergrund zum Format

Der Vortrag reiht sich in die vorangegangen Veranstaltungen - Kai vs. KI: Schlägt der Juraprofessor den Chatbot und 5 gegen KI - Hätten Sie´s gewusst? ein, die in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Steffen Herbold, Inhaber des Lehrstuhls für AI Engineering und seinem Team umgesetzt wurden. Das Ziel seiner KI-Live-Demos sei es, nicht nur Menschen anzusprechen, die täglich mit KI arbeiten, sondern der breiten Gesellschaft die Möglichkeiten und Grenzen von KI näher zu bringen, erklärte Prof. Dr. Steffen Herbold. „Wir wollen dabei Themen aus dem echten Leben aufgreifen“, so Herbold.

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