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Studie in "Science Advances" zeigt, warum und unter welchen Bedingungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse teilen - oder auch nicht

Prof. Dr. Carolin Häussler, Lehrstuhlinhaberin für Organisation, Technologiemanagement und Entrepreneurship an der Universität Passau, hat in einer Forschungsstudie untersucht, ob und warum Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Forschungsdisziplinen ihre Erkenntnisse anderen zur Verfügung stellen und weshalb die wissenschaftlichen Disziplinen hierbei große Unterschiede aufweisen. Das Ergebnis wurde nun im Journal "Science Advances" veröffentlicht.

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Die Studie ist in einer Kooperation von Prof. Dr. Carolin Häussler (Universität Passau), Prof. Dr. Jerry G. Thursby (Institute for Quantitative Social Science/ Harvard University und TyGeron Institute), Prof. Dr. Marie C. Thursby (Institute for Quantitative Social Science, Harvard University; National Bureau of Economic Research; Vanderbilt University und Georgia Institute of Technology) sowie Dr. Lin Jiang (University of Missouri und University of South Florida) entstanden.

"Dass sich Mathematiker, Biologen, Mediziner und Ingenieure unterscheiden wird häufig betont und als Hinderungsgrund für interdisziplinäre Kooperation angeführt. Wir sehen auch tatsächlich in der Bereitschaft wissenschaftliche Erkenntnisse offenzulegen große Unterschiede zwischen den Disziplinen. Interessant ist allerdings, dass diese Unterscheide im Wesentlichen auf Umfeldfaktoren wie Wettbewerbsintensität, Kommerzialisierungsmöglichkeit und gelebten Normen zurückzuführen sind. Kurzum: Setzen wir eine Mathematikerin in das Feld eines Ingenieurs oder Biologen, würden sie sich im Hinblick auf die Weitergabe ihrer Erkenntnisse kaum unterscheiden", sagt Prof. Dr. Carolin Häussler.

Für die Studien wurden 7.103 Forscherinnen und Forschern aus neun verschiedenen Disziplinen befragt. Die Forschergruppe fand heraus, dass die Bereitschaft unter Wissenschaftlern Ergebnisse vor Veröffentlichung zu teilen, stark von der jeweiligen Disziplin abhängt. "Gründe der Bekanntmachung bzw. Weitergabe von Forschungsergebnissen vor Veröffentlichung sind meistens in der Anerkennung für die Leistung, der Hoffnung auf Feedback, Akquise neuer Forschungspartner und Aufmerksamkeit für das eigene Forschungsgebiet begründet", so Carolin Häussler. Eine Besonderheit liege in formellastigen Disziplinen: Hier werden Ergebnisse veröffentlicht, um einerseits Kolleginnen und Kollegen auf ihr Fachgebiet aufmerksam zu machen und gleichermaßen von der eigenen spezifischen Problemstellung abzuhalten. Jedoch fand die Forschergruppe um Prof. Dr. Carolin Häussler heraus, dass 70 Prozent dieser Unterschiede durch drei Faktoren erklärbar sind: Normen, Kommerzialisierungstendenz und Wettbewerbsintensität.

"Die Studie ist ein wichtiger Schritt um fachgebietsspezifische Unterschiede und deren Hintergründe zu verstehen und stellt eine Reihe von wichtigen Anschlussfragen. Beispielsweise, inwiefern gelebte Normen und die Wettbewerbsintensität in einer Disziplin durch die spezifischen Fragestellungen und die wissenschaftliche Methoden der Disziplin beeinflusst sind. Inwiefern Normen bzw. Wettbewerbsintensität optimal ausgeprägt sind oder nur aufgrund von Pfadabhängigkeit so sind wie sie sind? Welche Abhängigkeiten zwischen Normen, Wettbewerb und wissenschaftlichem Fortschritt in einer Disziplin bestehen?", fasst Carolin Häussler zusammen.

Das Journal "Science Advances" ist eine wissenschaftliche Fachzeitschrift und wird von der American Association for the Advancement of Science herausgegeben.

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